Im Blended Intensive Programme (BIP) „Transferable Skills and Student Support: Shaping Learning Pathways“ haben sich an der THM Ende Oktober internationale Fachleute zusammengefunden, um die Integration überfachlicher Kompetenzen in die Curricula auszuloten. Eine Woche lang trafen sich die Teilnehmenden zu Workshops, Austauschformaten und gemeinsamen Projektarbeiten – digital vorbereitet, vor Ort vertieft. Das Ergebnis: neue Impulse für die Unterstützung Studierender und eine stärkere europäische Kooperation.
Für das gastgebende „Zentrum für kooperatives Lehren und Lernen“ (ZekoLL) und dessen Leiterin Prof. Silke Bock war es das erste selbstveranstaltete BIP. „Meistens widmen sich diese Programme ja den fachlichen Inhalten eines Studiums – unser BIP widmet sich dem Lehren und Lernen an sich“, sagte Bock. Ziel des Programms war es, Konzepte zur Förderung überfachlicher Kompetenzen sowie Strategien zur studentischen Unterstützung und Studienerfolgsförderung praxisnah zu diskutieren und weiterzuentwickeln. „Wir können dabei auf die spannenden und sehr unterschiedlichen Erfahrungswerte unserer internationalen Partner zurückgreifen“, so Bock.
Aufgebaut als klassisches „Blended Intensive Programme“ ging der intensiven Präsenzwoche in Gießen mit Workshops, Vorträgen und kulturellem Austausch eine vorbereitende Online-Phase voraus. Sie diente dazu, Vorwissen zu synchronisieren und Präsenz-Projekte vorzubereiten. Vor allem aber sollte sie helfen, „neue Partner“ ins Boot zu holen: Einige der Teilnehmenden hatten sich bereits bei einem ähnlichen BIP im Jahr 2024 in Tallinn getroffen, die Programme bauten aufeinander auf. Doch wie bei den durch Erasmus geförderten Angeboten üblich, buchten sich Teilnehmende anderer Universitäten mit Interesse an den speziellen Aspekten der Gießener Veranstaltung einzeln dazu – und brachten frische Ideen ein.
„Ein Studium hat viele nicht-fachliche Aspekte“, erklärte Silke Bock den Ansatz des Programms: Die meisten Studierenden gehen mit viel elterlicher Unterstützung, persönlich noch stark in der Entwicklung, in ein Studium – und verlassen es ein paar Jahre später als eigenständige Charaktere mit für Gesellschaft wie Arbeitsmarkt wichtigen Fähigkeiten und Fertigkeiten. „Themen wie die Persönlichkeitsentwicklung, die Internationalisierung, der Umgang mit Digitalisierung und Künstlicher Intelligenz, aber auch kritisches Denken oder Resilienz sind Querschnittsthemen, die in alle Curricula gehören“, sagte sie. Entsprechend seien mit den festen Partnern aus Estland, Finnland, Litauen und Deutschland und den weiteren europäischen Gästen alle Rollen aus dem Hochschulbetrieb vertreten: Lehrende von Geistes- bis Naturwissenschaften, Dekanate und Mitarbeitende aus zentralen Einrichtungen. Sie alle würden eigene Perspektiven und Bedarfe einbringen sowie vielfältige Best-Practice-Beispiele.
Begrüßt wurden sie unter anderem von Vizepräsidentin Prof. Dr. Stephanie Hanrath. Ihre Mitarbeiterin Christine Niksch präsentierte das neue Projekt FoKuS@THM – das für die THM genau die Ziele verfolgt, die im Rahmen des BIP bearbeitet wurden. „Für uns ist dieser Austausch deshalb auch eine großartige Gelegenheit, zu schauen, wie unsere Themen und Ideen andernorts bereits operationalisiert werden“, sagte Bock. Umgekehrt sei es interessant für die Teilnehmenden, zu sehen, wo die THM besonders stark aufgestellt sei – Bock nannte exemplarisch das Zentrum für blinde und sehbehinderte Studierende (BLiZ), das für die Gäste Erfahrungs-Stationen zu Seh- und Höreinschränkungen sowie zu Autismus-Spektrum-Störungen vorbereitet hatte: „Viele Hochschulen leben solch eine Inklusion noch nicht“, berichtete Bock.
Die Evaluation der Woche zeigt, dass die Teilnehmenden vom Programm intensiv profitieren konnten und das Interesse an einer weiteren Zusammenarbeit mit der THM vielfältig ist.
Zum BIP, dessen Vorbereitung im Rahmen der europäischen Förderinitiativen und Hochschulpartnerschaften durch das International Office unterstützt wurde, gehörten neben Besuchen einiger Labore und der Erkundung der Studienorte Gießen und Friedberg auch Ausflüge in die Stadt Frankfurt und zum MarSkills Center der Universität Marburg. Für das nächste Jahr ist eine Folgeveranstaltung an der Hochschule Bonn-Rhein-Sieg geplant.