Wer an der Technischen Hochschule Mittelhessen (THM) studiert, hat beste Chancen, sein Können nicht nur in der Lehre und Forschung unter Beweis zu stellen. Seit mehr als zwei Jahrzehnten erhalten Studierende Unterstützung durch die Studienstiftung des deutschen Volkes – das renommierteste Begabtenförderungswerk in Deutschland. Möglich gemacht hat dies in besonderer Weise Prof. Dr. Harald Platen, der seit 2001 als Vertrauensdozent an der THM wirkt.
Die Stiftung blickt in diesem Jahr auf ihr 100-jähriges Bestehen zurück. Ihr Ziel war und ist es, besonders begabte und engagierte junge Menschen unabhängig von ihrer finanziellen Lage zu fördern. Während die Programme lange Zeit ausschließlich auf Universitäten ausgerichtet waren, öffnete sich die Stiftung Mitte der 1990er Jahre auch für Fachhochschulen und Hochschulen für angewandte Wissenschaften – und damit auch für die THM.“ Dadurch, dass sich Spitzenabiturienten zwischenzeitlich zunehmend auch an Fachhochschulen immatrikulierten, war die Zeit reif, die Begabtenförderung auch für diese Klientel zu öffnen“, erinnert sich Platen.
Als er im Jahr 2001 offiziell das Amt des Vertrauensdozenten übernahm, war die Studienstiftung an der THM noch wenig sichtbar. Das hat sich grundlegend geändert: Bis heute haben 93 Studierende der Hochschule ein Stipendium erhalten. Im Sommersemester 2025 sind es aktuell zehn junge Menschen, die in ganz unterschiedlichen Fachrichtungen gefördert werden – von Informatik und Energietechnik über Maschinenbau bis hin zu Angewandter Physik.
Ein besonderer Meilenstein war das Jahr 2010: Damals entwickelte Platen ein hochschulweites Verfahren, wie geeignete Kandidatinnen und Kandidaten identifiziert und vorgeschlagen werden können. „Die Verwaltung von Leistungsnachweisen zu dieser Zeit ermöglichte es nicht, leistungsstarke Studierende in ihrer Kohorte überhaupt erkennen zu können“, berichtet Platen. Doch als ehemaliger Dekan wusste er um die Verwaltungsabläufe und schuf mit dem IT-Service der THM ein schlankeres Procedere. Mit Erfolg: Die Zahl der Geförderten stieg kontinuierlich, bis sie sich vor der Corona-Pandemie auf einem stabilen Niveau von rund 15 pro Semester einpendelte.
Doch noch ist Luft nach oben: Im bundesweiten Vergleich liegt die THM im Mittelfeld. Unter den 88 Hochschulen für angewandte Wissenschaften, an denen die Stiftung Studierende fördert, belegt sie Platz 15. Gleichzeitig zeigt sich: Relativ zur Gesamtzahl der Studierenden gibt es an der THM mit derzeit 0,08 Prozent noch vergleichsweise wenige Geförderte. Zum Vergleich: Die HAW Hamburg oder die FH Dortmund erreichen Werte von jeweils etwa 0,15 Prozent.
Die Zahlen zeigen: Talent und Potenzial sind an der THM reichlich vorhanden – es gilt, sie noch stärker sichtbar zu machen. Denn neben sehr guten Studienleistungen werden auch gesellschaftliches Engagement, Persönlichkeit und die Fähigkeit zu interdisziplinärem Denken geschätzt. „Leistungsfähigkeit und Leistungsbereitschaft lässt sich an sehr guten Noten erkennen. Daneben müssen Stipendienkandidatinnen und -kandidaten darin überzeugen, dass sie sich auch neben dem Studium überfachlich interessieren, sich aktiv gesellschaftlich engagieren und in der Lage sind, ihre sonstigen persönlichen Talente weiter zu pflegen“, erklärt der Vertrauensdozent. Und er weiß, wovon er spricht: Als Student wurde er selbst von der Stiftung gefördert.
Ein Stipendium der Studienstiftung umfasst mehr als eine monatliche Förderung: Seminare, Exkursionen, internationale Netzwerke und der direkte Austausch mit anderen Stipendiatinnen und Stipendiaten bieten einzigartige Möglichkeiten für die persönliche Entwicklung. Dass die Förderung Türen öffnen kann, zeigt nicht nur Platens eigener Lebensweg, sondern auch das Beispiel einer ehemaligen THM-Stipendiatin: Jasmina Stoebel, heute Professorin an der Hochschule für Wirtschaft und Gesellschaft in Ludwigshafen, ist inzwischen selbst Vertrauensdozentin – und damit in die Rolle geschlüpft, die sie einst bei Platen erlebt hat.
Nach einem Vierteljahrhundert engagierter Arbeit geht Prof. Platen im Herbst 2026 in den Ruhestand. „Die Funktion des Vertrauensdozenten auszufüllen, gab mir die Gelegenheit, ein wenig Dankbarkeit zu zollen für das eigene Stipendium, das mir während meines Studiums Wege öffnete, die mir sonst verborgen geblieben wären“, blickt Harald Platen auf seine Arbeit. Und er ist glücklich, bereits eine Nachfolgerin gefunden zu haben. Bis zur offiziellen Berufung durch die Stiftung will er den Namen nicht verraten, aber die Kollegin im Laufe des nächsten Jahres strukturiert an ihre Aufgabe heranführen. Denn klar ist: Das Engagement soll weitergehen.