Der humanoide Roboter Pepper selbst gibt einen kurzen historischen Abriss der Entwicklung seiner Gleichen. (Foto: THM/Sonja Schwaeppe)Die Virtualisierung und Vernetzung der Welt, das Teilen von Daten sowie die plattformbasierte Organisation von Wertschöpfungsketten bestimmen zunehmend Arbeits- und Alltagswelt. Beim jüngsten Praxisforum, veranstaltet an der THM vom Förderkreis Studium und Wirtschaft unter dem Titel „Die Digitalisierung schreitet voran“, erhielten Interessierte aus Hochschule und Wirtschaft erstmals seit vielen Monaten wieder einen nicht durch Bildschirme, sondern in persönlichen Vorträgen und „Pausen zum Mitmachen“ vermittelten Blick in die Thematik.

Nach der Begrüßung durch Prof. Dr. Stephanie Hanrath von der THM Business School ließ Prof. Dr. Sven Keller den humanoiden Roboter Pepper zu Wort kommen, der selbst einen kurzen historischen Abriss über die Entwicklung seiner Gleichen gab. Keller stellte die rasante Entwicklung der Robotik in den vergangenen zehn Jahren dar: „In vielen Bereichen der Sensorik, Energieversorgung, Aktuatorik und Informationsverarbeitung sind in den vergangenen Jahren Quantensprünge passiert. Hätten humanoide Roboter um das Jahr 2010 beim visuellen Erkennen und im Hörverständnis maximal 70 Prozent des menschlichen Vermögens erreicht, gingen diese Fähigkeiten nun deutlich darüber hinaus.

Die Entwicklung gänzlich autonomer humanoider Roboter werde kommen – Tesla-Chef Elon Musk etwa lasse dies derzeit im Zuge der Entwicklung autonomer Fahrzeuge erforschen. Keller mit Blick auf zwei Science-Fiction-Klassiker zugespitzt: „In 30 Jahren werden wir uns vielleicht die Frage stellen müssen – wollen wir den Terminator oder Commander Data haben?“ Daraufhin stellte Jürgen Köhlinger den Einsatzbereich der Roboter Nao und Pepper am Fachbereich Wirtschaft vor. Bereits am Info-Center der THM wurde Pepper eingesetzt, um Fragen zur Hochschule, zu Zuständigkeiten und Standorten zu beantworten. Nächstes Frühjahr soll Pepper sogar als Darsteller am Gießener Stadttheater zu sehen sein.

Marc Haarmeier, Geschäftsführer der Amplexor Digital GmbH, machte in seinem Vortrag „Künstliche Intelligenz für den Mittelstand“ deutlich, wie dringend der Mittelstand sich des Themas KI annehmen müsse, „um bei der unaufhaltsamen Entwicklung nicht den Anschluss zu verlieren“. Ähnlich äußerte sich Prof. Dr. Gerrit Sames, Dekan des Fachbereichs Wirtschaft, in seinem Beitrag über die Auswirkung der Digitalisierung auf die Arbeitswelt und die Beschäftigten. „Aus Routine muss Gestaltung werden“, sagte Sames. Gerade der mit Routinearbeiten betraute personelle Mittelbau von Unternehmen müsse für die Herausforderungen der Digitalisierung fit gemacht werden. Zahlreiche Berufsgruppen – etwa Steuerberater, Controller und Wirtschaftsprüfer – befänden sich zudem in Substitutionsgefahr, dass also künftig Computer ihre Arbeit erledigen. „Gestaltende Arbeiten werden zunehmen und es werden auch wieder mehr Jobs für Geringqualifizierte entstehen“, prognostizierte Sames hingegen und fügte an: „65 Prozent der Jobs der ,Generation Z‘ kennen wir noch gar nicht. Es werden völlig neue Berufsbilder entstehen.“ Der Wandel komme und man müsse ihn jetzt gestalten. Wichtig sei es, Mitarbeiter auf diesem Wege zu begleiten und dauerhaft weiter zu qualifizieren.

Gastgeberin Hanrath zeigte sich erfreut über das positive Feedback auf dieses im Rahmen der Corona-Beschränkungen gut besuchte erste Praxisforum in Präsenz seit beinahe zwei Jahren. Die Gäste hatten während der aktiven Kaffeepausen die Möglichkeit, auf einem Rundgang praktische Einsatzmöglichkeiten digitaler Technik kennenzulernen – von der Smart-Factory eines bekannten Technikspielzeug-Herstellers über den Einsatz von 3D-Druckern bis hin zur persönlichen Interaktion mit den Robotern Pepper und Nao.