Im Siegerentwurf steht den Radfahrern eine separate Brücke für die Überquerung der Lahn zur Verfügung.Die Zusammenarbeit der Bauingenieure der Technischen Hochschule Mittelhessen mit Hessen Mobil geht in die nächste Runde. Bereits im zweiten Jahr in Folge bekommen die Masterstudierenden des Studiengangs „Bauingenieurwesen“ aus dem Kurs von Professor Dr. Bertram Kühn die Gelegenheit, an einem realen Projekt mitzuwirken.

Über inzwischen bei Hessen Mobil beschäftigte Absolventen der THM sowie Werkstudierende entstand der Kontakt zwischen der THM und Hessen Mobil. Ziel dabei ist es, den Studierenden eine praxisorientierte Ausbildung zu bieten und dabei Einblick in die Arbeit der Straßenbaubehörde Hessen Mobil zu geben.

Das diesjährige Brückenbauprojekt im aktuellen Sommersemester führt die Studierenden nach Runkel an der Lahn. Westlich des Zentrums, durch dessen historischen Stadtkern der Hessische Radfernweg R7 verläuft, befindet sich die Lahnbrücke in Richtung Steeden, auf der sich Fußgänger und Radfahrer einen schmalen Weg neben der Fahrbahn teilen. Im Sinne einer Machbarkeitsstudie tüfteln nun 15 Masterstudierende des Fachbereichs Bauwesen mit der Unterstützung von Prof. Kühn und in Zusammenarbeit mit Hessen Mobil im Rahmen ihres Semesterprojektes an Alternativlösungen, wie diese Situation verbessert und die Engstelle beseitigt werden könnte.

In Zukunft soll man die Lahn als Radfahrer beim Verlassen von Runkel Richtung Westen nicht mehr auf dem Geh- und Radweg am Rande der Steedener Straße überqueren müssen. Vielmehr könnte dies auf einem gesonderten Radweg über eine der Brücken-Visionen der THM-Studierenden möglich sein. Jede Gruppe des Kurses verfolgt dabei ihren eigenen Ansatz. Dazu gibt es verschiedene Ideen: Solche von Konstruktionen, die den ursprünglichen Weg verbreitern sollen, über solche, die einen Radweg an die Bestandsbrücke anhängen wollen, bis hin zu solchen, die eine völlig neue, alleinstehende Brücke vorsehen. All diese Ideen können sich durch die Unterstützung der projektbetreuenden Experten von Hessen Mobil zu realisierbaren Entwürfen entwickeln.

Zufriedene Gesichter gab es nach der Präsention der Entwürfe und der Preisverleihung.Dass den jungen Bauingenieurinnen und -Ingenieuren die Gelegenheit gegeben wird, eine so echte, lokal angesiedelte und vor allem praxisrelevante Aufgabe zu übernehmen, weiß auch Prof. Kühn sehr zu schätzen: „Ich bin sehr dankbar für die wirklich tolle Unterstützung unserer Masterausbildung durch Hessen Mobil! Erst mit der Bereitstellung eines realen Projektes und der intensiven Begleitung unserer Projektarbeit kann es zu einer solch extrem praxisnahen Ausbildung kommen.“

Jede Gruppe arbeitet ihre vielversprechendste Idee bis zum fertigen Entwurf aus. Dabei wird bis ins kleinste Detail an alles gedacht. Vom Transport der Bauteile und den anfallenden Kosten über die schützenswerten tierischen Bewohner bis hin zum Schiffsverkehr auf der Lahn müssen alle Aspekte berücksichtigt werden. Den Studierenden zu vermitteln, dass in der facettenreichen Disziplin des Bauingenieurwesens viele sehr verschiedene Fachgebiete ineinandergreifen, ist Prof. Kühn ein besonderes Anliegen. So staunte mancher Student, als er sich anstatt mit der Brückenstatik zunächst einmal mit dem Lebensraum der Smaragdeidechse befassen musste.

Dafür, dass die Zusammenarbeit mit Hessen Mobil trotz der pandemiebedingten Ausnahmesituation so gut funktioniert hat, ist Prof. Kühn besonders dankbar. Die Kursveranstaltungen finden seit April 2020 als wöchentliche Videokonferenz statt, zu der sich auch die beiden Vertreter von Hessen Mobil regelmäßig zugeschaltet haben. Die Begleitung des Kurses neben dem üblichen Tagesgeschäft, sei schon sehr bemerkenswert, so Prof. Kühn. Das wiederum spüren nach seiner Einschätzung auch alle Kursteilnehmerinnen und Kursteilnehmer und seien entsprechend hoch motiviert – mit der Folge, dass bereits tolle Ideen auf dem Tisch liegen, die aus der Sicht des Professors sehr fundiert und durchdacht sind, damit also auch in der Realität eine gute Chance hätten, umgesetzt zu werden. Aus dem Kreis der Studierenden ist hierzu zu hören, dass man sich glücklich schätzen würde, wenn einer der Entwürfe in Betracht gezogen werden könnte. Bislang bleiben die Entwürfe aus der Kooperation zunächst nur ein Gedankenspiel. Die Grundideen dieser Arbeiten werden bei weiteren Planungen jedoch weiterverwendet werden können.