Lebkuchen, Schokolade, Printen, Puderzucker, Kokosflocken und Gummibärchen gehören nicht zu den Lieblingsmaterialien ernsthafter Baumeister. Aber wenn es darum geht, im Tischmaßstab phantasievoll einzigartige Bauwerke zu modellieren, lässt sich viel damit anfangen. Diesen Beweis traten in der Weihnachtswoche Studentinnen und Studenten der Architektur an der FH Gießen-Friedberg an.

Die Aufgabe „Stegreifentwurf“ hatte ihnen Prof. Peter Jahnen mit folgendem Auftrag schmackhaft gemacht: „Sie sollen das Thema ‚Weihnachtshaus’ neu interpretieren. Dabei muss jeder Baustoff verzehrbar sein. Verbindungen wie Klebstoff oder Stecknadeln dürfen Sie nicht verwenden!“ Die angehenden Architekten im vierten und fünften Semester schafften es tatsächlich, pittoreske Endergebnisse zu präsentieren, ohne dass zuvor tragende Teile und Dekor der eigenen oder fremden Naschlust zum Opfer gefallen waren.

{mosimage} Da stand das „Hexenhäuschen“ im neu-sachlichen Plattengefüge aus schwarzer und weißer Schokolade neben „Santa’s Stargate“, einem kalorienreichen, futuristisch wirkenden Tunnelbau. Eine Studentin hatte ihrer sentimentalen Adventsstimmung nachgegeben und auf Lebkuchenbasis ein multikulturelles Sternhaus gebaut, dessen Farbigkeit einen Akzent gegen Rassismus setzen sollte. Ein Gebäudekoloss, der an ein Klinikum oder eine Bohrinsel erinnerte, grüßte stolz mit vier Türmen aus Doppelkeksen. Skandinavische Sakralbaustile waren ebenso in aller Süße repräsentiert wie Anklänge an den Orient. Und schließlich enthüllte eine risikobereite Gestalterin eine avantgardistische Kaminszene, die unter Verwendung von Marzipan, Lakritze, Salzstangen und Zuckerguss den Traditionsbestand der Weihnachtskrippe mit Motiven des Strandurlaubs und der Schiffbrüchigkeit verknüpfte. 

 

 

{mosimage}Ihr wie den anderen konstruktiven Konditoren war der Beifall vieler Kommilitonen gewiss, die sich die Backwerkschau in der Aula des Hugo-von-Ritgen-Hauses nicht entgehen lassen wollten. Bau- und kunsthistorisch bewandert kommentierten Prof. Jahnen und sein Kollege Prof. Nikolaus Zieske die prächtigen Entwurfsleistungen. Passend zu Thema und Termin stellten zudem Studierende Weihnachtsschmuck vor, den sie nach Vorarbeit mit Computer Aided Design an der CNC-Fräse des Fachbereichs Bauwesen angefertigt hatten. Zum Abschluss gab es Glühwein für alle.