2021 10 motostudent03aHochzufrieden war das Team der Technischen Hochschule Mittelhessen mit seinem ersten Auftritt bei der „MotoStudent International Competion“ im spanischen Alcañiz. Mit ihrem selbst entwickelten und gebauten Rennmotorrad kam die studentische Gruppe aus Gießen und Friedberg in der Kategorie Verbrennungsmotor unter 37 Teilnehmern aus ganz Europa auf Platz zehn. „Wir wollten vor allem Erfahrungen sammeln. Dass wir gleich so weit vorn gelandet sind, ist ein großer Erfolg, der Motivation für die Zukunft gibt,“ berichtet Maschinenbauprofessor Dr. Claus Breuer aus Friedberg. Gemeinsam mit seinem Gießener Kollegen Prof. Dr. Klaus Herzog betreut er das Team seit dem Projektstart 2019.

Der Wettbewerb wurde zum sechsten Mal ausgetragen. Die Teams spielen dabei die Rolle eines Unternehmens, das einen Motorradprototyp entwickelt und herstellt, der auf dem Markt bestehen kann. Es handelt sich also nicht um ein reines Ingenieurprojekt. Auch das Geschäftsmodell muss stimmen.

Die Konkurrenten treten in 15 verschiedenen Wertungskategorien gegeneinander an. Dazu gehören in der ersten Phase zum Beispiel Konzeptentwicklung, Design oder die Qualität der Dokumentation von Tests. Für diesen Teil musste das Team fast 200 Seiten an Unterlagen einreichen. Bewertet wurden Disziplinen wie Projektorganisation, konstruktive Auslegung, Innovationen und ein Businessplan. In dieser Phase belegte das THM-Team Platz fünf. Besonders mit einem neuartigen Kühler aus dem 3D-Drucker habe man Eindruck gemacht.

Beim Finale ging es auf dem Grand-Prix-Kurs von „MotorLand Aragón“ um die technische Leistungsfähigkeit der Motorräder: Bewertet wurden unter anderem Bremsen, Beschleunigung, Höchstgeschwindigkeit und die Wendigkeit des Fahrzeugs. Das Abschlussrennen führte über zwölf Runden á fünf Kilometer.

Zum aktuellen THM-Team gehören vor allem Studenten der Fachbereiche Maschinenbau und Energietechnik aus Gießen und Maschinenbau, Mechatronik, Materialtechnologie aus Friedberg. Dabei sind aber auch angehende Elektro- und Wirtschaftsingenieure. Wer an einer zukünftigen Mitarbeit interessiert ist, kann sich bei den betreuenden Professoren melden. Die Mitglieder der Gruppe bearbeiten jeweils Teilaufgaben in ihren Semester-, Bachelor- oder Masterarbeiten. Auf regelmäßigen Treffen wird das Projekt koordiniert.

In ihren Arbeiten entwickeln die Studenten selbständig Teilkomponenten des Motorrads wie Lenk- und Bedienelemente, Fahrzeugelektrik und -elektronik, das Kühl- und Kraftstoffsystem oder das Ansaug- und Abgassystem für den Motor.

Wegen der Corona-Pandemie musste der ursprünglich für 2020 geplante Wettbewerb verschoben werden, die Entwicklungsarbeit an der THM sei aber planmäßig gelaufen, sowohl online als auch mit entsprechendem Hygienekonzept in den Laboren der Hochschule, erläutert Breuer. Mehr als 30 Studierende haben sich an dem Projekt beteiligt. Zwölf von ihnen waren schließlich beim Wettbewerb in Spanien dabei.

„Bei uns können die Studenten ihr Wissen aus dem Studium in ein reales Industrieprojekt einbinden,“ so Herzog. Sie lernten im Team zu arbeiten, enge Zeitpläne einzuhalten und mit Ingenieuren anderer Fachrichtungen zu kooperieren. Sponsoren aus der Industrie unterstützen die Gruppe. Zur Finanzierung trugen auch Landesmittel zur Verbesserung der Qualität der Lehre und der Studienbedingungen bei.

„MotoStudent“ ist das neueste Projekt im Rahmen von THM Motorsport. Diese Einrichtung bietet Studentinnen und Studenten seit 2008 die Möglichkeit, mit gemeinsam entwickelten Rennwagen an internationalen Wettbewerben teilzunehmen. Als Betreuer waren von Anfang an Claus Breuer und Klaus Herzog dabei.

Auf dem Grand-Prix-Kurs MotorLand Aragón präsentierten Teilnehmer aus ganz Europa ihre Rennmaschinen.