Youssef Belhoucine, Nelli Murtazina, Prof. Reza Mehran und Narcisse Kenta Foudji (von links) bei der Preisverleihung an der THM in Friedberg.Youssef Belhoucine hat den Reza-Mehran-Preis 2012 der Technischen Hochschule Mittelhessen erhalten. Der 23-jährige Marokkaner konnte die mit 750 Euro dotierte Auszeichnung beim „Tag der Hochschule“ in Friedberg entgegennehmen. Er studiert Biomedizinische Technik an der THM in Gießen.

Den zweiten Preis (450 Euro) verlieh die THM an Narcisse Kenta Foudji aus Kamerun, der Informations- und Kommunikationstechnik studiert. Der dritte Preis (300 Euro) ging an die Medieninformatikerin Nelli Murtazina aus Russland.

Die Auszeichnung wird ausländischen Studierenden für hervorragende fachliche Leistungen und soziales Engagement zuerkannt. Der aus dem Iran stammende Preisstifter Dr. Reza Mehran, ehemals Professor in Friedberg, will damit motivierend dazu beitragen, dass Studierende aus anderen Ländern ihren Abschluss schaffen.

Youssef Belhoucine, der in der Hafenstadt Kenitra aufgewachsen ist, kam 2008 ans Studienkolleg Mittelhessen, um dort die Voraussetzungen für die Immatrikulation zu erwerben. Sein Bruder, der an der damaligen FH Gießen-Friedberg Informatik studierte, hatte ihm die Hochschule empfohlen. Die Wahl des Studiengangs begründet der Preisträger damit, „dass Deutschland im Bereich Medizintechnik weltführend ist“.

Seine Anfangsprobleme verschweigt er nicht: „Am Goethe-Institut in Rabat hatte ich begonnen, Deutsch zu lernen. Dennoch fiel es mir anfangs schwer, mich in Deutschland einzuleben: fremde Sprache, fremde Kultur, fremdes Essen und kaltes Wetter!“ Doch Youssef Belhoucine bewies in den folgenden Jahren den Willen und die Fähigkeit, alle Widrigkeiten zu überwinden. Er baute sich einen überwiegend deutschen Freundeskreis auf, übernahm als Übersetzer und Servicekraft auf Messen Jobs zur Studienfinanzierung und überzeugte an der THM durch seine Leistungen und sein Sozialverhalten, so dass man ihn als studentische Hilfskraft auswählte. Er unterrichtet zum Beispiel Studierende der frühen Semester in Datenverarbeitung und Mathematik. Der Wissenschaftlichen Mitarbeiterin Vera Dammann und dem Mathematik-Professor Dr. Hans-Rudolf Metz ist er dankbar, dass sie ihm diese Aufgaben anvertraut haben und ihn damit im Studium unterstützen.

Inzwischen hat er das sechste Fachsemester erreicht und will im nächsten Winter den Bachelor-Abschluss machen. Danach hat er vor, sich mit dem Master in Medizintechnik weiter zu qualifizieren.  Die Auszeichnung mit dem Reza-Mehran-Preis bezeichnet er als „Motivation, für mein weiteres Studium alles zu geben“. Der damit verbundene Geldbetrag ist ihm als Zuschuss zur knappen Kasse sehr willkommen.

Aus der anfänglichen Fremdheit ist inzwischen eine stabile Vertrautheit geworden, so dass Youssef Belhoucine, nach seiner beruflichen Zukunft gefragt, antwortet: „Ich würde gerne nach meinem Studium in Deutschland bleiben, mich jedoch weiterhin der Förderung Marokkos im Bereich Medizintechnik widmen.“

Gießen, 28. Juni 2012