Die THM freut sich über die Förderung zweier Projekte, die eine nachhaltige Landwirtschaft und die ländliche Entwicklung in Hessen vorantreiben: Das Förderprogramm „Europäische Innovationspartnerschaft für Produktivität und Nachhaltigkeit in der Landwirtschaft“ (EIP-Agri) unterstützt AGRALGA und aimGrassland mit insgesamt knapp 1,2 Millionen Euro.
Das Projekt „AGRALGA: Mikroalgenbiomasse aus der kommunalen Abwasserreinigung als Düngemittel in der Landwirtschaft“ erhält eine Förderung in Höhe von rund 600.500 Euro. Es zielt darauf ab, Nährstoffkreisläufe auf regionaler Ebene zu schließen und gleichzeitig die Abwasserreinigung durch den Einsatz von Mikroalgen wirtschaftlicher zu gestalten. Über die Förderung des Projekts freut sich die THM-Projektleitung Prof. Dr. Harald Weigand vom Fachbereich Life Science Engineering und Prof. Dr.-Ing. Linda Knorr vom Fachbereich Bauwesen zusammen mit den Partnern der Justus-Liebig-Universität Gießen (JLU) und den beteiligten Landwirten. „In Abwasser kultivierte Mikroalgen binden wertvolle Stickstoff- und Phosphorverbindungen in ihrer Biomasse. Deren Verwertung in der Landwirtschaft bringt einen doppelten Vorteil: Erstens fördert sie den Humusaufbau, zweitens reduziert sie den Bedarf an mineralischen Düngemitteln“, so Weigand.
Das Projekt „aimGrassland: Artificial Intelligence for Maintenance of Grassland – KI für die Pflege von Grünland“ nutzt KI-Technologien, um unerwünschte und giftige Pflanzen gezielt und ohne chemische Mittel zu bekämpfen. Dadurch sollen Biodiversität, Boden- und Wasserschutz gestärkt und gleichzeitig die Landwirtschaft in Hessen bei einer ressourcenschonenden Bewirtschaftung unterstützt werden. Über die Bedeutung der Förderung in Höhe von gut 598.000 Euro sagt Prof. Dr.-Ing. Seyed Eghbal Ghobadi vom Fachbereich Mathematik, Naturwissenschaften und Informationstechnik: „aimGrassland wird Künstliche Intelligenz und Computer Vision einsetzen, um giftige Pflanzen wie das Jakobskreuzkraut in Dauergrünland präzise zu erkennen und gezielt zu bekämpfen. So wollen wir Umwelt, Natur und Gewässer schützen und gleichzeitig die Arbeit der Landwirte erleichtern.“
Das Hessische Landwirtschaftsministerium hat insgesamt sechs Bewilligungsbescheide in Höhe von rund 3,25 Millionen Euro für Vorhaben der Innovation und Zusammenarbeit überreicht, die eine nachhaltige Landwirtschaft und ländliche Entwicklung in Hessen fördern.
Staatssekretär Daniel Köfer übergab die Bescheide auf dem Hofgut Entenfang in Birstein und führte aus: „Die Landwirtschaft und die ländlichen Regionen sind das Fundament unserer Gesellschaft – Orte, an denen Tradition und Fortschritt aufeinandertreffen. Sie stehen vor enormen Herausforderungen: Der Strukturwandel, der Klimawandel, der Erhalt der Biodiversität und die zunehmende Ressourcenknappheit sind Aufgaben, die uns alle betreffen.“ Gleichzeitig sehe er in diesen Herausforderungen Chancen zum Anstoß neuer Ideen und Innovationen für eine nachhaltige Ausrichtung von Landwirtschaft und ländlicher Entwicklung: „Die neu bewilligten Vorhaben zeigen eindrucksvoll, wie kreative Ansätze und wissenschaftliche Erkenntnisse gemeinsam genutzt werden können, um Landwirtschaft zukunftsfähiger, ressourceneffizienter und klimaresilienter zu machen – und das im Einklang mit den Bedürfnissen der Menschen in den ländlichen Regionen.“
Zum Hintergrund: Im Rahmen der Europäischen Innovationspartnerschaft „Landwirtschaftliche Produktivität und Nachhaltigkeit“ (EIP-Agri) fördern die EU und das Land Hessen Lösungen für die Land-, Forst- und Ernährungswirtschaft. Ziel der EIP-Agri ist es, Ideen zu entwickeln, um Nachhaltigkeit und Effizienz in der Landwirtschaft zu steigern. Der Bedarf kommt idealerweise aus der Praxis und Landwirte sind bei der Entwicklung von Lösungen aktiv beteiligt. In Operationellen Gruppen (OG) arbeiten Landwirtschaft, Wissenschaft, Beratung, Nichtregierungsorganisationen (NGOs) und Wirtschaftspartner an der Entwicklung und Erprobung einer Innovationsidee.