Fars SamannWas Kollegialität bedeutet, wusste Fars Samann schon, bevor er nach Gießen kam. Wie weit sie gehen kann, lernte der Iraker, als er Ende Januar nach Deutschland eingereist war und seine Wohnung bezogen hatte. Zehn Tage Quarantäne waren die Bedingung dafür, dass er endlich sein Promotionsstudium an der Technischen Hochschule Mittelhessen aufnehmen konnte. Seine neuen Mitstreiter vom Fachbereich Life Science Engineering versorgten ihn mit Lebensmitteln und anderen Gegenständen des täglichen Bedarfs.

Viel Hilfe bekam er außerdem vom International Office der Hochschule. Das kam nicht nur dem Gaststudenten, sondern auch seiner Familie zugute. Denn der 32-Jährige lebt mit Frau und zweijähriger Tochter in einer Wohnung des Studentenwerks in Gießen. Er bekommt seit Oktober 2020 für maximal vier Jahre ein Stipendium des Deutschen Akademischen Austauschdienstes (DAAD) in Höhe von monatlich 1200 Euro. Weil es Reisebeschränkungen wegen der Coronapandemie gab, musste er die erste Zeit noch an seiner Heimathochschule, der kurdischen University of Duhok im Nordirak, verbringen. Der Austausch mit den Betreuern seiner Doktorarbeit geschah zunächst online.

In der Fachrichtung Life Science Engineering hat die THM im Rahmen des Promotionszentrums für Ingenieurwissenschaften am Forschungscampus Mittelhessen ein eigenständiges Promotionsrecht. Betreuer von Fars Samann sind die Professoren Dr. Thomas Schanze und Dr. Martin Fiebich. Der Doktorand hat in Duhok ein Bachelorstudium in Elektrotechnik und Technischer Informatik abgeschlossen und einen Master der University of Nottingham in Electronic Communications and Computer Engineering. In seiner Doktorarbeit mit dem Titel „Sparse Based Denoising of Biomedical Signals Using Dictionary Learning Approach“ befasst er sich damit, Störgeräusche von biomedizinischen Signalen zu trennen. Das hilft zum Beispiel, bei einem EKG die Aktivitäten des Herzmuskels klarer darzustellen und so dem Arzt die Diagnose zu erleichtern.

Die THM kooperiert seit fast zehn Jahren mit der University of Duhok. Von Beginn an fördert der DAAD die Zusammenarbeit. Zentral ist dabei der Aufbau einer Fachrichtung Medizintechnik in der autonomen kurdischen Region. Hieran bestehe in Forschung und Lehre ein großer Bedarf, meint auch Fars Samann. Er plant, nach Abschluss seiner Promotion als Dozent nach Duhok zurückzukehren.