„Später selbständig zu sein, ist mein Ideal“, sagt, die soeben ihr Informatik-Studium an der FH Gießen-Friedberg abgeschlossen hat. Die 26-jährige Türkin freut sich über ihr Diplom. Aber sie hat noch einen weiteren Grund, stolz auf sich zu sein: Die Fachhochschule hat sie mit dem DAAD-Preis ausgezeichnet, der an ausländische Studierende für besondere Studienleistungen und gesellschaftliches Engagement vergeben wird.
„In der Türkei ist es ähnlich wie in Deutschland: Mädchen interessieren sich meist nicht so sehr für Naturwissenschaften und Technik. Aber bei mir war das schon mit 13, 14 Jahren anders. Das liegt vielleicht daran, dass mein Vater Techniker ist“, erklärt Ipek Özdemir. Zu Beginn ihrer akademischen Ausbildung hat sie dann auch zielstrebig die mathematisch-naturwissenschaftliche Richtung eingeschlagen. An der Universität ihrer anatolischen Heimatstadt Bursa schloss sie ein Mathematikstudium ab, bevor sie mit dem Ziel, Auslandserfahrung zu sammeln und zusätzliche informationstechnische Qualifikationen zu erwerben, 2003 nach Deutschland kam. Für Deutschland habe z.B. der gute Ruf des hiesigen Hochschulsystems gesprochen. Ihr Weg führte sie nach Marburg, wo Verwandtschaft von ihr lebt. Dort besuchte sie eine private Sprachschule, absolvierte auch Programmierkurse in Mittelhessen und sah sich mit dem Wunsch, mehr über das Studienangebot zu erfahren, an der FH in Gießen um. Beim Fachbereich Mathematik, Naturwissenschaften und Informatik wurde sie sogleich zum Dekan vorgelassen, der sie davon überzeugte, nicht einzelne Kurse zur Weiterqualifikation zu belegen, sondern systematisch und umfassend Informatik zu studieren. Motivierend sei gewesen, dass sie beim Studienstart in Gießen 2004 nicht bei Null habe beginnen müssen, weil ihre in der Türkei erbrachten Studienleistungen in Mathematik und Physik anerkannt worden seien. So konnte sie nach sechs Semestern, in die auch eine berufspraktische Phase bei Siemens in Bayreuth integriert war, schon im Oktober 2007 die Diplomprüfung erfolgreich absolvieren.
Während ihres Studiums in Gießen war sie darauf angewiesen, ihren Unterhalt durch Jobs zu finanzieren. Sie betätigte sich vor allem als Nachhilfelehrerin für Mathematik und Physik. Zu ihren Klienten gehörten Medizinstudenten, aber vor allem Schülerinnen und Schüler, von denen viele ebenfalls aus der Türkei stammten. Dass sie als Nachhilfelehrerin zum Teil unentgeltlich arbeitete und sich im Rahmen der Hochschulpartnerschaft mit der Universität Izmir an der FH als Betreuerin türkischer Gaststudenten engagierte, beeindruckte die Verantwortlichen ihres Fachbereichs, die sie für den mit 1000 Euro dotierten DAAD-Preis vorschlugen.
Ipek Özdemir, die zudem als Tutorin an der FH Studienanfänger unterstützt, wird ihr Studium an der FH Gießen-Friedberg fortsetzen. Sie folgt dem Rat des Betreuers ihrer mit sehr gut bewerteten Diplomarbeit, Prof. Dr. Peter Kneisel, und strebt nun am Fachbereich MNI einen Masterabschluss in Informatik an. Aber danach will sie wieder in ihre Heimat zurückkehren und als Systemtechnikerin arbeiten.