Wirtschaftsförderer David Neben (v.l.) und Bürgermeister Kjetil Dahlhaus wollen mit Vizepräsident Prof. Dirk Metzger und Prof. Holger Rohn die THM und die Stadt Friedberg in Symbiose weiterdenken. (Foto: THM)Aus einer Stadt mit Hochschule eine Hochschulstadt machen – das ist das gemeinsame Ziel der Technischen Hochschule Mittelhessen (THM) und der Friedberger Stadtverwaltung. Strategische Planungen werden schon jetzt um erste konkrete Schritte ergänzt, etwa einen Raumtausch, Ersti-Rallyes durch die Innenstadt oder die Nutzung des Kaiser-Forums durch die THM.

Aus Städten wie Marburg oder Gießen sind die Universitäten nach Jahrhunderten des Miteinanders kaum wegzudenken. Sie prägen die Stadtgesellschaft, sind regelmäßig Thema der Kommunalpolitik, wirken auf die Kulturszene und sorgen für neue Bürgerinnen und Bürger von Nah und Fern. Es sind Hochschulstädte im besten Sinne. Und als solche Vorbilder für Friedberg. „Wir möchten die gegenseitigen und die gemeinsamen Potenziale nutzen und das Nebeneinanderher beenden“, nennt Bürgermeister Kjetil Dahlhaus eine gemeinsame Perspektive, die er mit Vizepräsident Prof. Dirk Metzger und Prof. Holger Rohn initiiert hat und weiterentwickeln will.

Einen ersten Aufschlag haben Stadt und Hochschule mit der Erstsemesterbegrüßung zum Sommersemester gemacht: Eine Stadtrallye hat den „Neuen“ ihren Studienort und dessen Kneipen nähergebracht, Dahlhaus wandte sich gemeinsam mit THM-Vizepräsidentin Prof. Dr. Katja Specht an die Studierenden. Was andernorts eine Tradition ist, soll in Friedberg ebenfalls eine werden.

„Wir möchten durch eine gegenseitige Öffnung Menschen in Interaktion bringen“, sagt Prof. Holger Rohn, Nachhaltigkeitsbeauftragter der THM, Professor am Friedberger Fachbereich Wirtschaftsingenieurwesen und Bürger der Stadt. Er hat die Hochschule Teil der Earth-Hour im März werden lassen, hat dafür gesorgt, dass ein Stadtgespräch zum "Innovationsquartier Kaiserstraße" mit Unterstützung von Labor10 in der THM stattfindet und als Moderator die Ringvorlesung „Verantwortung Zukunft“ im April ins Kaiser-Forum gelegt. Die THM hat zum Weltwassertag einen Vortrag an der Augustinerschule angeboten und sich an der Aktion „Friedberg zum Anbeißen“ im Burggarten beteiligt. Auch in der Entwicklung Friedbergs als Marke ist die THM involviert.

„Wir treten in einen Raumtausch“, sagt Prof. Dirk Metzger, Vizepräsident für strategische Bauplanung und Nachhaltigkeit. Das sei im Sinne von Idee-, Arbeits-, Lebens- oder Erfahrungsräumen als inhaltlicher Austausch, aber auch ganz wörtlich zu verstehen: Städtische Gremien sollen fortan regelmäßig in Räumen der THM tagen. Etwa das Bildungsforum und der Jugendrat im Makerspace auf dem Campus. Auch umgekehrt will die Hochschule in kommunalen Räumen Präsenz zeigen, beispielsweise mit der „Games Couch Conference“ als hybride Veranstaltung zur Computerspiele-Entwicklung am 10. Juli aus dem Bibliothekszentrum Klosterbau.

In Form von Vorträgen, Workshops und Vorlesungen nimmt die Hochschule zudem am 18-Wochen-Projekt „Des Kaisers nachhaltige Kleider“ ab dem 22. Juni auf der Kaiserstraße teil. Im Laufe des Sommers soll ebenfalls im Herzen der Altstadt der „ZukunftsRaum Friedberg“ als Event-Location und Coworking-Space entstehen. „Das ist nur ein Auftakt. Wir wollen die Stadt als Argument für ein Studium und ein Studium als Argument für die Stadt etablieren“, blickt Kjetil Dahlhaus optimistisch in die Zukunft. Folgenden Dreiklang hat sich die gemeinsame Arbeitsgruppe aus Stadt- und Hochschulverwaltung daher als Ziel gesetzt: „Wir entwickeln Friedberg zukunftsfähig. Wir gestalten lebenswerte Räume. Wir vernetzen Potenziale.“