Erstmals wurde an der THM ein Auto mit auf dem Campus erzeugten grünen Wasserstoff betankt. Brennstoffzellenautos mit Wasserstoff als Kraftstoff gelten als umweltfreundliche Alternative zu Fahrzeugen mit Verbrennungsmotoren. Als Technologie der Zukunft spielt Wasserstoff (H₂) eine zentrale Rolle im Wandel hin zu erneuerbaren Energien. Erstmals wurde an der THM ein Auto mit auf dem Campus erzeugten grünen Wasserstoff betankt.

Ein Ingenieur des englischen Unternehmens „FuelCell Systems Ltd.“ nahm den neuen Wasserstoff-Dispenser an der Technikumshalle der THM auf der Philosophenhöhe in Betrieb. Für die Testläufe stellte die Roth Holding – Betreiber der Wasserstofftankstelle in Gießen – einen Toyota Mirai II zur Verfügung. Das Fahrzeug ist eines von zwölf Wasserstoffautos, die im Rahmen eines Carsharing-Systems genutzt werden können.

Im Rahmen der Inbetriebnahme führte der Ingenieur umfassende Sicherheitsprüfungen, Dichtigkeitstests und Einstellungen am Dispenser durch, damit Fahrzeuge zuverlässig und sicher betankt werden können. Dafür arbeitete der Ingenieur über eine Fernwartungsverbindung eng mit Ingenieurinnen und Ingenieuren in Großbritannien zusammen, um sämtliche Parameter, wie die Sensorik und Schutzfunktionen, zu verifizieren.

„Der Wasserstoffspeicher fasst bis zu 80 Kilogramm Wasserstoff – das entspricht etwa 15 Volltankungen eines Toyota Mirai“, erläuterte Simon Konradi, Ingenieur am Kompetenzzentrum für Energietechnik und Energiemanagement (etem.THM). Damit ermöglicht der Speicher ausreichend Reserve für Forschung, Lehre und weitere Demonstrationen.

Die erfolgreiche Betankung bestätigte die Funktionsfähigkeit der gesamten Prozesskette auf dem Campus: vom Erzeugen des Wasserstoffs aus erneuerbarem Strom über die Speicherung bis hin zur Abgabe über den Dispenser an das Brennstoffzellenfahrzeug. Zukünftig dient die Anlage als offenes Reallabor für Lehrveranstaltungen, Messkampagnen und den Wissenstransfer in Mittelhessen.

Das etem.THM arbeitet im Rahmen des Forschungsprojekts HyFuel-Campus-Mittelhessen daran, eine langfristige Energiespeicherung mithilfe von strombasierter Wasserstofftechnologie unter realen Bedingungen zu erforschen und umzusetzen. Realisiert wird das Projekt im Forschungszentrum Energiespeicher und Sektorkopplung (FES) in der Georg-Elser-Straße, wo die THM einen Hochtemperaturspeicher zur Nutzung überschüssiger Energie von den Solarmodulen der umstehenden Bebauung betreibt. Die dort implementierte Anlage besteht aus Elektrolyseuren zur Wasserstoffherstellung, einem Hochdruckspeicher sowie Brennstoffzellen zur Rückverstromung. Teil ist nun auch die Wasserstofftankstelle.