In Eltern-Kind-Zimmern können Beschäftigte und Studierende der THM bei einer ausgefallenen Betreuung ihre Kinder während der Arbeit oder des Lernens beaufsichtigen. Foto: THMFamilien mit Kindern sind in der Corona-Pandemie besonders gefordert: Homeschooling und Schicht-Unterricht, Gruppen-Quarantäne oder Kita-Schließungen belasten arbeitende Eltern gleich mehrfach. Diese Herausforderung der Eltern wird unmittelbar zu einer Aufgabe für die Arbeitgeber. Und so gab es Lob für die Technische Hochschule Mittelhessen beim Audit „familiengerechte Hochschule“: Vorbildlich sei die Organisation neuer Arbeitsabläufe, die pandemiebedingt sehr schnell umgesetzt werden mussten. Doch nicht nur das fiel positiv auf. Die Auditorin vom Büro „berufundfamilie“ stellt fest: Die THM habe eine „tief verwurzelte Kultur, Beruf, Studium und Familie ermöglichen zu wollen.“

Seit anderthalb Jahrzehnten darf sich die THM „familienfreundliche Hochschule“ nennen. Das wird alle drei Jahre überprüft, die Anstrengungen zu mehr Chancengleichheit stetig begleitet. Eine erneute Zertifizierung im Rahmen eines sogenannten Dialogverfahrens stand im Herbst ohnehin an, unabhängig von der Pandemie. Und so beanspruchen die Bemühungen der THM, ihren Beschäftigten und auch den Studierenden Arbeit, Lehre und Studium digital zu ermöglichen, nur einen kleinen Teil des Abschlussberichtes. Die im Spätsommer geschlossene Dienstvereinbarung zum mobilen Arbeiten wird lobend hervorgehoben. Das Fazit: „Das Thema ,mobiles Arbeiten‘ hat einen enormen Schub bekommen“ und werde vom IT-Service und auch von den Führungskräften gut unterstützt.

Die Führungsgrundsätze der THM, die die konsequente Umsetzung des Gleichstellungs- und Gleichbehandlungsgrundsatzes festschreiben, sowie die als „besonders bemerkenswert“ bezeichneten internen Führungskräfte-Schulungen hebt das Gutachten hervor. „Ich freue mich, dass das auch extern wahrgenommen wird“, kommentiert Präsident Prof. Dr. Matthias Willems, dem die Sensibilisierung der Führungskräfte und die Unterstützung der Führungsarbeit ein besonderes Anliegen sind. Dies werde, so die Prüfer in ihrem Bericht, „konsequent in Angriff genommen“ und in die Fachbereiche getragen.

„Die Unterstützung der Studierenden mit Familienpflichten ist auf hohem Niveau“, merkt die Auditorin in ihren Bemerkungen weiter an. Die befragten Studierenden und Beschäftigten zeigten sich „sehr zufrieden mit den Angeboten der THM und der individuellen Unterstützung“, hätten allerdings auch eigene Ideen zur Weiterentwicklung. Diese würden in das aus dem Audit hervorgehende Handlungsprogramm für die Jahre 2020 bis 2023 aufgenommen, dem sich das Gleichstellungsbüro unter der Leitung von Anette Schönberger annimmt. Schönberger und ihre Mitarbeiterinnen Julia Schäfer und Sabrina Jordan als Koordinatorin für die „familiengerechte Hochschule“ hatten vor dem Dialogverfahren eine Handlungsempfehlung von 2018 evaluiert und weiterentwickelt sowie eine Gesamteinschätzung für die THM festgelegt. Wichtig war der Blick auf bestehende und geplante Maßnahmen.

Explizit erwähnt die Bewertung etwa die Möglichkeit der Kinderbetreuung in Gießen und Friedberg, Ferienbetreuung, die Mutter-Kind-Zimmer an allen drei Standorten, die vielseitigen Beratungsangebote zur Vereinbarkeit von Familie und Beruf oder den Zuschuss für Studierende für einen Babysitter bei Abendveranstaltungen. Auch die Förderung des wissenschaftlichen Nachwuchses kommentiert die Auditorin positiv: Betreuungspersonen von Promovierenden sind gemäß dem seit einem Jahr geltenden Personalentwicklungskonzept angehalten, deren individuellen Arbeits- und Lebensumstände im Sinne von Chancengleichheit und Vereinbarkeit von Familie und Wissenschaft zu berücksichtigen. „So sollen auch Schwangere die Möglichkeit erhalten, Forschungsarbeiten im Labor fortzusetzen oder ihr Promotionsvorhaben nach einer familienbedingten Unterbrechung zu beenden“, erklärt Schönberger exemplarisch eines der Ziele.

Wichtig ist aber nicht nur, dass derartige Angebote existieren, sondern auch, dass sie bekannt und Informationen dazu bei Bedarf schnell zu finden sind. Dass dem so ist, bescheinigt das Audit. Die Ansprechpartnerinnen seien zudem „sehr gut positioniert und werden gerne in Anspruch genommen“. Das Zertifikat attestiert der Hochschule: „Die Zufriedenheit mit der Beratung ist sehr hoch.“ Und so freut sich das Team „familiengerechte Hochschule“ über das Gesamtfazit des Audits, das lautet: „Insgesamt ist es eine Freude, zu sehen, wie die THM den hohen Standard hält und sich weiterentwickelt!“