Építészmérnöki in Budapest, UngarnProjektarbeit mit Kommilitonen

 

 

Steckbrief

  • Matyas Pinter
  • Architektur
  • 4. – 5. Semester
  • Architektur an der Budapesti Muszaki es Gazdasagtudomanyi Egyetem
  • Budapest, Ungarn
  • Erasmus-Auslandssemester
  • FB 01 – BAU – Gießen

Motivation

Die Neugierde auf Unbekanntes liegt in der Natur des Menschen. Gepaart mit Fernweh und dem Drang meine kulturellen Wurzeln besser kennen zu lernen, bildet sich für mich eine gute Basis für einen Auslandsaufenthalt.
Bereits in meiner Schulzeit durfte ich an einem Austauschprogramm teilnehmen (damals 10 Monate in den USA). Die daraus resultierenden positiven Erlebnisse, wie z.B. die Zunahme an Selbstorganisation und Eigenständigkeit, der Gewinn an Sprachkenntnis und den bleibenden Freundschaften bzw. Netzwerken, haben mich dazu ermutigt, auch in meiner universitären Laufbahn einen Auslandsaufenthalt anzustreben.

Zielsetzung

Nur lag diesmal mein Hauptaugenmerk nicht auf dem Ausbau meiner Fremdsprachenkenntnis. Stattdessen fokussierte ich mich hauptsächlich auf das Studienprogramm, die kulturelle Erfahrung und die Bekanntschaft mit neuen Menschen. Zudem war ich der Auffassung, dass, bedingt durch die Unterrichtssprache und dem Kontakt zu anderen Austauschstudenten, sich meine Sprachkenntnisse ohnehin verbessern würden.

Organisation

Es war keine leichte Aufgabe bis zur Zusage für ein ERASMUS-Stipendium in Budapest. Das lag vor allem daran, dass unsere Hochschule noch kein Abkommen mit der Technischen Universität in Budapest vereinbart hatte. Also musste alles von mir selbst organisiert werden, was sich als eine der größten Herausforderungen darstellte. Doch ich konnte mich immer auf die unbürokratische und tatkräftige Unterstützung seitens meines Fachbereichs und ganz besonders auf die Hilfe unserer EU-Mobilitätsreferentin verlassen: Ohne deren resolute Arbeit wäre es wohl nie zu einer neuen Partnerschaft gekommen. Ich möchte mich an dieser Stelle auch noch einmal ganz herzlich für ihren Einsatz bedanken!

Bei der Untervermietung meines Zimmers in Gießen waren die Facebook-Gruppe „WG's in Gießen" und die Internetseite „WG-gesucht" sehr hilfreich. Hier ließen sich schnell Interessenten zur Zwischenmiete finden.

Von einer zusätzlichen Haftpflichtversicherung habe ich abgesehen, weil ich die Ansicht vertreten habe, dass meine Reiserücktransportversicherung beim ADAC und meine EU-Krankenkarte bei der TK ausreichend sind (dies ist jedoch nur meine persönliche Meinung und sollte jeder für sich selbst entscheiden).

Anreise

Ich bin mit meinem PKW gefahren, weil ich in ländlichen Regionen Ungarns Verwandtschaft habe. Es wäre nur mit erhöhtem Zeitaufwand verbunden gewesen, diese ohne ein Auto zu besuchen. Daher entschloss ich mich für den Wagen, was sich als außerordentlich gute Idee herausstellte. Denn so war ich stets mobil und in der Lage einige Teile Ungarns auch in Begleitung von Kommilitonen zu erkunden, die uns sonst verborgen geblieben wären.

