Prof. Czermak und Diplmoand Florian Kneidung im LaborWer seine Diplomarbeit im Ausland schreibt, geht nicht den leichtesten Weg. Aber mit dem riskanteren Schritt sind auch zusätzliche Chancen verbunden, den eigenen Horizont zu erweitern, Neues zu lernen und sich für den internationalen Arbeitsmarkt zu qualifizieren. Diese Erfahrung macht zurzeit Florian Kneiding aus Lahnau. Der 25-Jährige studiert Biotechnologie an der FH Gießen-Friedberg und arbeitet in Manhattan, Kansas, an seinem Diplomprojekt. Zur dortigen Kansas State University unterhält die Fachhochschule enge Beziehungen. Prof. Dr. Peter Czermak, Biotechnologe aus Gießen, kooperiert kontinuierlich mit seinem amerikanischen Kollegen Prof. Peter Pfromm. Als transatlantisches Team betreuen sie auch Florian Kneidings Diplomarbeit.  

Die Biotechnologie sei ein internationales Fachgebiet. Zudem habe ihn die Aussicht gereizt, auf hohem Niveau in der englischsprachigen Forschung arbeiten zu können. So begründet der Student seine Entscheidung, als Diplomand in die USA zu wechseln. Zuvor hatte er sich bereits während seines Berufspraktischen Semesters in Kanada im angloamerikanischen Raum eingelebt.  

Nach mehr als drei Monaten in Kansas zieht er eine sehr positive Zwischenbilanz: „Es bestehen hier viele Kooperationen mit anderen Universitäten in der ganzen Welt. Somit forscht und lebt man nicht nur in den USA, sondern in einem sehr interessanten internationalen Umfeld und hat damit die Möglichkeit, in viele andere Kulturen Einblick zu bekommen. Mein Büro teile ich mir mit einem Inder und einem Amerikaner. Automatisch bin ich Mitglied der ‚International Students Organisation’ geworden. So werde ich regelmäßig über kommende Veranstaltungen und Zusammenkünfte wie organisierte Kinoabende oder gemeinsames Grillen im City Park informiert.“ Florian Kneiding gefällt es, dass – anders als in Deutschland – die meisten Studierenden auf dem Campus oder ganz in der Nähe leben. Auch während der Freizeit stehe die Uni stärker im Mittelpunkt als hierzulande. Er habe z.B. zweimal pro Woche feste Einsätze als Basketballer in Studententeams.  

Doch nicht nur mit seiner Integration an der amerikanischen Uni ist der Lahnauer hochzufrieden. Auch die Fortschritte seiner Diplomarbeit stimmen ihn sehr zuversichtlich. Er widmet sich dabei der „Herstellung und Aufreinigung bakterieller Purine“. Dabei geht es darum, durch Fermentation einer Bakterie aus Mikroorganismen Membranproteine zu gewinnen. Mögliche Anwendungsfelder liegen in der Nanotechnologie, aber auch in der Pharmakologie, weil der gewählte Bakterienstamm eng verwandt ist mit dem der Tuberkulose. Einen Teil der Aufgabe hat Florian Kneiding mit der Einrichtung eines speziellen Labors schon erfüllt. Und die Kultivierung der Bakterien hat er auch Erfolg versprechend begonnen. Während des Aufenthaltes nutzte er neben der Möglichkeit zur Fernkommunikation auch die Gelegenheit zum direkten fachlichen Austausch mit seinem Gießener Professor. Denn Peter Czermak hielt im Juli als Adjunct Professor Vorlesungen in Manhattan und interessierte sich auch für die Arbeit des Diplomanden. Sorgen um die Studienfinanzierung muss sich der Gaststudent nicht machen. Er erhält monatlich 1250 Dollar Unterstützung aus einem Budget des dortigen Departments of Chemical Engineering. Nach seiner Rückkehr an die FH wird er im Dezember oder Januar seine Abschlussprüfung ablegen. Danach will er als Diplom-Ingenieur für Biotechnologie auf dem Gebiet der Bioprozessentwicklung berufstätig werden. Dabei schwebt ihm ein international ausgerichtetes Unternehmen vor. Und sollte an seinem künftigen Arbeitsplatz Englisch die Sprache Nummer 1 sein, dann hätte er daran nichts auszusetzen.