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Das Projekt „Mehrweg Modell Stadt“ in Wiesbaden und Mainz hat gezeigt, dass die Menschen Mehrweg-Geschirr als sinnvoll erachten, aber zu wenig nutzen. Foto: HMLUKaffee für unterwegs, das Abendessen aus dem Restaurant für daheim: Schnell landen Getränke und Lebensmittel in Einwegverpackungen – Pappbecher, Menüboxen aus Styropor oder Aluminium, in Beutel oder Tüten verpackt. „Seit der Einführung der Mehrwegangebotspflicht am 1. Januar 2023 hat sich in der Praxis im ersten Jahr überraschend wenig geändert“, stellt Prof. Holger Rohn, Nachhaltigkeitsbeauftragter der Technischen Hochschule Mittelhessen (THM), fest. Woran liegt die zögerliche Umsetzung? Was benötigen Unternehmen, um Mehrwegverpackungen stärker anzubieten und was braucht es, damit Verbraucherinnen und Verbraucher diese Angebote intensiver nutzen?

Vor diesem Hintergrund hat die Initiative Reusable To-Go (RTG) das Pilotprojekt „Mehrweg Modell Stadt" in Wiesbaden und Mainz gestartet, um ein verbraucherfreundliches Mehrwegsystem zu erproben. Ziel war es, eine neutrale, übergeordnete Struktur zu entwickeln, die eine effiziente Rückführung von Mehrwegverpackungen ermöglicht.

Die THM und der Umwelt-Campus Birkenfeld der Hochschule Trier begleiteten das Projekt wissenschaftlich. Prof. Rohn und Stefanie Hillesheim waren seitens der THM involviert. Die Hochschulen befragten Verbraucherinnen und Verbraucher in beiden Städten und starteten parallel eine Online-Befragung, einmal im Sommer vergangenen Jahres und einmal im Frühjahr 2024. Sie wollten zum einen herausfinden, ob die Menschen Mehrweggeschirr als sinnvoll erachten und ob sie es selbst nutzen.

Außerdem befragten sie online auch Gastronomie-Betriebe und sonstige Betriebe im Bereich Mehrweg, beispielsweise Logistik, Reinigung, Systemhersteller.

Gut 560 Bürgerinnen und Bürger beteiligten sich an den beiden Umfragen. Jeweils über 60 Prozent gaben zu beiden Befragungszeitpunkten an, bereits Mehrweggeschirr verwendet zu haben. 73 Prozent der Befragten stimmten voll und ganz zu, dass Mehrweg zur Müllreduzierung beiträgt. Durchschnittlich die Hälfte der Verbraucherinnen und Verbraucher beurteilte die Rückgabe der Becher und Schüsseln aber als umständlich.

Um dies zu vereinfachen, hatten die Städte Wiesbaden und Mainz Rückgabeautomaten an zentralen Plätzen aufgestellt, die allerdings kaum genutzt wurden. Die Erkenntnis aus dem wissenschaftlich begleiteten Projekt: Die meisten Menschen bringen ihr Mehrweggeschirr wieder dorthin zurück, wo sie es auch mitgenommen haben.

Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler der THM und des Umwelt-Campus Birkenfeld der Hochschule Trier begleiteten das Mehrweg-Projekt, unterstützt wurde es von den Städten Wiesbaden und Mainz sowie den Ländern Hessen und Rheinland-Pfalz. Sie stellten in einer Pressekonferenz die Ergebnisse vor. Foto. HMLU„Wir konnten eine deutliche Diskrepanz zwischen dem Wunsch nach Mehrwegverpackungen und der tatsächlichen Nutzung erkennen“, erklärt Prof. Rohn. Wie kann diese Lücke geschlossen werden? Ein Teil der Lösung könnte ein finanzieller Anreiz sein: „Wenn Mehrweg weniger als Einweg kosten würde, wären zwei von fünf Befragten eher bereit, Mehrweg zu nutzen“, sagt er. Die beteiligten Gastronomiebetriebe, von denen sich nur etwa vier Prozent zurückmeldeten, erachteten eine einheitliche Regelung zum Pfand und Rückgabemöglichkeiten im öffentlichen Raum als wichtig.

Die das Projekt begleitenden Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler empfehlen deshalb, die Verbraucherinnen und Verbraucher, aber auch die Gastronomie stärker für das Thema Mehrweg zu sensibilisieren. Mehrwegalternativen müssten massiv beworben werden und sollten ökonomisch günstiger sein als Einwegverpackungen.

Parallel dazu sollten kommunale Behörden stärker kontrollieren, denn seit Januar 2023 haben Verbraucherinnen und Verbraucher das Recht, Essen und Getränke in Mehrwegbehältern mitzunehmen. Kleinere Gastronomiebetriebe mit maximal fünf Mitarbeitenden und insgesamt 80 Quadratmeter Verkaufsfläche innen und außen müssen kein eigenes Mehrweg-Angebot vorhalten, aber auf Wunsch die Lebensmittel in mitgebrachte Behältnisse füllen.

Die Bundesländer Hessen und Rheinland-Pfalz unterstützten das Modellprojekt finanziell. Die THM und der Umwelt-Campus Birkenfeld empfehlen, dass die Länder weitere solcher Projekte realisieren und landesweite Kampagnen unterstützen.