Der „Women in Technology“-Preisträgerin Sophia Magdalena Reiter (Mitte) gratulieren vom ausrichtenden Zonta-Club Bad Nauheim-Friedberg die Award-Organisatorin Frederike Osbeck (l.) und Präsidentin Julia Buettner. Foto: Loesched GbRJunge Frauen für ingenieurwissenschaftlich-technische Studienfächer und Berufe zu begeistern, ist trotz zahlreicher Förderprogramme auf Bundes-, Landes-, Hochschul- und Schulebene noch immer ein schwieriges Unterfangen. Der Zonta-Club Bad Nauheim-Friedberg will mit einer neuen Auszeichnung für erfolgreiche Frauen in diesem professionellen Umfeld einen eigenen Beitrag leisten: Der Service-Club hat erstmals den „Women in Technology“-Award (WiT) verliehen, der mit 1000 Euro dotiert ist. Er geht an Sophia Magdalena Reiter, die an der Technischen Hochschule Mittelhessen (THM) Elektrotechnik für Erneuerbare Energien studiert. Der Preis soll in Kooperation mit der THM fortan jährlich verliehen werden.

„Zonta will junge Frauen ermutigen, ein technisches Fach – etwa aus dem MINT-Bereich – zu studieren oder eine Ausbildung darin zu machen und dort Karrierechancen und Führungsrollen zu verfolgen“, erklärte die Präsidentin des Clubs, Julia Buettner, während einer kleinen Feststunde, die wegen der guten Corona-Lage in Präsenz stattfand. Sie freue sich, mit der THM „den perfekten Partner für unseren Preis“ gefunden zu haben: Die Hochschule versucht seit Jahren und durchaus mit Erfolg, den Anteil von Frauen unter Studierenden wie Lehrenden zu erhöhen. Dazu tragen Programme wie der bekannte Girls‘ Day oder das „Hessen Technikum“ bei, das gezielt Schülerinnen zum „Schnuppern“ in den Studienalltag einlädt.

THM-Präsident Prof. Dr. Matthias Willems als Schirmherr des Preises wies auf den Frauenanteil von 30 Prozent unter den Studierenden hin, über alle Standorte hinweg. Doch viele davon sind an den Fachbereichen Gesundheit, Wirtschaft oder Management und Kommunikation eingeschrieben. Am Gießener Fachbereich Maschinenbau und Energietechnik sind es hingegen nur acht Prozent, am Friedberger Fachbereich Maschinenbau, Mechatronik, Materialtechnologie gar nur sechs. „Wir haben unser Ziel noch nicht erreicht“, sagte Willems deutlich. Der WiT-Award mache zurecht auf Frauen aufmerksam, die in einer zugeschriebenen „Männerdomäne“ bewiesen, dass das Geschlecht im professionellen Umfeld keinen Unterschied mache.

Das arbeitete auch Sophia Reiter in ihrer Dankesrede heraus. „Ich wurde als eine von wenigen Frauen in meinem Studiengang unglaublich herzlich vom Fachbereich aufgenommen und vom ersten Tag an gefordert wie gefördert“, sagte sie. Es werde kein Unterschied gemacht zwischen ihr und männlichen Kommilitonen. Gleichwohl habe es, als sie als Abiturientin von ihren Studien-Plänen berichtete, auch von Mitschülerinnen einigen Argwohn gegeben. „Ich möchte Mädchen und jungen Frauen zeigen, dass Vorurteile und Erzählungen über bisher noch durch Männer dominierte Studiengänge und Berufe nicht der Realität entsprechen“, sagte sie. Sie fühle sich durch ihre Hochschule stets gut gefördert – die Studienwahl sei eine der treffendsten Entscheidungen ihres bisherigen Lebens.

Reiter und ihr Partner Fabian Goedert, die gemeinsam das von der THM unterstützte und der Hessischen Feuerwehrstiftung geförderte Start-Up Fisego aus dem Bereich der Brandschutztechnik aufbauen, haben eine Zusammenarbeit mit einer Butzbacher Gesamtschule etabliert, in deren Rahmen sie die Lehrkräfte unterstützen, Interesse gerade bei Schülerinnen für technische Berufswege zu wecken. Wie positiv ihre Arbeit dort wirkt, berichtete Reiter ebenfalls: Eine Abschluss-Schülerin habe sich bei ihr gemeldet mit dem Vorsatz, ihr Abitur anzuschließen und dann ein Studium aufzunehmen. Zum Schuljahresbeginn hatte sie noch fest geplant, eine Ausbildung zur Bürokauffrau zu beginnen. „Ich hatte das große Glück, dass mich sowohl meine Lehrerinnen in der Schulzeit als auch Professorinnen während meines Studiums immer gefördert und unterstützt haben“, sagte Reiter. Diese positive Erfahrung wolle sie weitergeben.

Neben diesem Engagement, ergänzt durch ihre Mitgliedschaft in einer Freiwilligen Feuerwehr, spielten für die beiden Jury-Komitees von Zonta und THM die fachlichen Leistungen, aber auch die Motivation für die Bewerbung und der Bezug zu den Zielen von Zonta eine wesentliche Rolle. Beide Komitees hatte Sophia Reiter unabhängig voneinander unter 13 Bewerberinnen jeweils auf den ersten Platz gewählt. Frederike Osbeck, clubseitige Organisatorin des Awards, zeigte sich erfreut über die große Zahl und die hohe Qualität der Bewerbungen. Der Club sprach Tina Trede, Friedberger Frauenbeauftragte der THM, einen Dank für ihre intensive Unterstützung bei der Ansprache geeigneter Kandidatinnen aus. „Mit Frau Reiter ehren wir eine tolle junge Frau, die eine sehr gute Botschafterin für unsere Zielsetzung sein wird: nämlich mehr Mädchen und junge Frauen für eine Karriere im technischen Bereich zu begeistern“, so Club-Präsidentin Julia Buettner.