Prof. Dr. Kuldeep Virdi Es begann mit einem Mittagessen in Paris. Bauingenieur Dr. Wolfgang Moosecker, Professor an der FH Gießen-Friedberg, besuchte eine Fachtagung und saß zufällig am selben Tisch wie Prof. Dr. Kuldeep Virdi von der Londoner City University. Beim unverbindlichen Smalltalk blieb es nicht lange. Schnell diskutierten die beiden Kollegen die Möglichkeit einer Kooperation des Fachbereichs Bauwesen und der School of Engineering der englischen Hochschule. Das EU-Mobilitätsprogramm „Erasmus" bot dazu die Möglichkeit.

Virdi lehrte zunächst im Sommersemester 1993 als Gastdozent in Gießen. Zum Kernstück der Zusammenarbeit entwickelte sich das „International Seminar on Eurocodes", an dem auch die Aarhus Polytechnic University in Dänemark und die Tampere Polytechnic University beteiligt sind. Themen des Kompaktseminars sind jeweils unterschiedliche Aspekte der EU-weiten Vereinheitlichung der Normen im Bauwesen, die nach langjähriger Vorbereitung 2010 verbindlich werden sollen. Die Lehrveranstaltung wird einmal jährlich an jeder der kooperierenden Hochschulen abgehalten.  Beteiligt sind jeweils Fachleute aus den vier Hochschulen.

Bei der zwölften Gießener Auflage war Kuldeep Virdi mit einer Vorlesung über Brandschutz im Stahlbau zum letzten Mal vertreten. Der 64-jährige Experte für Stahl-, Stahlbeton- und Verbundbau wird demnächst pensioniert. Nicht nur die Studenten lernten eine Menge in den Eurocode-Seminaren, resümiert der gebürtige Inder, auch die Dozenten hätten dabei viel über benachbarte Disziplinen erfahren. Genauso wichtig wie die fachliche Qualifikation sei für die Studenten die Atmosphäre der internationalen Veranstaltung. Das Seminar helfe ihnen, international zu denken und mache die Globalisierung bewusst. In London hat Virdi auch Austauschstudenten aus Gießen betreut, die ein Semester an der City University studierten. Mit ihnen habe er durchweg gute Erfahrungen gemacht. Besonders aufgefallen sei ihm, dass die deutschen Studenten viel bessere mathematische Grundlagen mitbrächten als ihre englischen Kommilitonen.

Mit dem Erreichen der Altersgrenze beendet Kuldeep Virdi in Kürze seine Arbeit an der Londoner Universität. Er hat aber nicht das Gefühl, einen Gang zurückschalten zu müssen. Deshalb wird er das Angebot einer dänischen Universität annehmen, dort zu lehren und zu forschen. So könne er bis zum 70. Lebensjahr seinem Beruf nachgehen. Und vielleicht ergebe sich ja eine neue Möglichkeit der Zusammenarbeit mit den Gießener Kollegen.