Zum Kolloquium begrüßt Vizepräsident Prof. Dr. Jochen Frey die vier Promovierenden und Moderator Oliver Leibrecht. Foto: THMWie unterschiedlich die Wege zum gleichen Ziel – der Promotion – sein können, haben vier Promovierende der Technischen Hochschule Mittelhessen (THM) im neunten interdisziplinären Promovierendenkolloquium gezeigt: Jakob Prüfer, Alina Scholz, Lukas Käßer und Nils Gumpfer präsentierten in vier Kurzvorträgen ihre Promotionsthemen vor einem Publikum aus mehr als 50 Professorinnen, Professoren und anderen Promovierenden.

Pandemiebedingt fand das Kolloquium, das dem akademischen Austausch, dem Networking, der fachlichen Diskussion und dem ersten öffentlichen Präsentieren des eigenen Forschungsthemas dient, nochmals digital statt. „Die große Zahl der Interessenten zeigt aber auch das Potenzial digitaler Veranstaltungen“, sagte Prof. Dr. Jochen Frey, als Vizepräsident für Forschung Gastgeber des Kolloquiums. Er wertete die neunte Veranstaltung als Zeichen der positiven Entwicklung der THM: „Promotionen gehören bei uns mittlerweile fest zum Hochschulalltag“, sagte er. Aktuell liefen 120 Promotionsverfahren – viele davon mit Kooperationshochschulen, zunehmend aber auch am Promotionszentrum für Ingenieurwissenschaften am Forschungscampus Mittelhessen (PZI). Beide Promotionswege sollen ausgebaut werden, kündigte er an.

Unter der Moderation von Oliver Leibrecht aus Marburg hatten die vier Promovenden jeweils 15 Minuten Zeit, der Hochschulöffentlichkeit vorzustellen, woran sie forschen. Weitere jeweils zehn Minuten dienten der Beantwortung von Fragen und der fachlichen Diskussion. Jakob Prüfer, der von Prof. Dr.-Ing. Alexander Klös vom Fachbereich Elektro- und Informationstechnik betreut wird, arbeitet nach eigener Aussage an einem „sehr theoretischen Thema“, von dem mittel- bis langfristig aber auch kleine und mittelständische Unternehmen profitieren können: Er modelliert das Gleichstromverhalten von kurz-kanäligen organischen Dünnschichttransistoren.

An der Erforschung des menschlichen Konnektoms – also der Verbindungen im Gehirn – mittels Magnetresonanz-Diffusionsbildgebung forscht Alina Scholz, die von Prof. Dr. Boris Keil vom Fachbereich Life Science Engineering betreut wird. Sie ist am PZI eingeschrieben und will langfristig helfen, die klinische Diagnostik und Therapie voranzubringen, um beispielsweise Krankheiten und Verhaltensweisen besser zu verstehen.

Am gleichen Fachbereich betreut Prof. Dr.-Ing. Peter Czermak den Doktorand Lukas Käßer, der einen Bioprozess für die Produktion eines antimikrobiellen Peptids in Insektenzellen erforscht, um einen Ausweg aus der Antibiotikakrise aufzuzeigen. „Die Erkenntnis, dass Zellen als perfekte Fabriken der Natur technologisch genutzt werden können, fasziniert mich bis heute“, erklärt er seine Beweggründe für Studium und Promotion.

Nils Gumpfer schließlich, den Prof. Dr. Michael Guckert vom Fachbereich Mathematik, Naturwissenschaften und Datenverarbeitung betreut, promoviert am PZI zu Künstlicher Intelligenz zur Erkennung von Herzmuskelschädigungen. Diese gehören zu den häufigsten Todesursachen in Deutschland. „Eine frühzeitige Erkennung von Herzmuskelschädigungen würde dazu beitragen, die Zahl der damit verbundenen Todesfälle zu verringern“, sagt Gumpfert, der mit „CardioIQ“ ein eigenes Start-Up aufbaut. Seine Arbeit soll es etwa Hausarztpraxen oder den Besatzungen von Rettungswagen ermöglichen, bereits aus EKG-Daten Erkenntnisse für die weitere Behandlung zu ziehen.