Prof. Dr. Kristina Sinemus, Hessische Ministerin für Digitale Strategie und Entwicklung, spricht zum Auftakt der THM-Ringvorlesung „Verantwortung Zukunft“ über das hessische KI-Zentrum „hessian.AI“. Foto: HMinDKaum bemerkt hat sie sich in unser Leben geschlichen und macht es in vielen Bereichen bequemer: Sie entscheidet, wann Ampeln auf grün springen, sie sucht den nächsten Song in der Playlist aus, sie empfiehlt Filme oder passende T-Shirts, sie macht Handyfotos zu kleinen Kunstwerken oder berechnet Versicherungsprämien. In all dem ist sie mal mehr, mal weniger stark ausgeprägt: Künstliche Intelligenz. Dass sie auch anders eingesetzt werden kann, zeigt beispielhaft das soziale Punkte-System, mit dem China seine Bürger überwacht.

Ein verantwortlicher Umgang mit einer Schlüsseltechnologie der nächsten Jahrzehnte ist also gefragt. So nähert sich auch die Ringvorlesung „Verantwortung Zukunft“ ab dem 5. Mai dem Thema, die die THM in Zusammenarbeit mit dem Bildungsforum im Stadtmarketing und Verkehrsverein Friedberg ausrichtet. Zum Auftakt geht es zusammen mit Prof. Dr. Kristina Sinemus, Hessische Ministerin für Digitale Strategie und Entwicklung, um den „Megatrend Künstliche Intelligenz“ und die hessische Perspektive. „KI ist einer der wichtigsten Treiber für Innovation und beeinflusst zunehmend Wissenschaft, Wirtschaft und Gesellschaft“, sagt Sinemus. Künstliche Intelligenz müsse aber in erster Linie dem Menschen dienen – unter dieser Maxime verfolge das Land seine Strategie zum Ausbau der KI unter dem Dach von „hessian.AI“. Dieses neue KI-Zentrum, in dem 13 hessische Hochschulen Forschung, Anwendungsorientierung und Transfer bündeln, ist Schwerpunkt des Vortrages von Dr. Annette Miller. Die THM ist durch Prof. Dr. Michael Guckert vertreten. Er selbst zeigt in der Auftaktveranstaltung zusammen mit Präsident Prof. Dr. Matthias Willems den Fokus und die Interessengebiete der THM auf.

„Man kommt um KI nicht mehr herum und muss davor auch keine Angst haben“, sagt Guckert. Es komme, wie bei jeder Technologie, auf die Art ihrer Nutzung an. Zudem seien sogar selbstlernende Maschinen und Programme bis heute und noch auf lange Sicht nur in ihren Spezialgebieten den Menschen überlegen. „Ein Schachcomputer, der den Weltmeister besiegt, wird gegen Kinder im Mau-Mau verlieren“, sagt Guckert. Den praktischen Nutzen der Technologie zeigt beispielhaft am 26. Mai die Veranstaltung „KI in der Diagnostik des Kardiologen“, wenn Guckert und Vizepräsidentin Prof. Dr. Katja Specht den Mediziner Prof. Dr. med. Till Keller von der Justus-Liebig-Universität begrüßen. Die Mustererkennung als Paradedisziplin der KI, wird Keller erklären und zeigen, hilft nicht nur bei der Analyse von EKG-Daten.

Symbolbild: Die Chancen des gewissenhaften Umgangs mit KI sind Thema der nächsten Ringvorlesung „Verantwortung Zukunft“ der THM. Grafik: peshkove/Adobe StockZuvor, am 19. Mai, zeigt Dr. Thomas Farrenkopf vom Fachbereich Mathematik, Naturwissenschaften, Datenverarbeitung zusammen mit Hilmar Gensert, Geschäftsführer von Kamax Tools & Equipment aus Homberg (Ohm), welche Rolle künstliche Intelligenz in der industriellen Fertigung hat. Das Unternehmen hat ein neues, modulares Fertigungskonzept für den Werkzeugbau entwickelt, das die Durchlaufzeiten von acht Wochen auf nur wenige Stunden reduziert und es so ermöglicht, innerhalb von Tagen auf spezielle Kundenwünsche zu reagieren. Gensert und Farrenkopf wollen solch einen durchgängig digitalisierten Prozess exemplarisch vorstellen.

Alle Vorlesungen beginnen um 19 Uhr, werden von Prof. Holger Rohn moderiert und aus der Friedberger Lernfabrik live auf Youtube gestreamt. Dort bleiben sie dauerhaft abrufbar. Weitere Informationen sind auf go.thm.de/ringvorlesung zu finden.