Mit dem Elektro-Lastenrad der THM zieht Prof. Dr. Andreas Kuczera von der Justus-Liebig-Universität an seinen neuen Arbeitsplatz. Foto: THM„Das Rad habe ich in der Werkstatt entdeckt“, sagt Prof. Dr. Andreas Kuczera und lacht. Jetzt steht das beinahe nagelneue Lasten-Elektrorad vor dem Wissenschaftler in der Wiesenstraße und wartet auf den ersten wirklichen Härtetest. Denn im Herbst angeschafft und auch für Studierende oder Beschäftigte nutzbar, hat das moderne E-Bike des Hochschulsports im verregneten Pandemie-Winter noch nicht allzu viele Touren absolviert. In die Werkstatt musste es, weil der Hersteller einer Komponente einen Rückruf gestartet hatte. Ein Glücksfall für den radbegeisterten Kuczera, der bislang täglich von seinem Heimatdorf an die Justus-Liebig-Universität radelt und das auch an seinem künftigen Arbeitsort, der Technischen Hochschule Mittelhessen tun will. Er wird der wohl erste Gießener Wissenschaftler sein, der mithilfe der eigenen Beine und eines kleinen Elektormotors von der einen an die andere Hochschule zieht.

Kuczera ist zum Sommersemester 2021 auf eine Akademieprofessur für anwendungsbezogene digitale Methodik in den Geistes- und Sozialwissenschaften an der THM berufen worden. Damit wird auf dem Gebiet der digitalen Geistes- und Sozialwissenschaften eine Kooperation zwischen der mittelhessischen Hochschule und der Akademie der Wissenschaften und der Literatur in Mainz begründet. Während seiner rund zehn Jahre an der JLU hat der Vater von Zwillingen, die er ebenfalls wann immer möglich mit dem Rad befördert, viel Literatur angesammelt, die er jetzt eigenhändig umzieht. „Ich denke, fünf bis zehn Touren mit dem Rad werden das sicher“, sagt er. Und ist überzeugt: Mit dem Auto wäre er nicht schneller. „Autofahren in Gießen macht nicht wirklich Spaß“, kommentiert er. Wirklich fahrradfreundlich sei die Stadt zwar auch nicht – aber die Flexibilität auf zwei Rädern schätze er sehr.

Und so ist der Umzug des Professors laut Ulrich Kerksieck vom Hochschulsport „die erste offizielle Ausleihe des Rades“. Noch hantiert Kerksieck dafür mit Zettel und Stift, doch in Arbeit ist ein digitales Portal zur Ausleihe. Denn das Elektro-Lastenrad soll der gesamten Hochschulöffentlichkeit zur Verfügung stehen, spätestens wenn mit Abflauen der Pandemie wieder so etwas wie Normalität einkehrt an der THM. „Wir denken da zum Beispiel auch an Wochenend-Radtouren“, sagt er. Zwei Kindersitze sind deshalb in der großen Lasten-Wanne verbaut. Den Beweis, dass sich das Rad auch für Umzüge von einer Studenten-WG in die nächste eignet, erbringt für die Hochschule Prof. Kuczera – noch im Schneegraupel. Man muss es nur wollen.