Bei den letzten Vorbereitungen in der Boxengasse sind alle Teammitglieder hochkonzentriert. „Warum fährt das Auto nicht, wo doch zu Hause am Schluss alles prima geklappt hat?“ Das war die drängende Frage, die sich das Team der Technischen Hochschule Mittelhessen bei seiner ersten Teilnahme am Carolo-Cup an der TU Braunschweig während der beiden Trainingstage stellte. Bis nach Mitternacht schrieben die Teammitglieder neue Software und behoben Fehler. Im dritten und letzten Versuch gelang schließlich die Qualifikation für das Rennen.

Seit 2008 gibt es den internationalen Wettbewerb für autonom fahrende Modellautos im Maßstab 1:10. Die Studenten entwickeln und bauen dafür ein von einem Elektromotor angetriebenes Fahrzeug, mit dem sie in verschiedenen Disziplinen antreten. Dazu gehören die Präsentation und Vorstellung des Konzepts und die Erläuterung der technischen Lösungsansätze vor einer Expertenjury aus Wissenschaft und Industrie. „Dynamische“ Disziplinen sind eine Fahrt mit Einparken und die Bewältigung einer Rundstrecke mit Hindernissen. Dabei gilt es, zum Beispiel Stopplinien, Fußgängerüberwege oder Sperrflächen zu beachten. In Überholverbotszonen dürfen bewegliche Hindernisse nicht überholt werden.

Das THM-Team, in dem Studenten des Gießener Fachbereichs Mathematik, Naturwissenschaften und Informatik, aber auch Maschinenbauer mitmachen, hat seinen ersten Auftritt beim Carolo-Cup insgesamt zwei Jahre lang vorbereitet. Im Rahmen des Projekts ist eine Reihe von Bachelor- und Masterarbeiten entstanden. Mit dem sechsten Platz unter 14 Konkurrenten war die Gruppe bei der ersten Teilnahme am Wettbewerb hochzufrieden. In den beiden Renndisziplinen landeten die Gießener jeweils auf Rang vier.

Prof. Dr. Klaus Rinn von Institut für Technik & Informatik berät die Studenten. Er sieht das weitgehend selbstorganisierte Carolo-Cup-Projekt als ideale Berufsvorbereitung: „Wir haben Leute, die Mikrocontroller programmieren und solche, die Karosserien mit dem 3D-Drucker herstellen. Alle zusammen arbeiten in einer großen heterogenen Gruppe unter Zeitdruck an einem komplexen Thema. Das ist genau das, was nach dem Studium in der Industrie auch passiert.“

Das Team der THM will auch im kommenden Jahr am Carolo-Cup teilnehmen. Studentische Verstärkung ist dabei willkommen.