Wohnen

Die Unterkünfte in Budapest sind so facettenreich wie die Bewohner der Stadt selbst. In jeder nur vorstellbaren Konfiguration ist das Wohnen möglich! Alles nur eine Frage des Budgets und der Präferenzen des Wohnungssuchenden (ggf. Verfügbarkeit von freien Zimmern in Wohnheimen).
Es ist nicht unbedingt notwendig alle Details vor Antritt des Aufenthalts zu klären, es bestehen auch nach Ankunft zahlreiche Möglichkeiten eine angemessene Unterkunft zu finden. An großer Beliebtheit und regem Zulauf erfreute sich die von ESN-Mitgliedern organisierte Wohnungsbörse am Ende der Einführungswoche. Hier wurden im Rahmen einer Abendveranstaltung unkompliziert Zimmer in WGs oder gar ganze Wohnungen vermittelt. Daneben existieren diverse Facebook-Gruppen, sowie zahlreiche andere Portale, die es einem ermöglichen an eine Unterkunft zu gelangen. In den letzten Jahren hat sich in Budapest auch ein Markt etabliert, der sich besonders auf Austauschstudenten spezialisiert hat. Es werden überwiegend üppig geschnittene und frisch sanierte Altbauwohnungen in sehr zentraler Lage i. d. R. voll möbliert angeboten. Hier zahlt man jedoch oftmals unverhältnismäßig hohe Mieten ab ca. 350 – 400 € für ein Zimmer.
Mit Wohnheimen o. Ä. habe ich um ehrlich zu sein wenig Erfahrung. Allgemein sind die Plätze aber unter den Einheimischen sehr begehrt und schnell vergriffen. Die Vergabe erfolgt meines Wissens nach Seniorität bzw. dem Zeitpunkt der Antragsstellung, also ist hier eine rechtzeitige Anmeldung unabdingbar!
Ich habe ein kleines 1-Zimmer Appartement auf der Buda-Seite der Stadt finden können. Dabei habe ich vor allem auf zwei Aspekte großen Wert gelegt: Auf eine gute Anbindung an die Universität und auf eine Rückzugsmöglichkeit für das Lernen. Denn es gibt nichts lästigeres (das habe ich aus meinen WG-Zeiten gelernt) als nicht die nötige Ruhe und Privatsphäre für die Uni zu haben, wenn man sie braucht. Da ich die Wohnung von einem Bekannten gemietet habe, habe ich auch einen unschlagbaren Preis von 160 € inkl. Nebenkosten gezahlt. Das ist selbst für ungarische Verhältnisse ein absolutes Schnäppchen!
Internet und Mobilfunkverträge sind in Ungarn nicht so preiswert, wie in Deutschland. Es ist ratsam eventuell vorab mit seinem hiesigen Telefonanbieter eine Europa-Flatrate zu vereinbaren. Ansonsten ist Unity-Media (dort UPC) der preisgünstigste Anbieter. Prepaid-Karten kann ich nicht empfehlen, weil hier meist im Minutentakt abgerechnet und keine Internetflatrates (oder nur zu hohen Preisen) angeboten werden.

Akademisches Leben

Die Registrierung an der Uni findet i. d. R. eine Woche vor Vorlesungsbeginn statt. Hierfür sollte man einen ganzen Tag einplanen und darauf achten, dass man alle nötigen Unterlagen parat hat. Außerdem ist es ratsam schon eine halbe Stunde vor den offiziellen Öffnungszeiten zu erscheinen, da in dieser Woche ein sehr großer Andrang auf das Studiensekretariat herrscht und sich schnell lange Schlangen am Nummernautomaten bilden können.

Einführungswoche

Für ERASMUS-Studenten wird eine Einführungswoche angeboten und ich empfehle jedem dringend sie zu besuchen, weil man hier bereits sehr viele hilfreiche Informationen rund um das kommende Semester erhält und zudem schon erste Bekanntschaften, die häufig über den gesamten Zeitraum des Aufenthalts andauern, schließen kann.
Die Kursanmeldung über das NEPTUN-System, welches von fast allen Hochschulen in Budapest verwendet wird, kann sich als recht mühseliges Unterfangen herausstellen. Auch hier rate ich, sich von European Student Network-Mentoren helfen zu lassen, besonders weil nach Ablauf der Registrierungsperiode sin echtes Gerenne daraus werden kann und dieses nur unnötig kostbare Zeit in Anspruch nimmt.

