Studierende unterschiedlicher Fachbereiche lernen im Fachbereich Wirtschaft, humanoide Roboter wie Pepper (vorn) oder NAO zu programmieren und die KI praktisch einzusetzen.  Mit großen runden Augen schaut NAO die beiden Studierenden vor sich an, mit Roboterstimme fragt er: „Wer hat die Mona Lisa gemalt?“ NAO ist einer von drei Roboter-Typen, die der Fachbereich Wirtschaft an der THM im Einsatz hat und mit denen Studierende lernen, Künstliche Intelligenz einzusetzen.

Jürgen Köhlinger, Mitarbeiter im Fachbereich Wirtschaft, bringt Studierenden unter anderem in Blockseminaren das Programmieren bei – so wie der Kurs mit NAO, den er mit Lukas Köhlinger gestaltet. „Wir sind mit einer Einführung in die Programmiersprache gestartet, danach sollte der Roboter als Taschenrechner funktionieren“, erklärt Jürgen Köhlinger. Eine umfangreichere Aufgabe ist dann, dass NAO Quizfragen stellt und jeweils vier Antwortmöglichkeiten vorgibt. Für Student Bright Akpan keine große Hürde. Er hat sein Fachabitur in Richtung Softwareentwicklung gemacht und studiert an der Technischen Hochschule Mittelhessen (THM) im vierten Semester BWL mit dem Schwerpunkt Digital Business und Wirtschaftsinformatik. „Ich kann schon eine Programmiersprache und konnte meine Kenntnisse direkt anwenden“, sagt er.

Neben NAO lernen die Studierenden aus den Fachbereichen Wirtschaft, Elektro- und Informationstechnik sowie Mathematik, Naturwissenschaften und Informatik in diesem Blockseminar auch, Pepper zu programmieren. Der größere Roboter ist beispielsweise auch im Gießener Infocenter der THM im Einsatz, wenn Studierende oder Interessierte Fragen zu Fächern oder Lehrenden haben. Er schätzt aber auch das Alter oder lädt zum Spielen ein. Als Abschlussprojekt sollen die Studierenden in Köhlingers Blockseminar Pepper programmieren. Akpan bringt ihm Gedächtnisspiele bei.

Die umfangreichste KI des Fachbereichs Wirtschaft ist der humanoide Roboter Furhat. Dieser kann in Interaktion mit Menschen treten. Zuletzt präsentierten ihn Jürgen und Lukas Köhlinger einem größeren Publikum Anfang Oktober beim Tag der offenen Tür der hessischen Landesvertretung in Berlin. Neben Hessens Digitalministerin Christina Sinemus testete auch Moderator Willi Weitzel einen der humanoiden Roboter. „Durch Furhat vermitteln wir unseren Studierenden praxisnahe Einblicke in die Einsatzmöglichkeiten von Künstlicher Intelligenz und Sprachassistenzsystemen, die in der Wirtschaft zunehmend an Bedeutung gewinnen“, erklärt Jürgen Köhlinger. Furhat hat bereits im Rahmen mehrerer Abschlussarbeiten seine Einsatzfähigkeit in Praxisprojekten unter Beweis gestellt, etwa in einem Dialysezentrum, wo er erfolgreich im Patientenkontakt eingesetzt wird. Aktuell beschäftigen sich drei Abschlussarbeiten mit konkreten Anwendungsfällen: in einer Bankfiliale, bei Behörden und der THM selbst. Ein weiterer Student verbessert die Alltagstauglichkeit von Furhat, zum Beispiel durch die Emotionserkennung des menschlichen Gegenübers. „Das zeigt eindrucksvoll, wie KI-basierte Systeme den menschlichen Arbeitsalltag bereichern und unterstützen können“, sagt Köhlinger. Für weitere Anwendungsfälle existieren bereits konkrete Anfrage, wie beispielsweise aus der Telekommunikationsbranche und der Energieversorgung.

Mittlerweile hat sich auch eine kleine Roboter-AG um Jürgen und Lukas Köhlinger und den wissenschaftlichen Leiter, Prof. Dr. Sven Keller, gebildet. Sie wird von Studierenden aus unterschiedlichen Fachbereichen verstärkt. Wer Interesse an der Mitarbeit im Roboterlabor hat, kann sich an Jürgen Köhlinger oder Sven Keller wenden.