Ergebnisse einer aktuellen Untersuchung von der Technischen Hochschule Mittelhessen (THM) von Prof Dr.-Ing. Gerrit Sames.

Vor dem Hintergrund des Rückgangs an Arbeitskräften durch den demografischen Wandel in Deutschland muss die Digitalisierung von Geschäftsprozessen vorangetrieben werden. Wo aber steht die Digitalisierung aktuell? Dazu ist an der Technischen Hochschule Mittelhessen (THM) eine Online-Befragung bei 868 Unternehmen vornehmlich im Mittelstand erfolgt; 155 Teilnehmer haben sich beteiligt. Wir haben insgesamt 41 Prozesse aufgezeigt, für die Technologien und Lösungen bekannt und vorhanden sind. Im Kern haben wir ausgewertet, in welchem Digitalisierungsgrad diese Geschäftsprozesse heute in den Unternehmen ablaufen.

Ausrüster für elektrische/elektronische Baugruppen führend, Maschinen- und Anlagenbau abgeschlagen

Betrachtet man den Fortschritt in der Digitalisierung nach Branchen, dann ist festzustellen, dass Ausrüster für elektrische/ elektronische Baugruppen und Produkte mit einem Digitalisierungsgrad von knapp 2 ganz vorne liegen. 2 bedeutet aber nur, dass hier die Stufe 2 („in geringem Maße“) von 4 Stufen („weitest durchgängig“) erreicht wird. Abgeschlagen auf hinteren Rängen hingegen ist der Digitalisierungsgrad im Maschinen- und Anlagenbau mit einem Digitalisierungsgrad von nur 1,7. Im Detail liegt der Maschinenbau nur in den Geschäftsprozessen im Kundendienst vorne.

Digitalisierung bei größeren Unternehmen weiter

Nicht ganz unerwartet zeigte sich, dass der Digitalisierungsgrad bei größeren Unternehmen fortgeschrittener ist als bei kleineren Unternehmen. So liegt er bei Firmen mit mehr als 1000 Mitarbeitern bei 2,31, bei Firmen mit weniger als 10 Mitarbeitern aber nur bei 1,44. Der Mittelwert liegt bei 1,82. Dennoch muss festgehalten werden, dass auch bei den größeren Firmen mit 2,31 der Digitalisierungsgrad noch viel zu gering ist.

Umsetzungsdefizit im Mittelstand

Insgesamt hat unsere Untersuchung hervorgebracht, dass insbesondere im Mittelstand eine erhebliche Diskrepanz zwischen bereits bekannten und ver-fügbaren Technologien zur Digitalisierung und der Anwendung in den Unternehmen besteht. Besonders vor dem Hintergrund des sich immer weiter ver-stärkenden Fachkräftemangels einerseits und den Möglichkeiten von Geschäftsmodellerweiterungen andererseits, kann der Stand der Digitalisierung nur als bedenklich eingestuft werden. Der deutsche Mittelstand hat offenbar ein Umsetzungsdefizit. Als wesentliche Hinderungsgründe für mehr Fortschritt bei der Digitalisierung wurden zu „hohe Kosten der Umsetzung“ und „fehlendes IT-Personal“ genannt.

Die vollständige Studie kann kostenfrei abgerufen werden.(s. Quellenhinweis).

Quellenhinweis:
Sames, G., & Diener, A. (12/2018). Stand der Digitalisierung von Geschäftsprozessen zu Industrie 4.0 im Mittelstand - Ergebnisse einer Umfrage bei Unternehmen. http://digdok.bib.thm.de/volltexte/2018/5281/