„Am Anfang war es sehr schwer. Ich war zum ersten Mal von meiner Familie getrennt, lebte plötzlich allein. Alles war neu für mich. Ich sollte zum Beispiel wissen, wie man hier Rechnungen bezahlt. Dass ich damals so viel gelernt und alles geschafft habe, macht mich heute richtig stolz.“ So beschreibt Bossa Mako Woake ihre ersten Wochen in Deutschland. Die 21-jährige Togolesin, die Biomedizinische Technik an der Fachhochschule Gießen-Friedberg studiert, ist mit dem Reza-Mehran-Preis ausgezeichnet worden. Er wird ausländischen Studierenden der FH für herausragende fachliche Leistungen und soziales Engagement zuerkannt.
Am „Tag der Hochschule“ konnte die westafrikanische Studentin ihre mit 1000 Euro dotierte Auszeichnung in festlichem Rahmen entgegennehmen. Mit zweiten Preisen in Höhe von jeweils 500 Euro wurden die beiden kamerunischen Studenten Eric Atchoffo (Elektrotechnik, Friedberg) und Maurice Antoine Kengne (Automatisierungstechnik, Gießen) geehrt. Preisstifter Dr. Reza Mehran, ehemals Professor am Friedberger Fachbereich Informationstechnik – Elektrotechnik – Mechatronik, nannte bei der Verleihung eigene Erfahrungen als Grund für seine Initiative. Während seiner Studienzeit an der Technischen Hochschule Aachen hatte der aus dem Iran stammende Ingenieurwissenschaftler einen Preis erhalten. Mehr als das Geld habe die damit verbundene Anerkennung ihn zum erfolgreichen Abschluss des Studiums angespornt. Eine vergleichbare motivierende Wirkung wolle er heute erzielen.
„Damit hatte ich wirklich nicht gerechnet“, bekennt Bossa Mako Woake auf die Frage, was die Auszeichnung ihr bedeute, und fügt hinzu: „Ich freue mich sehr über den Preis. Er zeigt mir, dass wahrgenommen wird, was ich mache, und dass es gut ist, sich zu engagieren.“ Engagement, Mut und Leistungsfähigkeit kennzeichnen den bisherigen Werdegang der jungen Studentin, die in Togos Hauptstadt Lomé aufgewachsen ist. Dort interessierte sie sich nach dem Abitur zunächst für ein Medizinstudium im Ausland. Dabei dachte sie - Französisch ist in ihrem Heimatland die Amtssprache – an Frankreich. Durch einen Bekannten ihres Vaters erfuhr sie, dass es in Deutschland eine Stadt namens Gießen mit einer „University of applied sciences“ gibt, die einen Studiengang anbietet, der medizinische und technische Aspekte kombiniert. Sie begann beim Goethe-Institut in Lomé Deutsch zu lernen, verließ 2008 ihre Heimat und schloss in Gießen einen dreimonatigen Sprachkurs an. Heute hat sie die harte Phase des Einlebens längst hinter sich, viele Freundschaften geschlossen und studiert erfolgreich im vierten Semester Biomedizinische Technik. Ihr Ziel ist es, den Bachelor zu machen und danach ihre akademische Qualifikation mit einem Masterprogramm fortsetzen.
„In Togo gibt es keine Medizintechnik-Ausbildung an der Universität. Im Gesundheitssystem muss man noch viel Aufbauarbeit leisten. Was ich hier lerne, will ich dort anwenden“, so erläutert sie ihre Zukunftsvorstellungen. Mit der Verwirklichung hat Bossa Mako Woake schon von Hessen aus begonnen. Sie ist 2. Vorsitzende des Vereins „Projekt West-Afrika“, der sich zur Aufgabe gemacht hat, den wissenschaftlichen und kulturellen Austausch zwischen Deutschland und Togo zu fördern. Außerdem setzt sich der Verein für die Lieferung medizinischer Hilfsgüter an verschiedene Universitätskliniken Westafrikas sowie den Bau eines Waisenheims und einer neuen Klinik in Lomé ein.