Prof. Dr. Rolf Hohenbild bei seiner VerabschiedungAls er die Mitglieder des Fachbereichs zu seiner Abschiedsfeier einlud, war die häufigste Reaktion: „ Was, Du gehst schon?“ Zu quirlig und aktiv war Prof. Dr. Rolf Hohenbild auch in den letzten Jahren als Studiendekan, als dass man sich ihn im Ruhestand hätte vorstellen können.

„Nach dem Abitur habe ich für mich persönlich am meisten in meiner Lehre zum Industriekaufmann bei Siemens gelernt, aber die Unternehmung war zu groß und zu perfekt, um etwas zu bewegen“, bekennt Hohenbild. Das Studium der Volks- und Betriebswirtschaft in Berlin und Bochum führte ihn als Assistent an den Lehrstuhl für Unternehmensrechnung, der an der gerade gegründeten Ruhr-Universität neu aufzubauen war. „ Daneben musste ich mir die Zeit für meine Promotion eher erkämpfen“, berichtet der Pensionär.

1973 kam der Wirtschaftswissenschaftler an die Fachhochschule Gießen-Friedberg. Der neue Fachbereich Wirtschaft brauchte Verstärkung. „Wenn ich die alten Bilder betrachte, waren die vier seriösen Kollegen von damals ganz schön mutig, mich als langhaarigen, unkonventionellen Alt-68er einzustellen“, erinnert sich der 65-Jährige.

Internes Rechnungswesen und Controlling waren seine Hauptlehrgebiete. Daneben hat er jahrelang Investitions- und Produktionswirtschaft gelehrt. Immer lagen ihm die Inhalte des betriebswirtschaftlichen Studiums am Herzen, verbunden mit der Frage nach den Wertvorstellungen und den benötigten Kompetenzen der Absolventinnen und Absolventen.

Hohenbild hat fast alle Ämter im Fachbereich innegehabt und wesentlich durch seine humorvolle, unkonventionelle und kollegiale Art geprägt. Was die Studierenden heute als lebendige Fachbereichsatmosphäre und -kultur schätzen, entstand aus vielen kleinen Mosaiksteinen, an deren Zusammensetzung er aus innerer Überzeugung mitgewirkt hat.

Für die IHK hat er jahrelang den Prüfungsausschuss für Organisatoren geleitet und so seine Verbundenheit mit der Wirtschaft dokumentiert, die sich auch in zahlreichen Veröffentlichungen niedergeschlagen hat. Viele frühere Absolventen sind inzwischen Gesprächspartner in den Unternehmungen, in denen er Praxissemester betreut.

Als „Mann der Tat“ charakterisierte ihn Dekan Prof. Dr. Horst-Dieter Geuting auf der Abschiedsfeier. „Er hat an unserem Fachbereich mehr bewegt als jeder andere. Wann immer Arbeit zu verteilen war, hat er `hier` gerufen. Er war von dem unbändigen Willen getrieben zu gestalten und hat dabei seine Spuren am Fachbereich hinterlassen – und wahrlich keine Bremsspuren! Es machte ihm Spaß, überall dort mitzumischen, wo Eckpfeiler gesetzt und Strukturen geschaffen wurden: zum Beispiel in der Fachbereichskultur, Raumplanung, Qualitätsentwicklung, Außendarstellung und Studienorganisation.“

FH-Vizepräsident Prof. Dr. Harald Danne nannte „Bildung, Fachkompetenz und Neugierde“ als charakteristische Eigenschaften des langjährigen Kollegen am Fachbereich Wirtschaft. Hohenbild zeichne die Fähigkeit zu strategischem Denken aus. Gleichzeitig sei er ein „Menschenfreund“, der einen sensiblen und mitfühlenden Kern besitze.

Hohenbild selbst gab zu erkennen, dass er seine allseitige Beliebtheit auch einem recht pragmatischen Prinzip verdankt: „Man kann nicht alle lieben, aber man kann doch anständig mit allen umgehen.“