Das Unsichtbare verständlich machen: Das ist das Ziel des Hessischen Radonzentrums (HeRaZ), das an der Technischen Hochschule Mittelhessen (THM) ansässig ist. Das radioaktive Edelgas Radon kommt weltweit im Erdboden vor und kann sich in Gebäuden ansammeln. Es gilt als größtes umweltbedingtes Risiko für Lungenkrebs. Das HeRaZ berät, klärt auf und forscht. Nun wurde die Arbeit des Zentrums um weitere fünf Jahre verlängert.
Das HeRaZ ist eine Kooperation mit dem Hessischen Ministerium für Landwirtschaft und Umwelt, Weinbau, Forsten, Jagd und Heimat und arbeitet eng mit dem Hessischen Landesamt für Naturschutz, Umwelt und Geologie zusammen. Bei der Feier zur fünfjährigen Verlängerung an der THM haben zugleich elf neu ausgebildete Radonfachpersonen ihre Zertifikate erhalten.
Für das THM-Präsidium begrüßte Präsident Prof. Dr. Matthias Willems: „Ich möchte mich herzlich bei den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern des Radonzentrums sowie den Professorinnen und Professoren des Beirats bedanken.“ Auch dem Ministerium sprach er seinen Dank aus und bezeichnete die Zusammenarbeit als „Musterbeispiel einer gelungenen Kooperation“.
Für das Ministerium brachte Kristine Exner, Abteilungsleiterin Kreislaufwirtschaft, Immissions- und Strahlenschutz, ihre Freude über die weitere Zusammenarbeit zum Ausdruck. Sie gratulierte den Radonfachpersonen: Der Radonschutz sei „ein Spezialgebiet, dessen Wichtigkeit nicht zu unterschätzen ist. Sie leisten einen Beitrag für den Bevölkerungsschutz und die Umwelt – die Sinnhaftigkeit Ihrer Arbeit liegt auf der Hand“.
Das HeRaZ sei „Dreh- und Angelpunkt der hessischen Radonstrategie“, führte der Geschäftsführende Leiter Steffen Kerker aus. Das Team informiert die Bevölkerung umfassend über Radon und berät bei allen Fragen rund um das radioaktive Gas. „Radon ist ein Thema, das Zuhause angegangen werden muss“, erläuterte er.
Neben Privatpersonen berät das Team auch Unternehmen und Vereine, wie beispielsweise Wasserwerke und Besucherbergwerke, sowie Behörden. Zu den Forschungsaufgaben zählt die hessenweite Messung der Radonkonzentration in der Bodenluft (Bodenluftmesskampagne) und der Radonkonzentration in Innenräumen in Privathaushalten (Innenraummesskampagne). „Hier erheben wir nicht nur Radonmesswerte, sondern führen auch Befragungen zum Radonwissen in der Bevölkerung durch.“ Mit diesen Aktivitäten leistet das HeRaZ auch einen wichtigen Beitrag zum Wissenstransfer, der für Hochschulen für Angewandte Wissenschaften von großer Bedeutung sei, betonte Kerker.
Darüber hinaus wurde an der THM in den vergangenen Jahren die erste Ausbildung für Radonfachpersonen in Hessen aufgebaut. Als einzige ist diese in das Studium integriert: In einem Wahlpflichtmodul lernen Studierende physikalische, medizinische und messtechnische Grundlagen rund um das Thema Radon. Zudem sollen künftig durch die Zusammenarbeit mit anderen Ausbildenden Synergieeffekte genutzt werden.
Mit insgesamt elf Absolventinnen und Absolventen gehen in diesem Jahr weitere Expertinnen und Experten in die Praxis, etwa in Ingenieur- und Architekturbüros oder Behörden, wo sie zukünftig als kompetente Ansprechpersonen zur Verfügung stehen, um die Risiken des radioaktiven Gases weiter zu minimieren.