Göran FiedlerMit einem Plakat fing alles an. Göran Fiedler sah es im Spätsommer 2005 auf dem Campus der Fachhochschule in Gießen. Das Angebot, im Rahmen des Hessen-Wisconsin-Programms ein Semester an einer nordamerikanischen Universität zu studieren, schien dem Studenten der Medizintechnik mit dem Schwerpunkt Biomechanik reizvoll – zumal er so rund 6000 Dollar Studiengebühren sparen konnte.

Offenbar gut beraten vom Auslandsreferat der Fachhochschule bewarb sich der heute 33-jährige gelernte Orthopädietechniker mit Erfolg um einen Studienplatz an der University of Wisconsin Milwaukee (UWM). Über ein Reisestipendium der Fulbright-Kommission, das ihm neben Reise-, Visa- und Versicherungskosten auch noch ein Taschengeld von 3500 Dollar einbrachte, konnte Fiedler sich ebenfalls freuen. Nach einem „Pre Academic Program“ an der Boston University startete er im Herbstsemester sein Studium an der UWM. In seinem fünften Fachsemester besuchte er Lehrveranstaltungen wie Advanced Biomechanics, Human Kinetics, Human Motor Development oder Physics for Health Professions.

Anerkennend spricht der im thüringischen Mittweida geborenen Stipendiat von den Hochschullehrern in Wisconsin: „Die Professoren in den Graduate-Kursen waren sehr freundlich, hilfsbereit und fast schon kollegial den Studenten gegenüber. Es hat richtig Spaß gemacht, sich an den Diskussionen zu beteiligen und das Gefühl zu haben, dass Meinungen nicht nur akzeptiert, sondern sogar gewürdigt werden. Mit Fragen aller Art konnte man eigentlich immer im Büro des Professors aufkreuzen, der sich dann ausgiebig dafür Zeit genommen hat. Als ich beispielsweise einmal mit einer Programmierhausaufgabe nicht mehr weiter wusste, saßen wir stundenlang zusammen, um den besonders hartnäckigen Fehler zu finden.“

Mit Hilfe eines Professors gelang es Fiedler auch, im Anschluss an sein Studium einen Praktikumsplatz zu finden. Von Januar bis Mai dieses Jahres konnte er so auch sein Praxissemester in den USA absolvieren konnte.

Der angehende Diplom-Ingenieur zieht ein rundum positives Fazit seines knapp einjährigen USA-Aufenthalts: „Es gab täglich Eindrücke, die zum Wundern, Diskutieren und Nachdenken angeregt und mich auch über mein Studienfach hinaus in vielerlei Hinsicht schlauer gemacht haben.“

Mitgebracht hatte Fiedler nicht nur ganz neue Erfahrungen und Eindrücke, sondern auch ein Angebot von Biomechanikprofessor Yiorgos Papaioannou. Der forderte ihn auf, möglichst bald zurück zu kommen und seine Diplomarbeit in Wisconsin zu schreiben. Sein Arbeitsplatz wird am Mobility Challenged Veterans Center an der UWM sein. In der in diesem Frühjahr gegründeten interdisziplinären Forschungseinrichtung wird Fiedler gemeinsam mit Ingenieuren, Ärzten und Rehabilitationsfachleuten an der Entwicklung von Prothesen speziell für kriegsversehrte Veteranen und Soldaten arbeiten. Seine Diplomarbeit wird von Prof. Papaioannou und dem Gießener Prof. Dr. Jörg Subke (Fachbereich Krankenhaus- und Medizintechnik, Umwelt- und Biotechnologie) betreut.

Im vergangenen Sommersemester hat Fiedler eine kurze Stippvisite in Gießen gemacht und seine letzten Studienleistungen weitgehend abgeschlossen. Im August hat er sich schon wieder aus Mittelhessen verabschiedet – bis zu den mündlichen Prüfungen im nächsten Frühjahr.