Die OT-World in Leipzig gilt als weltweite Leitmesse für Reha- und Hilfsmittelversorgung. Prof. Dr. Jörg Subke präsentiert dort seit 20 Jahren Forschungsprojekte und Studienmöglichkeiten der Technischen Hochschule Mittelhessen (THM) – und bringt immer wieder auch Impulse mit zurück nach Gießen.
Der Professor am Gießener Fachbereich Life Science Engineering (LSE) leitet den Bachelor-Studiengang „Biomedizinische Technik“ (BMT), in dem Vermittlerinnen und Vermittler zwischen Medizin und Technik ausgebildet werden. In diesem Jahr standen Orthesen und Prothesen im Mittelpunkt des THM-Auftritts. „Wegen gleich zwei größeren Kriegen ist der Bedarf an der adäquaten Versorgung von Invaliden gestiegen“, erklärt der Professor.
An dieser forscht Subke mit dem THM-Absolventen Dr. Göran Fiedler, inzwischen Assistant Professor for the Master of Science in Prosthetics and Orthotics an der University of Pittsburgh in den USA. Sie wollen die Lebensqualität von Kriegsveteranen verbessern. „Eine Amputation erzeugt eine Überspannung der gesunden Körperhälfte“, beschreibt Prof. Subke und stellt die Forschungsfrage: „Wie kann man das ausgleichen?“ Krücken schaffen das nicht, herkömmliche Prothesen nur bedingt. In dem transatlantischen Forschungsprojekt steht folglich die computergestützte, individualisierte Maßanfertigung im Fokus. „Kriegsveteranen sind häufig verhältnismäßig jung. Sie brauchen Prothesen, die sie auch langfristig vor Folgeschäden bewahren“, erklärt Prof. Jörg Subke. Die kameragestützte Analyse von definierten Bewegungsaufgaben helfe bei der individuellen Anpassung der Prothese, eine längerfristige Überwachung der Patienten verhindere das „Einschleifen“ von Haltungsfehlern, Schonbewegungen und Überspannungen.
Passendes Know-how für diese Forschung wird schon im Bachelor-Studiengang vermittelt. Studierenden der BMT lernen medizinisches Grundwissen, Fertigkeiten aus Maschinenbau und Informatik. Auch Techniken wie der 3D-Druck und das Rapid Prototyping gehören zum Lehrangebot und erlauben es, Medizintechnik patientengerecht zu individualisieren.
Solch individuelle Versorgung soll auch ein weiteres Forschungsprojekt ermöglichen, das Subke mit den Studierenden Marie Heuer und Benedikt Schneider auf der OT-World präsentierte. Es dient der Linderung des „Volksleidens“ Arthrose. Kameragestützte Bewegungsanalysen und die Lokalisierung der schmerzverursachenden Risse im Kniegelenk mittels Schallemissionsanalyse erlauben die Konstruktion exakt angepasster Einlegesohlen. Mit deren Hilfe kann das Kniegelenk in seiner Bewegung um den Schaden herumgeführt werden und ihn so vermeiden. Schmerzen werden signifikant gelindert. Die zugrundeliegende Technik hat Prof. Subke miniaturisiert, in einer Masterarbeit wurde sie validiert, in klinischen Studien mit der Hochschule Fulda und dem Rehazentrum Bad Endbach wird sie klinisch überprüft – Technik aus dem Forschungsalltag für einen höheren Lebensstandard und im besten Sinne „moderne Hilfsmittelversorgung“, wie sie sich die OT-World auf die Fahne schreibt.