Schiffenberg Oliver Körber ist für seine Diplomarbeit am Fachbereich Bauwesen der Fachhochschule Gießen-Friedberg ausgezeichnet worden. Der Architekt belegte den 3. Rang beim Wettbewerb „Auf IT gebaut - Bauberufe mit Zukunft". Den mit 2000 Euro dotierten Preis erhielt der 33-jährige gelernte Maurer auf der Ausstellung „Bau 2009" in München Dort nahm er ihn aus den Händen von Hartmut Schauerte entgegen, dem Parlamentarischen Staatssekretär beim Bundesminister für Wirtschaft und Technologie.

Körbers Thema lautete „3D-Laserscannen und Weiterverarbeitung in einem architektonischen Entwurf am Beispiel Kloster Schiffenberg". Die mit der Note „sehr gut" bewertete Arbeit wurde von den Professoren Nikolaus Zieske und Joaquin Diaz betreut.

Der im 12. Jahrhundert gebauten Basilika der Klosteranlage auf Gießens Hausberg fehlt seit dem 15. Jahrhundert das südliche Seitenschiff, so dass man das Hauptschiff auf ganzer Länge durch einen Arkadengang von der Seite betritt. Aufgabe von Oliver Körbers Diplomarbeit war es, einen modernen Entwurf für die Schließung der Südseite der Kirche zu erarbeiten. Dadurch sollten die Nutzungsmöglichkeiten der Basilika verbessert und die alte Bausubstanz geschützt werden.

Körbers Entwurf orientiert sich an Form und Volumen des ehemaligen Seitenschiffs. Das Dach ist als Flachdach auf der mittleren Höhe des alten Pultdachs ausgebildet. Es ist begehbar und wird über eine Spindeltreppe in den Überresten des südlichen Turms erschlossen. Die Betonfassade ist mit Gabionen verkleidet. Das sind mit Steinen gefüllte Drahtkonstruktionen, die zum einen die Stärke des historischen Mauerwerks zeigen und zugleich durch das optische Zusammenspiel von Stein und Metall eine moderne Natursteinmauer symbolisieren. Eine 50 Zentimeter breite Glasfuge dient der optischen Trennung zwischen Neubau und Bestand und der natürlichen Belichtung. Das neue Seitenschiff ist durch eine doppelflüglige Glastür, die durch einen Glasrahmen begrenzt wird, zu betreten. Beleuchtet wird es durch eine unterschiedlich große unsymmetrische Festverglasung.

Bevor Oliver Körber, der bei seiner Arbeit mit dem städtischen Denkmalamt kooperierte, sich an den architektonischen Entwurf machte, musste er die Basilika per Laser einscannen. Die so registrierte Punktwolke visualisierte er anschließend als dreidimensionales Modell. Dieses Verfahren schafft bei Bestandsbauten, die ergänzt werden sollen und für die es wie bei der fast 900 Jahre alten Schiffenbergbasilika keine Pläne gibt, eine verlässliche Planungsbasis für den Neubau.

Auf die Frage nach den Realisierungschancen seiner Arbeit reagiert der Architekt skeptisch. Das Interesse sei zwar sehr groß gewesen, man habe ihm aber signalisiert, dass sein Entwurf „für Gießen vielleicht etwas zu modern" sei.

Beruflich hat Oliver Körber, der aus Greifenstein im Westerwald stammt, seine ausgezeichnete Arbeit allerdings geholfen. Direkt nach dem Diplom bot Prof. Diaz ihm eine Stelle als Wissenschaftlicher Mitarbeiter an. Er arbeitet jetzt im Labor für Bauinformatik der Fachhochschule unter anderem an Projekten zur energetischen Sanierung von Gebäuden.