In einem Raum der ehemaligen Esculap-Klinik steht eine Vorrichtung, an der eine Schweinelunge befestigt ist. Gespannt beobachtet eine Gruppe Schüler, wie sich das Organ sichtbar hebt und senkt – ein Einblick in die Welt der Medizintechnik. Was wie eine Szene aus dem Studium wirkt, ist ein dreitägiges Schulprojekt am Fachbereich Gesundheit der THM.
Rund 20 Schülerinnen und Schüler der Jahrgangsstufen sieben bis neun der Gesamtschule Mücke haben an drei Tagen Hochschulluft geschnuppert. Im Rahmen der Projekttage erhielten sie praxisnahe Einblicke in verschiedene Bereiche: von Notfallmedizin über 3D-Druck bis hin zur App-Entwicklung.
„Die Schule ist oft sehr theorielastig – hier geht es direkt in die Praxis“, berichtete Lena Franke, Schulsozialpädagogin der Gesamtschule Mücke und Mitorganisatorin des Projekts. „Auf diese Weise entdecken die Schülerinnen und Schüler neue Stärken und Interessen.“
Vorab haben wissenschaftliche Mitarbeitende des Fachbereichs die Projekttage entwickelt. „Es ist uns schon länger ein Anliegen, Schülerinnen und Schülern zu zeigen, was wir hier machen – und sie dafür zu begeistern“, betonte Prof. Dr. Volker Groß, Studiengangsleiter Digitale Medizin (M. Sc.).
An drei Stationen wurden die Jugendlichen selbst aktiv: In einem realitätsnahen Umfeld testeten sie so die Beatmungsmethode und warfen einen Blick ins Innere der Lunge. Bei der Station zum 3D-Druck druckten die Schülerinnen und Schüler selbstständig Einkaufschips. Besonders kreativ wurde die Gruppe an der Station zur App-Entwicklung. So entwarfen einige von ihnen eine Medikamentenerinnerungs-App.
„Wir wollen die Neugier der jungen Menschen wecken und ihnen zeigen, wie spannend und vielfältig Wissenschaft sein kann“, so Groß. Der Fachbereich Gesundheit arbeitet an der Schnittstelle zwischen Medizin, Technik und Informatik. „Die Informatik ist eine Hilfswissenschaft. Sie hilft der Medizin, neue Dinge herauszufinden“, erklärte Patrick Fischer, wissenschaftlicher Mitarbeiter und Doktorand. Genau das will er auch den Schülerinnen und Schülern vermitteln: „Man muss nicht unbedingt Arzt sein, um Menschen zu helfen.“
Mit Projekten wie diesen will das Team zeigen, wie vielseitig das Gebiet der Digitalen Medizin ist. „Wir arbeiten sehr anwendungs- und ergebnisorientiert.“
Die Projekttage sollen keine einmalige Aktion bleiben; eine AG zum Programmieren ist bereits in Planung. Ziel ist es, eine Brücke zwischen Schulen und Hochschule zu schlagen und jungen Menschen frühzeitig Einblicke zu ermöglichen. „In vielen Jugendlichen schlummern großartige Ideen“, betonte Groß: „Man muss sie nur ermutigen, sie auch umzusetzen.“