Die THM will ihre Strukturen straffen.Der Hessische Hochschulpakt 2026-2031 wird die Rahmenbedingungen für die Landeshochschulen spürbar verändern. Auch die Technische Hochschule Mittelhessen (THM) steht vor der Aufgabe, ihre Organisation kritisch zu prüfen und finanziell zu konsolidieren. Das Präsidium hat darauf reagiert und den Gremien einen Vorschlag vorgelegt, der das Studienangebot sichern und zugleich die Leistungsfähigkeit der Fachbereiche stärken soll.

„Keiner unserer Vorschläge wurde leichtfertig getroffen“, betont THM-Präsident Prof. Dr. Matthias Willems. „Uns ist wichtig, klarzustellen: Die geplanten Änderungen sind keine Bewertung der fachlichen Arbeit einzelner Fachbereiche.“ Stattdessen gehe es darum, die Hochschule so aufzustellen, dass sie den Sparvorgaben standhalten kann, ohne substanzielle Einschnitte in der Breite des Angebots vorzunehmen.

Bereits in diesem Jahr wurden Ausgaben für Sachmittel und Dienstreisen auf das Notwendige begrenzt, während die Personalpolitik restriktiv geführt wurde. Parallel dazu hat das Präsidium in zahlreichen Gesprächen mit zentralen Abteilungen und Fachbereichen eine erste Einordnung der nötigen Schritte erarbeitet. Willems sagt: „Ich weiß, dass nicht alle Vorschläge auf ungeteilte Gegenliebe stoßen werden.“ Dennoch nehme er „viel Verständnis und eine bemerkenswerte Bereitschaft wahr, diesen schwierigen Konsolidierungskurs konstruktiv zu begleiten“.

Kern des nun vorgelegten Modells, dem entscheidende Gremien wie etwa der Hochschulrat noch zustimmen müssen, sind strukturelle Anpassungen an Fachbereichen und im Studiengangsangebot, voraussichtlich zum Wintersemester 2026/27. In Friedberg schlägt das Präsidium die Fusion der Fachbereiche „Informationstechnik-Elektrotechnik-Mechatronik“ und „Maschinenbau, Mechatronik, Materialtechnologie“ zum Fachbereich „Engineering“ vor, zudem die Zusammenführung von „Wirtschaftsingenieurwesen“ und der dortigen Studiengänge des in Friedberg wie Gießen vertretenen Fachbereichs „Management und Kommunikation“ (MuK). Zudem werden eine verstärkte Internationalisierung und die Umstellung geeigneter Programme auf Englisch vorgeschlagen.

In Gießen ist der Zusammenschluss des Fachbereiches „Elektro- und Informationstechnik“ mit den Angeboten des Fachbereichs MuK geplant. Das bei MuK angesiedelte Sprachenzentrum wird verselbstständigt. Bei einschreibeschwachen Masterangeboten soll überprüft werden, ob sich eine thematische Eingliederung, etwa als Schwerpunkte, in Masterangebote anderer Fachbereiche realisieren lässt.

Wo es zwischen Fachbereichen inhaltliche Überschneidungen gibt, sollen künftig vermehrt Synergien genutzt werden – etwa durch Einführung gemeinsamer Vorlesung, vor allem in Grundlagen. Zudem soll die gemietete Fläche reduziert werden. Hochschulweit wird eine Reduktion von Kleinstgruppen angestrebt, die sich vor allem in Masterprogrammen finden. Schwache Bachelorstudiengänge sollen auf einjährige Einschreibungen umgestellt werden. Mittelfristig sollen sich in jedes Angebot pro Jahr mindestens 20 Interessierte einschreiben. Gelingt dies nicht, wird temporäres Pausieren und eine Neupositionierung vorgeschlagen. Insgesamt stünden so rund zehn Studiengänge unter Beobachtung und hätten Gelegenheit zur Neuausrichtung. „Wir gehen davon aus, dass davon etwa die Hälfte mittelfristig nicht mehr tragfähig sind“, sagt Willems und kommentiert: „Leider dürften darunter auch Studiengänge fallen, deren Absolventinnen und Absolventen am Markt gefragt sind.“

Wichtig ist dem Präsidium, dass sich niemand Sorgen um seine Abschlüsse machen muss: Studierende sollen ihr Studium wie geplant abschließen können. „Alle, die sich bereits eingeschrieben haben oder sich einschreiben werden, können in Regelstudienzeit plus Karenzzeit ihren Abschluss erreichen“, stellt Willems klar.

Die nächsten Monate dienen der vertiefenden Abstimmung in den Fachbereichen. Ziel bleibt, das Studienangebot weitgehend zu erhalten und unbefristete Beschäftigungsverhältnisse in neue Strukturen zu überführen, wo sie von den Anpassungen betroffen sind. Trotz aller Herausforderungen sieht das Präsidium eine Chance: Wenn die vorgeschlagenen Maßnahmen getragen und klug umgesetzt werden, könne die THM langfristig stabiler und belastbarer aus diesem Prozess hervorgehen.