Sport

Es gibt ein reichhaltiges Sportangebot an der Uni, nur sollte man sich auch hier rechtzeitig um die Bewerbung bemühen, da die Kurse recht zügig überlaufen sind. Auf der Website und an den Aushänge-Kästen der Uni kann man sich über das Angebot bzw. verfügbare Kurse ausgiebig informieren. Ich habe während meines Aufenthalts, durch einen Freund, mit dem Cross-Fit angefangen, einer sehr intensiven Sportart, die einen bis an seine Grenzen bringt. Für mich ein wunderbarer Ausgleich neben dem Lernen und auch eine hervorragende Plattform um neue Leute kennen zu lernen. lch nenne diesen Punkt bewusst an dieser Stelle, weil ich gerne den Bogen zu dem sozialen Leben an der Uni spannen möchte.

Soziale Erfahrungen

Leider war hier die Realität im Gegensatz zu meinen Erwartungen recht ernüchternd. Ich nahm nämlich an, dass ERASMUS-Studenten mit einheimischen Studenten zusammen die Vorlesungen besuchen und keine eigenständige Gruppe bilden würden. Leider war es für mich auch nur möglich bestimmte englischsprachige Module zu belegen. Ungarische oder englischsprachige Kurse, die nicht im Katalog vermerkt waren, standen nicht zur Verfügung. Es kam zwar häufig vor, dass die regulären, englischsprachigen Studenten und Studenten aus dem Erasmus-Programm aufeinander trafen. Dass aber ein Ungar in einem dieser Kurse vorzufinden gewesen wäre, war eher die Ausnahme. So bildeten sich meist recht homogene Gruppen, teilweise auch nach Nationalität gesondert. Von einer Durchmischung oder gar einer vollständigen Integration konnte nicht die Rede sein.
Ein wenig bedauernswert empfand ich auch die allgemein vertretene, teils etwas gleichgültige Grundhaltung mancher Professoren und Kommilitonen gegenüber dem Erasmus-Programm. An manchen Stellen wurde man deswegen hin und wieder mal etwas belächelt. Etwa nach dem Motto: „Ihr wollt euch doch hier nur eine schöne Zeit machen und nichts schaffen" oder „Ach komm, das ist Erasmus, das zählt sowieso nicht". Zu verdanken ist dies aber auch der Attitüde mancher Kommilitonen, die ihren Erasmus-Aufenthalt wirklich ausschließlich zum Feiern nutzten. Dem zufolge ereilte mich manchmal der Eindruck im Vergleich zu den Anderen etwas stiefmütterlich behandelt zu werden. Die selbe negative Resonanz einer Art Zwei-Klassen-Studentenschaft teilte man sich mit den regulär eingeschriebenen englischsprachigen Studenten, wobei diese durch beträchtliche Studiengebühren einen recht großen Beitrag zu dem Erhalt der Universität leisten und es mir dahingehend unverständlich ist, wie es hierzu kommen kann.

Unterschiede an der Uni

Bedingt durch die Größe der Universität wird man auch nicht wirklich als Individuum wahrgenommen. Diese Anonymität kann man für gut heißen, wobei ich persönlich das familiäre Klima an unserer Hochschule bevorzuge. Dabei würde ich zuvor Genanntes auch nicht als wirklichen Kritikpunkt werten, da die Relationen zwischen den beiden Hochschulen vollkommen unterschiedlich sind und man von seiner Heimathochschule ausgehend etwas verwöhnt ist, was diese Angelegenheit betrifft.
Leider gab es für Architekten keinen eigenen Arbeitsraum oder eine Werkstatt, in der man Pläne und Modelle hätte bearbeiten können. Auch der Computerraum war nur zu sehr eingeschränkten Zeiten nutzbar. Als besonders schwierig empfand ich die Anwendung des ECTS. Ich hatte den Eindruck, dass der Workload der einzelnen Module eine Ermessensfrage des jeweiligen Professors war und nicht anhand der Credit Points bestimmt wurde.

