Besuch aus Brasilien am BliZ: Mariana Ribeiro Brandão (v. li.), Michael Engel, Andreas Deitmer und Prof. Dr. Monika Maria Möhring. Wie gelingt digitale Barrierefreiheit im Alltag? Zu diesem Thema forscht das Zentrum für blinde und sehbehinderte Studierende (BliZ) der Technischen Hochschule Mittelhessen (THM) bereits seit vielen Jahren. Unter der Leitung von Prof. Dr. Monika Maria Möhring engagiert sich das Zentrum unter anderem in der Expertengruppe der WHO. Die internationale Sichtbarkeit bewegte eine brasilianische Wissenschaftlerin zu einem Forschungsaufenthalt an der THM.

Mariana Ribeiro Brandão von der Universidad Federal de Santa Catarina ist biomedizinische Ingenieurin und knüpfte auf einer vom BliZ organisierten Konferenz in Venedig erste Kontakte zur THM. Durch ein Stipendium der brasilianischen Regierung realisierte sie ihren dreimonatigen Aufenthalt in Gießen.

Im Mittelpunkt ihrer Forschung und Promotion steht die Barrierefreiheit medizinischer Messgeräte für blinde und sehbehinderte Menschen mit Diabetes. In Zusammenarbeit mit verschiedenen Herstellern entwickelte sie Testumgebungen, in denen betroffene Personen die Geräte praktisch erproben konnten. Die daraus gewonnenen Erkenntnisse flossen nun in eine gemeinsame wissenschaftliche Veröffentlichung mit Andreas Deitmer, stellvertretender Leiter des BliZ, ein. Deitmer forscht im Rahmen seiner Promotion, in Kooperation mit der Universität Lissabon, zur digitalen Barrierefreiheit von Beipackzetteln in der Pharmaindustrie.

Neben ihrer Forschungstätigkeit widmete sich die Brasilianerin einem weiteren praxisnahen Projekt: der Übersetzung des Leitfadens „MS Office für Blinde“ ins Portugiesische. Das Werk, verfasst von BliZ-Mitarbeiter Michael Engel und bereits auf Deutsch und Englisch veröffentlicht, bietet detaillierte Anleitungen für die Nutzung von Word, Excel und PowerPoint ohne Maus, ausschließlich über Tastenkombinationen. Eine einfache KI-Übersetzung sei nicht ausreichend, da sich Tastaturbelegungen und Befehle je nach Sprache unterscheiden, wie Möhring erläuterte. Dank Brandãos Kontakten zum brasilianischen Sozialministerium soll die portugiesische Version künftig gezielt verbreitet werden.

Auch ein Wiedersehen ist bereits geplant: Prof. Möhring wurde von Ribeiro Brandãos Heimatuniversität zur externen Prüferin ihrer Doktorarbeit berufen und wird die Wissenschaftlerin bei der Verteidigung erneut begleiten.