Dorota Dobler und Thomas Schmidts gehörten zum Forscherteam des evaluierten Projekts.Anwendungsbezogene Forschung ist ein Leistungsfeld der TH Mittelhessen. Viele Projekte, die an der THM laufen, zielen darauf ab, in Kooperation mit regionalen Unternehmen vermarktungsfähige neue Verfahren und Produkte zu entwickeln. Die HessenAgentur hat jetzt einer Arbeitsgruppe der Hochschule bestätigt, dieses Ziel schneller und effizienter erreicht zu haben, als der Projektplan vorsah.

Unter der Leitung von Prof. Dr. Frank Runkel untersuchte eine Forschungsgruppe des Kompetenzzentrums Biotechnologie und Biomedizinische Physik der THM die „Anwendbarkeit von ionischen Liquiden in der Kosmetikherstellung“. Das Vorhaben wurde durch die Landesoffensive zur Entwicklung wissenschaftlich-ökonomischer Exzellenz (LOEWE) gefördert. Aufgabe der HessenAgentur ist es, die erbrachten Leistungen im Rahmen einer „Abschlussevaluierung“ zu bewerten. Die Gutachter richten sich dabei nach Kriterien wie „Projektergebnisse“, „Wirtschaftliche Verwertung“, „Stärkung der Wettbewerbsfähigkeit“ und „Projektmanagement“. Die vom Land beauftragte Agentur teilte der Arbeitsgruppe ein „sehr gutes Evaluierungsergebnis“ mit und befand: „Der bereits zum jetzigen Zeitpunkt erreichte Vermarktungsstand - Umsetzung in ein marktfähiges Produkt, Schaffung einer eigenen Marke, Kontakte zu namhaften Zielkunden – verdient aus unserer Sicht eine besondere Hervorhebung.“

Die Forschungsgruppe der Hochschule kooperierte bei dem vom Land Hessen mit 320.000 Euro geförderten Projekt mit dem Gießener Unternehmen Biodermic Health & Beauty GmbH & Co. KG. Es ging darum, ionische Liquide als Komponenten für kosmetische Rezepturen zu nutzen und Vorteile gegenüber herkömmlichen Inhaltsstoffen zu untersuchen. Bei Ionischen Liquiden handelt es sich um eine Gruppe von organischen Salzen, die bei Temperaturen unter 100 Grad flüssig sind. Ihre physikalisch-chemischen Eigenschaften lassen sich in weiten Grenzen verändern und abgestimmt auf technische Anforderungen und gewünschte Wirkung bei der Anwendung am Menschen optimieren. Als Zusatzstoffe in Hautpflegeprodukten wurden ionische Flüssigkeiten bisher nicht genutzt. „Von besonderem Interesse sind ionische Flüssigkeiten bei der begleitenden kosmetischen Behandlung von Hautkrankheiten wie Schuppenflechte, denn sie könnten Stoffe wie Salizylsäure oder Antibiotika bei besserer Verträglichkeit ersetzen“, erläutert Runkel.

Der Arbeitsgruppe ist es gelungen, ionische Flüssigkeiten zu identifizieren, die als Lösungsmittel, Emulgator, Konservierungsstoff und Penetrationsverstärker dienen und eine antibakterielle Wirkung haben. Die Projektergebnisse bestätigen auch deren Haut- und Umweltverträglichkeit. Damit ist erwiesen, dass es eine Alternative zu bisher verwendeten Substanzen wie Benzylalkohol oder Natriumbenzoat gibt, die allergene Wirkungen haben können. Die Gießener Forscher sind - ebenso wie die HessenAgentur - von den Vermarktungschancen der geprüften ionischen Flüssigkeiten als kosmetische Rohstoffe überzeugt.