Die Entwicklungen im Bereich der Künstlichen Intelligenz (KI) schreiten voran und halten auch immer mehr Einzug in die Bereiche Studium und Lehre. Durch die Möglichkeiten der generativer KI stellt sich prüfungsrechtlich die Frage nach der Urheberschaft am generierten Erzeugnis bzw. der Eigenständigkeit einer erbrachten Prüfungsleistung. Mit den daraus resultierenden neuen inhaltlichen Anforderungen an die Eigenständigkeitserklärung befasste sich an der THM zunächst die Arbeitsgruppe „Eigenständigkeitserklärung“ des Workshops der Prüfungsausschussvorsitzenden zum Thema „Rechtssicherer Umgang mit ChatGPT“ am 4. September 2023. Hier wurden Fragen aufgeworfen wie z. B. wie die Eigenleistung/Eigenständigkeit einer Prüfungsleistung definiert werden kann; wie sich der Umfang einer Abschlussarbeit bemisst; wie sich der Betreuungsprozess gestaltet; welche Hilfsmittel in einer Prüfung zugelassen sind und wann diese mitgeteilt werden sollten. Aus diesen Überlegungen resultierte die Eingabe in die „Senatskommission zur Weiterentwicklung und Überarbeitung der Allgemeinen Bestimmungen“ zu prüfen, ob und wie diese Themen Einzug in die Allgemeinen Bestimmungen finden können. Die Senatskommission entschied sich nach ausführlicher Erörterung, die Entwicklung einer entsprechenden Ergänzung der Eigenständigkeitserklärung in die „AG Täuschung und Plagiate“ zu geben, sodass diese ein Teil der „Handlungsempfehlung zum Umgang mit KI generierter Unterstützung bei Prüfungen“ wird. Mit der formalen, prüfungsrechtlichen Sichtweise befasste sich außerdem zusätzlich die Arbeitsgruppe „Täuschung“ des Workshops der Prüfungsausschussvorsitzenden am 4. September 2023 mit der Eigenständigkeitserklärung. Hier stellten sich z. B. Fragen, wie die Beweisbarkeit des KI Einsatzes; die Abgrenzung der Eigenständigkeit einer Prüfungsleistung beim KI Einsatz und der Umgang mit dem nachgewiesenen KI Einsatz ohne entsprechende Kennzeichnung in der Arbeit. Aus der Arbeitsgruppe resultierte die Empfehlung an die Senatskommission den Einsatz von KI Software als Hilfsmittel in den Allgemeinen Bestimmungen sichtbar zu machen.

Die „Senatskommission zur Weiterentwicklung und Überarbeitung der Allgemeinen Bestimmungen“ empfahl letztendlich auf der Basis der Eingabe beider Arbeitsgruppen folgende Ergänzung der Allgemeinen Bestimmungen, die am 21. Februar 2024 vom Senat beschlossen wurde1:

Neuer Absatz im § 11a (Eigenständigkeitserklärung, Täuschung, Störung, Ordnungsverstoß) der Allgemeinen Bestimmungen.

Die Studierenden versichern konkludent mit der Abgabe ihrer Prüfungsleistung, Prüfungsteilleistung oder Vorleistung, dass sie diese selbstständig angefertigt haben. Alle für die Erstellung der Arbeit verwendeten Quellen (z. B. Zahlen, Bilder, Texte) und Hilfsmittel (z. B. Software, KI Systeme) sind zu benennen und sämtliche wörtlichen oder sinngemäßen Übernahmen und Zitate sind kenntlich zu machen.

Diese Regelung hat zum einen klarstellenden Charakter in Hinblick auf die Bedeutung der Eigenständigkeitserklärung sowie der Pflichten der Studierenden zur Kenntlichmachung. (Hinweise zur praktischen Umsetzung gibt die Handlungsempfehlung im Abschnitt II.) Zum anderen stellt sie heraus, dass KI Systeme unter den Hilfsmitteln zu subsumieren sind und der Einsatz entsprechend nachgewiesen werden muss.


1 Allgemeine Bestimmungen für Bachelorprüfungsordnungen 2014 (AMB 39/2014), zuletzt geändert am 21. Februar 2024 (AMB 15/2024) und Allgemeine Bestimmungen für Masterprüfungsordnungen 2015 (AMB 01/2015), zuletzt geändert am 21. Februar 2024 (AMB 16/2024)

Verfasserin:
Carina Hoppe (B.A.)
Referat Zentrales Prüfungsamt