Dr. Sebastian Zschätzsch, Prof. Dr. Sven Keller, Albert Ghisa, Jürgen Köhlinger und Prof. Dr. Gerrit Sames (von links) mit dem Roboter, der sich im Probebetrieb am Empfang des Dialysezentrums bewährt hat. Foto: Julian HornWie können Roboter für Dienstleistungen in unterschiedlichen Branchen genutzt werden? Mit diesem Anliegen beschäftigt sich ein Team am Fachbereich Wirtschaft der Technischen Hochschule Mittelhessen. Ein Ergebnis: Die Kooperation mit dem Georg-Haas-Dialysezentrum der Patienten-Heimversorgung in Gießen.

Dort werden viele Patienten in regelmäßigem Rhythmus behandelt. Das erfordert gut ausgebildetes medizinisches Personal, das auch umfangreiche administrative Aufgaben übernehmen muss. Der Mangel an geeigneten Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern im Gesundheitswesen ist spätestens seit der Corona-Pandemie allgemein bekannt.

Angesichts dieser Situation vereinbarten der medizinische Leiter des Gießener Dialysezentrums, Dr. Sebastian Zschätzsch, und Prof. Dr. Gerrit Sames, Dekan des Fachbereichs Wirtschaft der THM, ein gemeinsames Projekt. Dabei wird in der Praxis erprobt, ob man das Personal durch den Einsatz von Robotern bei Routineaufgaben entlasten kann. Seit längerem schon konzentriert sich am Fachbereich die Arbeitsgruppe „Humanoide und soziale Roboter“ unter wissenschaftlicher Leitung von Prof. Dr. Sven Keller und operativer Führung von Jürgen Köhlinger auf Anwendungsmöglichkeiten solcher Roboter. Im vorliegenden Fall, wo es vor allem um kommunikativen Service beim Empfang von Patienten und einfache Beratungsfunktionen geht, wählte das Team ein spezielles System (Furhat Robotics). Es hat die Form einer menschlichen Büste und bietet vielfältige Anpassungsmöglichkeiten sowie die Unterstützung von rund 40 Sprachen.

Einsatzort ist die Anmeldung des Dialysezentrums, wo viele Stammpatienten zwar mit Örtlichkeiten und Abläufen vertraut sind, aber häufig erst am Behandlungstag erfahren, welcher der insgesamt 64 Dialyseplätze für sie vorgesehen ist. Für Anfahrt und Abholung sind oft Taxiunternehmen mit wechselnden Fahrern zuständig. Daraus resultiert ein hoher Auskunftsbedarf, der Personal bindet.

Die Aufgabe, einen Prototyp für den Einsatz als Empfangskraft zu entwickeln, übernahmen Moritz Hensel und Albert Ghisa, beide Bachelorabsolventen im Studiengang Betriebswirtschaft. Der eine programmierte zunächst die grundlegenden Dialog- und Schnittstellenstrukturen mit Blick auf verschiedene Gesprächspartner (Patienten, Taxifahrern, Angehörige) und konzipierte auch eine Lösung für die Identifikation des jeweiligen Patienten, die geltenden Datenschutzanforderungen genügt. An diesen Vorarbeiten setzte der Kommilitone an und erweiterte die Automatisierung der Schnittstelle für den Behandlungsplan der Patienten. Außerdem implementierte er eine Identifikationsmöglichkeit per QR-Code in Verbindung mit einem künftigen Patientenausweis. Um dem internationalen Patientenkreis im Dialysezentrum gerecht zu werden, wurde der Roboter so eingerichtet, dass er neben Deutsch auch Türkisch, Englisch und Rumänisch spricht.

Zwar stoßen hierzulande humanoide Roboter bei den Nutzern noch verbreitet auf Skepsis und Zurückhaltung, doch die bisher befragten Personen aus allen Gruppen (Personal, Patienten, Angehörige, Taxifahrer) bewerten den Probeeinsatz insgesamt deutlich positiv. Die Verantwortlichen des Dialysezentrums und die THM-Arbeitsgruppe haben sich bereits auf die Weiterentwicklung des gewählten Robotersystems mit dem Ziel eines „robusten Alltagsbetriebs“ verständigt.