Prof. Vlassis Vassilakopoulos (links) und THW-Experte Daniel Lang (rechts) Überschwemmungen sind so ziemlich das letzte, was dem Fernsehzuschauer einfällt, wenn er an Naturkatastrophen in Griechenland denkt. Schließlich waren die Nachrichtensendungen des vergangenen Sommers voll mit Berichten über verheerende Waldbrände in dem südeuropäischen Land. Daniel Lang, der an der Fachhochschule in Gießen im fünften Semester Bauingenieurwesen studiert, weiß aber von Folgegefahren zu berichten.

Die Zerstörung der Wälder raube dem Boden Festigkeit und Speichervermögen. Erdrutsche und Überschwemmungen seien die Folge. Lang ist einer von zwei deutschen Experten, die im Auftrag des Technischen Hilfswerks (THW) eine Woche auf dem Peleponnes und im Raum Athen unterwegs waren. Die Aufgabe bestand darin, konkrete Vorschläge zum wirksamen Schutz vor Hochwasserschäden zu machen. Nach Gesprächen mit Bürgermeistern, lokalen Institutionen und Wissenschaftlern der Athener Universität stehen nun zum Beispiel eine THW-Hochwasserschulung für lokale Einsatzkräfte, Wiederaufforstungsprogramme oder der Bau von Wasserrückhaltebecken zur Diskussion, berichtet der 25-jährige Alsfelder, der bereits eine ganze Reihe von heimatfernen Großeinsätzen hinter sich hat.

Dass gerade er nach Griechenland geschickt wurde, habe natürlich mit seinem Studienfach zu tun, sagt Lang, der als Schwerpunkt Infrastrukturplanung gewählt hat. Außerdem sei er schon mehr als zehn Jahre beim THW. Man kenne sich untereinander und die vorgesetzten Stellen wüssten, wer für welche Aufgaben in Frage komme. Daniel Lang, der sich auch in der gemeinnützigen Hilfsorganisation „Ingenieure ohne Grenzen“ engagiert, wendet viel Zeit für seine ehrenamtliche Tätigkeit auf. Geld bekommt er dafür nicht. „Entweder es macht einem Spaß oder nicht“, sagt er über seine Motivation.

Dass der gelernte Fliesenleger, der sich zum Bautechniker für Stahlbetonbau weitergebildet hat, sein Studium vernachlässigt, dafür gibt es keine Indizien. Prof. Dr. Herbert Frank, in dessen Labor für Grundbau am Fachbereich Bauwesen Lang als Tutor arbeitet, nennt ihn einen „außergewöhnlichen Studenten“. Ihn zeichne neben herausragendem Fachwissen ein ungewöhnlicher Arbeitseifer, außerordentliche Selbstdisziplin und hohes Organisationstalent aus.

Das Diplomstudium als Bauingenieur hat eine Regelstudienzeit von 8 Semestern. Daniel Lang will in 6 Semestern fertig sein. Das müsste für ihn gut zu schaffen sein. Schließlich habe er in den relativ schwierigen ersten Semestern von seinen Vorkenntnissen aus der Technikerschule profitiert, erläutert er fast entschuldigend. Außerdem habe der Fachbereich ihm das Berufspraktische Semester erlassen, und für den Besuch der vier Vorlesungen, die ihm noch fehlen, müsste er im kommenden Sommersemester eigentlich parallel zur Diplomarbeit Zeit finden.

Wenn kein THW-Einsatz dazwischenkommt, will Lang im August seine erste Arbeitsstelle als Bauingenieur antreten. Den Kontakt zur Nord Bohr und Brunnenbau GmbH in Hamburg hatte er bereits Anfang 2005 geknüpft – in Indonesien, wo er als THW-Freiwilliger nach dem Tsunami einen Mitarbeiter der Brunnenbaufirma kennenlernte.