Bernd Gombert (links) erhielt die Diesel-Medaille von Bayerns Wirtschaftsminister Erwin Huber.Mit Bernd Gombert hat ein Absolvent der Fachhochschule Gießen-Friedberg die Rudolf-Diesel-Medaille in Gold erhalten. Der Diplom-Ingenieur, der 1985 sein Studium der Feinwerktechnik in Gießen abschloss, bekam die hohe Auszeichnung für seine Entwicklungen auf den Gebieten der Mechatronik und Robotik.

Die Rudolf-Diesel-Medaille erkennt das Deutsche Institut für Erfindungswesen Persönlichkeiten zu, die innovative naturwissenschaftliche oder technische Leistungen wirtschaftlich erfolgreich umgesetzt haben. Neben Gombert wurde auch Prof. Dr. Theodor Hänsch, Physik-Nobelpreisträger des Jahres 2005, im Ehrensaal des Deutschen Museums in München ausgezeichnet. Die Diesel-Medaille wird seit 1952 alle zwei bis drei Jahre verliehen. Zu den bisherigen Preisträgern gehören Claudius Dornier, Wernher von Braun und Felix Wankel. Die Auszeichnung ist nicht dotiert.

Bernd Gombert studierte nach einer Feinmechanikerlehre von 1982 bis 1985 Maschinenbau mit dem Schwerpunkt Feinwerktechnik in Gießen. Heute ist der gebürtige Marburger, den die Laudatio einen „gleichermaßen kreativen Ingenieur und besessenen Unternehmer“ nennt, Inhaber von etwa 150 Patenten. Er entwickelte zum Beispiel die Greifhand des ersten Weltraumroboters für die D2-Mission. Von Beginn an habe er sich dafür interessiert, Erfindungen auch zur Marktreife zu führen, sagt der 46-Jährige. Dass er das kann, bewies er bereits in jungen Jahren mit der Gründung mehrerer erfolgreicher Firmen.

Für die Entwicklung der elektronischen Keilbremse gründete er im Jahr 2000 das Unternehmen eStop. Lange interessierte sich niemand für die Neuerung, bis im Jahr 2005 Siemens VDO die Firma übernahm. Unter dem Konzerndach leitet Gombert neben dem Geschäftsbereich Chassis und Safety heute die Entwicklung seiner Erfindung zur Markteinführung.

Die Grundidee der elektronischen Keilbremse ist simpel. Sie funktioniert wie die Bremse einer Pferdekutsche, bei der ein Keil das Rad abbremst. Allein durch seine Geometrie und die Rotation des Rades verstärkt sich die Bremskraft ohne zusätzlichen Energieaufwand. Der Keil wird sensorgeregelt zur Bremsscheibe geführt, die ihn durch ihre Rotation zwischen Scheibe und Sattel zieht. Ein elektronisch gesteuerter Elektromotor dosiert die Bremskraft. Die Keilbremse könnte schon bald die herkömmliche Hydraulikbremse ersetzen, denn sie braucht weniger Energie, keine Bremsflüssigkeit, verringert den Bremsweg und ist kostengünstiger.

Die Fachhochschule Gießen-Friedberg hat Bernd Gombert nicht vergessen. Zur Preisverleihung lud er Prof. Dr. Jörg Willhelm nach München ein. Der hatte ihn vor mehr als 20 Jahren als Diplomanden betreut und ihm, so Gombert, abseits vom klassischen Lehrbuchdenken beigebracht, die Dinge von den Grundprinzipien zu begreifen.

Schon zu Studienzeiten mochte der spätere Preisträger sich nicht mit der Ablieferung theoretischer Erkenntnisse begnügen. Die Ergebnisse seiner Diplomarbeit über die Entwicklung eines optoelektronischen Fluchtlinienprüfgeräts konnte er für 2500 DM an ein Wetzlarer Unternehmen der optischen Industrie verkaufen.