Alexander Brockmann (rechts) präsentierte den Gästen unter anderem ein 3D-gedrucktes Detektorgehäuse.Gießen ist die Stadt mit der höchsten Studierendendichte in ganz Deutschland, täglich laufen Menschen an den Gebäuden der Technischen Hochschule Mittelhessen (THM) vorbei. Doch die meisten ahnen nicht, was hinter den Türen der Hörsäle, Werkstätten und Labore passiert: zum Beispiel entstehen neue Ideen für die Medizin von morgen, bei Experimentalvorlesungen fliegen die Funken, Studierende bauen an Rennwagen für internationale Wettbewerbe und vieles mehr. Diesen Blick „hinter die Kulissen“ ermöglichte die erste „Science-Seeing-Tour“ am Campus in Gießen.

Entstanden ist das neue Angebot aus den Campusführungen, die seit 2024 für THM-Mitarbeitende angeboten werden. Das große Interesse und die positive Resonanz führten zur Idee, das Konzept weiterzudenken und die Tour für die Öffentlichkeit anzubieten. Gemeinsam mit der Gießen Marketing GmbH (GiMa) entstand daraus die „Science-Seeing-Tour“. Bei der ausgebuchten Premiere erkundeten rund 20 Gäste die verschiedenen Campusbereiche. Sie erhielten Einblicke in Forschungsprojekte, Labore und besondere Orte am Campus.

Geleitet wurde die Gruppe von Nicole Müll und Nicole Schwizer vom InfoCenter Gießen, die beide seit vielen Jahren an der THM tätig sind. Mit viel Insiderwissen führten sie mit einem Studierenden die Teilnehmenden über den Campus und beantworteten Fragen.

Nach einer Einführung in die Geschichte der THM war der D-Campus in der Gutfleischstraße die erste Station. Dort empfing Alexander Brockmann die Gruppe. Der Doktorand im Bereich der MRT-Forschung arbeitet in der Arbeitsgruppe Magnetresonanztomographie (MRT) von Prof. Dr. Boris Keil am Institut für Medizinische Physik und Strahlenschutz (IMPS). Die Forschenden entwickeln neuartige MRT-Hardware, die künftig präzisere medizinische Diagnosen ermöglichen soll. Brockmann präsentierte unter anderem ein 3D-gedrucktes Detektorgehäuse sowie Geräte zur Platinenfertigung und berichtete von internationalen Kooperationen des Fachbereichs Life Science Engineering mit renommierten Universitäten wie Yale und Harvard.

Ein weiteres Highlight: Die Experimentalvorlesung mit Dr. Christine Fröhlich. Ein weiteres Highlight erwartete die Gäste am Fachbereich Mathematik, Naturwissenschaften und Informatik (MNI): Dr. Christine Fröhlich begeisterte sie mit einer Experimentalvorlesung, bei der Funken flogen, Gold „regnete“ und chemische Reaktionen Zaubertricks ähnelten. Die Experimente machten die Entdeckungen von Justus Liebig auf unterhaltsame Weise erlebbar und zeigten, wie seine Arbeit die moderne Chemie und Biochemie bis heute prägt.

Auch der Hochschulalltag kam bei der Tour nicht zu kurz. Nach einem Zwischenstopp im Eltern-Kind-Zimmer und einem Gang durch die Cafeteria führte der Weg zurück zum A-Campus – direkt in die Werkstatt des Gießener Motorsport-Teams. Dort tauchte die Gruppe in die Welt des Ingenieurwesens ein. Das Team bietet Studierenden die Möglichkeit, theoretisches Wissen praktisch anzuwenden. Anschaulich berichteten sie, wie sie bei internationalen Konstruktionswettbewerben praktische Erfahrungen sammeln.

Die Tour endete mit einem einzigartigen Blick auf Gießen und die Region – im 8. Stock des Gebäudes A10. Wie vielfältig und überraschend die Tour für viele der Gäste war, brachte ein Alumnus am Ende des Rundgangs auf den Punkt: „Dass es das alles an der THM gibt, habe ich nicht gewusst!“

Die nächste „Science-Seeing-Tour“ ist bereits ausgebucht, weitere Termine sind in Planung.