Im Internet las Ekaterina Seredina, dass es in Deutschland eine Hochschule gibt, die den Studiengang KrankenhausTechnikManagement (KTM) anbietet. Die 24-jährige Russin nahm Kontakt mit dem Fachbereich Krankenhaus- und Medizintechnik, Umwelt- und Biotechnologie der FH Gießen-Friedberg auf. Was sie dort erfuhr, bewegte sie zum Wechsel von der Moskwa an die Lahn. Zu Beginn des laufenden Wintersemesters kam sie von der Technischen Universität Moskau an die mittelhessische Hochschule.

Daran, dass dieser Studienwunsch in Erfüllung gehen konnte, hat Prof. Dipl.-Ing. Lüder Clausdorff großen Anteil. Er leitet den Studiengang KTM und teilte den russischen Behörden offiziell mit, dass Ekaterina Seredina als Studentin in Gießen willkommen sei. Außerdem kümmerte er sich darum, dass sie bestimmte formelle Voraussetzungen erfüllte, z.B. die obligatorische Sprachprüfung beim Studienkolleg Mittelhessen ablegte und sich korrekt bei der hiesigen Ausländerbehörde anmeldete.

Ihr abgeschlossenes biomedizintechnisches Studium in Moskau wird in Gießen angerechnet, so dass sie an der Fachhochschule ins vierte Semester eingestuft wird. Bis zum Diplom liegen also noch rund zwei Jahre vor ihr, eine Prognose, die sie selbstkritisch hinterfragt: „Ich bin ja ganz neu hier und weiß nicht, ob meine Kenntnisse reichen.“ Doch Prof. Clausdorff ist zuversichtlich. Bei ihrer Initiative und ihrem Lernwillen könne er sich gut vorstellen, dass sie das Diplom als Ingenieurin in der Regelstudienzeit schaffe. Der Arbeitsmarkt für qualifizierte Nachwuchskräfte entwickle sich übrigens auch in Russland sehr günstig, es gebe dort in der Krankenhaustechnik viele internationale Kooperationen und Unternehmensgründungen.

Um der Studentin die Integration weiter zu erleichtern, denkt der Studiengangsleiter daran, Ekaterina Seredina als Tutorin zu beschäftigen. Dann hätte sie die Aufgabe, jüngeren Studierenden beratend zur Seite zu stehen, ein Job, von dem sie nicht nur sprachlich und fachlich profitieren könnte. Er würde auch ihr Budget entlasten. Denn die mutige Studentin hat sich ohne Förderung durch ein Stipendium oder Mobilitätsprogramm auf den Weg nach Gießen gemacht.