Am Bürgerhaus, wo es eine Ladesäule für Elektrofahrzeuge gibt, begrüßte Ortenbergs Bürgermeisterin Ulrike Pfeiffer-Pantring (2. von rechts) den Projektmitarbeiter Léonard Moufang (3. von links) von der THM. Die Entwicklung eines multifunktionalen vollelektrischen kommunalen Nutzfahrzeugs ist Ziel eines Forschungsprojekts, bei dem die Technische Hochschule Mittelhessen und die Stadt Ortenberg zusammenarbeiten.

Als kommunale Nutzfahrzeuge bezeichnet man Maschinen zum Beispiel für Straßenreinigung, Winterdienst oder Grünflächenpflege. Vorteile der Elektrifizierung sind unter anderem die Vermeidung lokaler CO2-Emissionen und eine geräuscharme Arbeit. Da keine Abgase entstehen, dient der Einsatz von Elektrofahrzeugen auch dem Arbeitsschutz.

„Eine Umrüstung kommunaler Nutzfahrzeuge auf Elektroantrieb ist völliges Neuland“, so Projektleiter Prof. Dr. Udo Jung vom THM-Kompetenzzentrum Automotive, Mobilität und Materialforschung. Vor allem durch die Batterien steigt das Fahrzeuggewicht um bis zu einer halben Tonne. Die Nutzlast sinkt dadurch um ein Drittel. „Wir wollen deshalb bewährte Prinzipien und Materialien des Leichtbaus für Fahrzeugrahmen, Fahrwerk und modulare Front- und Heckanbauten einsetzen, um die Gewichtsnachteile auszugleichen und so ein Fahrzeug mit praxistauglicher Reichweite und Arbeitsleistung entwickeln“, so Jung.

Basis der Entwicklungsarbeit ist ein konventionelles Nutzfahrzeug der Firma Hako, eines Unternehmens der Reinigungs- und Kommunaltechnik. Die Stadt Ortenberg berät die Wissenschaftler und wird Pilotanwender sein. Einsatzfelder sind die Pflege von Grünanlagen, der Transport von Wasser, Müllsammlung und -transport sowie das Heben und Transportieren schwerer Gegenstände. Ortenberg ist für die THM-Wissenschaftler auch deshalb ein attraktiver Kooperationspartner, weil alle zehn Stadtteile in die Tests einbezogen werden können. So ist es möglich herauszufinden, welche Rolle die zu überwindenden Höhenunterschiede für die Belastung der Batterie spielen. Ergänzende Testfahrten wird es im Bad Nauheimer Kurpark geben.

Das Forschungsvorhaben läuft zwei Jahre. Es wird vom Land im Rahmen des Förderprogramms „Elektromobilität in Hessen“ mit 490.000 Euro unterstützt.