Prof. KhondokerHackerangriffe auf Traktoren, landwirtschaftliche Infrastruktur, Silo- oder Stallgebäude – das klingt unwahrscheinlich und ist doch eine potenzielle Bedrohung für Landwirte, Konzerne und ganze Staaten. Denn unter dem Eindruck abnehmender landwirtschaftlicher Nutzfläche durch Klimawandel, Erosion und Landraub ist Landwirtschaft heute nicht nur hochgradig industrialisiert, sondern auch digitalisiert. Den daraus entstehenden Gefahren und ihrer Abwehr hat sich Prof. Dr. Rahamatullah Khondoker, Professor für IT-Sicherheit und Digitalisierung an der Technischen Hochschule Mittelhessen (THM), im Rahmen einer digitalen Konferenz in Dhaka, Bangladesch, gewidmet.

Khondoker hatte mit seinen Kollegen Rashid Al Asif (University of Barishal, Bangladesch), Dr. Khondokar Fida Hasan (RMIT University, Melbourne, Australien) und Prof. Dr. Zahidul Islam (Islamic University of Kushtia, Bangladesch) einen Artikel über Cyber-Bedrohungen in einem Internet-of-Things-fähigen Landwirtschaftssystem verfasst und auch Abwehrmechanismen formuliert. Die Arbeit wurde auf der „3rd International Conference on Sustainable Technologies for Industry 4.0“ vor Ort von Al Asif präsentiert, die übrigen Autoren waren online zugeschaltet.

Als denkbares Ziel für einen solchen Angriff nennt Prof. Khondoker ein automatisches Bewässerungssystem, das unter Berücksichtigung der Daten von Boden-, Wetter- und anderen relevanten Sensoren selbsttätig Bewässerungsfrequenz und -menge regelt. Angreifer könnten nun beispielsweise die Sensordaten während Speicherung und Übertragung manipulieren. „Im Worst-Case-Szenario wird dann entweder das Land geflutet oder dehydriert“, erklärt Khondoker. Ein Ernteausfall wäre die Folge. Um vor dieser Bedrohung zu schützen, müssten starke Multi-Faktor-Authentifizierungsmechanismen implementiert werden, damit nur autorisierte Personen – etwa der Landwirt selbst – Zugriff auf die Daten haben. Ist eine Manipulation bereits geschehen, müsse diese zudem erkannt und der Landwirt umgehend informiert werden.

„Landwirtschaftliche Systeme müssen ebenso geschützt werden, wie etwa kritische IT-Infrastruktur“, sagt Prof. Dr. Rahamatullah Khondoker. Schließlich gehe es nicht nur um wirtschaftliche Existenzen, sondern bei der Nahrungserzeugung unmittelbar um Lebensnotwendiges.