Nach Gorleben führte eine Exkursion, die 20 Studierende der Fachhochschule Gießen-Friedberg unter der Leitung von Prof. Dr. Joachim Breckow (Institut für Medizinische Physik und Strahlenschutz) unternahmen. Die 600 Einwohner zählende Gemeinde in Nordostniedersachsen ist bundesweit bekannt, seit der Salzstock Gorleben in den siebziger Jahren als Standort für die Endlagerung radioaktiver Abfälle in Betracht gezogen wurde.
Die Teilnehmer des Seminars „Physik in der Medizin“ besuchten zunächst das „Brennelementlager Gorleben“ und konnten sich über drei verschiedene Anlagen informieren, die der Zwischenlagerung atomaren Abfalls dienen: In der Pilot-Konditionierungsanlage sollen die erforderlichen Techniken weiterentwickelt werden, um ausgediente Brennelemente endlagergerecht zu behandeln und zu verpacken. Das 7000 Quadratmeter große Transportbehälterlager dient der Zwischenlagerung von Brennelementen und Wärme entwickelnden Abfallen in Großbehältern (zum Beispiel „Castor“). Relativ gering strahlende Abfälle aus Kernkraftwerken, aber auch aus der Medizin und anderen technischen Anwendungen werden im Abfall-Lager aufbewahrt.
Am zweiten Exkursionstag fuhren die Gießener Studierenden in den Salzstock der „Deutschen Gesellschaft zum Bau und Betrieb von Endlagern für Abfallstoffe“ (DBE) ein. „Ein riesiges Labyrinth verschiedener Stollen und Gänge – in 800 Metern Tiefe, links, rechts, oben und unten nichts als Salz“, so beschreibt ein Teilnehmer seine Eindrücke.
1979 war mit der Erkundung des Bergwerks begonnen worden, um Möglichkeiten der Nutzung als nationales Endlager zu prüfen. Seit dem Jahr 2000 ruht die Arbeit, da der Bundesregierung Zweifel an der Eignung des Salzstocks gekommen waren. Ein Moratorium mit den Energieversorgungsunternehmen sieht zur Klärung konzeptioneller und sicherheitstechnischer Fragen eine Unterbrechung der Erkundung für maximal zehn Jahre vor. Für Exkursionsleiter Breckow ist damit nichts gewonnen: „Unabhängig davon, wie man zu Kernkraftwerken steht – der radioaktive Abfall ist da, und wir brauchen ein Endlager. Bislang hat man 1,5 Milliarden Euro in die Erkundung des Salzstocks in Gorleben investiert und seine prinzipielle Eignung als Endlager so gut es geht nachgewiesen. Auch mit noch mehr Zeit und Geld, das man in die Suche nach anderen geologischen Formationen investiert, ist es zweifelhaft, dass die Lösung der Endlagerproblematik besser gelingt“, so der Strahlenschutzexperte.
Dass auch Ingenieure über ihre Fachgrenzen hinaus denken müssen, sei eine wichtige Erfahrung in Gorleben gewesen. Gerade die Diskussionen mit Vertretern der DBE habe seinen Studentinnen und Studenten klar gemacht, dass sie in ihrem Beruf um gesellschaftspolitische Fragen nicht herumkommen werden.