Es gibt Kooperationen, die klingen wenig plausibel: Eine Woche lang hat Prof. Dr. Pawel Blasiak vom Institut für Kernphysik der polnischen Akademie der Wissenschaften in Krakow den Fachbereich Wirtschaft der THM besucht. Es sind mathematische Modelle, die beide Arbeitsgebiete vereinen.
In Gießen wurde Prof. Blasiak von Prof Dr. Christoph Gallus empfangen, der zum Schwerpunkt Finanzdienstleistungen forscht und lehrt. Der thematische Zusammenhang der Arbeitsgebiete der beiden Professoren, die bereits einige gemeinsame Veröffentlichungen verfasst haben, liegt in sogenannten kausalen Modellen. Diese liefern Beschreibungsmethoden, die in der Quantenphysik sowie grundsätzlich auch auf komplexe Systeme des Finanzmarkts anwendbar sind. Kausale Modelle, die mit Expertenwissen aufgesetzt werden müssen, führen dabei manchmal zu Einschränkungen für die möglichen beobachtbaren Korrelationen, was sie testbar macht. Es handelt sich dabei um Ansätze, für die – in anderer Form angewandt – Joshua Angrist und Guido Imbens den Alfred-Nobel-Gedächtnispreis für Wirtschaftswissenschaften des Jahres 2021 erhalten haben.
Der Aufenthalt von Dr. Blasiak in Mittelhessen war mit vielen Vorträgen und Diskussionen im kleineren Kreis gefüllt. Thematisch ging es um Instrumentvariablen, D-Separation, Fock-Spaces, Quanten-Verschränkung sowie Wahrscheinlichkeitsverteilungen mit und ohne „Signalling“. Es gab zahlreiche Anregungen, von denen Doktoranden des Fachbereiches sowie Mitarbeitende des THM-Kompetenzzentrums für Wirtschaft und Management Science (WuMS) profitierten. Arefeh Zarifian und Victor Smirnov vom Fachbereich Wirtschaft gehörten ebenso zu den Teilnehmenden wie Dr. Jürgen Bauer und Michael Enus, die im Rahmen eines von Prof. Gallus geleiteten LOEWE-Projektes am WuMS arbeiten. Auch Gäste der Justus-Liebig-Universität nahmen zeitweise an den Diskussionsrunden teil.
Neben der fachlichen Arbeit stand auch ein Dinner mit Dekan Prof. Dr. Jens Klose und ein kurzer Austausch über Studierende aus dem indisch-asiatischen Raum mit Studiendekan Prof. Dr. Benjamin Löhr auf dem Programm. Prof. Blasiak lud die Beteiligten um Prof. Gallus zu einem Gegenbesuch nach Krakow ein.