Studienniveau

Auszug aus meinem Portfolio mit gesammelten Arbeiten wõhrend des Aufenthalts copy

Entgegen meiner Erwartung und als sehr positiv zu werten war, dass selbst bei einer steileren Hierarchie als in Deutschland die meisten Professoren nicht unnahbar waren. Generell muss gesagt werden, dass das Studienniveau dem in Deutschland keineswegs nachsteht. Im Gegenteil! Besonders in den Design und baukonstruktiven Fächern geht die TU Budapest bei Weitem über unsere Standards hinaus! Auch die Vorlesungen in englischer Sprache, das dazugehörige Studienmaterial und die Betreuung der Projekte bewegten sich qualitativ auf einer sehr anspruchsvollen Ebene.

 

Campus

Alleine der Campus der Universität ist schon bemerkenswert. Er erstreckt sich entlang der Donau-Promenade und ist vergleichbar mit einem eigenständigen kleinen Dorf. Die Uni besitzt sogar einen eigenen kleinen Kernreaktor, den die Physiker für Experimente nutzen. Das K-Gebäude, welches wunderschön anzusehen, innerlich aufgrund seiner Symmetrie aber eher einem Labyrinth gleicht, ist ein wahres Juwel an der Donau. In dessen Genuss dürfen hauptsächlich die Architekten, Bauingenieure und Maschinenbauer kommen (falls sie den Weg wieder hinaus finden). Ebenfalls sehr beeindruckend ist die Bibliothek, welche eine große und gut sortierte Sammlung an Fachliteratur in verschiedenen Sprachen und zudem ruhige Lernmöglichkeiten kostenlos anbietet. Einzig und alleine die fehlende Mensa ist zu bemängeln. Es hat sich jedoch um den Campus eine Armada an Bäckern, Dönerbuden, Kiosken und anderen preiswerten Imbissbuden angesammelt, so dass auch dieser Aspekt kein Problem darstellt.
Was mich in Ungarn besonders beeindruckt hat, ist das „Wir“-Gefühl unter den Studenten. Hilfe untereinander ist selbstverständlich und es herrscht auch nicht der Konkurrenzdruck oder Sozialneid wie in Deutschland.

Freizeit

Budapest wird nicht umsonst „Paris des Ostens“ oder „Perle an der Donau" genannt. Der Stadtkern und die Metropolregion rund um die Stadt strotzen nur so vor Auswahl, was das kulturelle Leben betrifft. Es gibt ein schier endloses Angebot an Kinos, Museen, Theatern, Festivals und weiteren Events zu fairen Preisen rund um die Uhr an 365 Tagen im Jahr. Auf den Webseiten EST.hu und welovebudapest.com findet man alle nötigen Informationen zu den aktuellen Veranstaltungen in der Stadt.
Zusätzlich organisiert das ESN (European Student Network) jede Woche Programme für Austauschstudenten, die sich in der Stadt befinden. Wer plant häufig an diesen Veranstaltungen teilzunehmen, sollte sich am Anfang des Jahres eine ESN-Card erstehen. Mit ihr erhält man vergünstigten Eintritt zu den Events oder andere Preisnachlässe zum Beispiel auf den Getränkeverzehr.

Cafés und Ruin-Bars

Tagsüber kann man seine Zeit wunderbar in den charmanten Cafés und Konditoreien der Stadt verbringen. Sie lassen einen mit ihrem Erscheinungsbild in das Flair des vergangenen Jahrhunderts eintauchen und neben zahlreichen Kaffeekreationen erhält man hier eine große Auswahl an hausgemachten Torten und Feingebäck aller Art. Für die Abendstunden empfehlen sich die Gegenden um den Burggarten (Vårkert), der Gozsdudvar im jüdischen Bezirk und der gesamte 7te Bezirk. Besonders Ruin-Bars (Kneipen in heruntergekommenen Häusern) haben eine einmalige Atmosphäre, die man sich keinesfalls entgehen lassen sollte.
Auch kulinarisch hat Budapest einiges zu bieten! Wer authentische ungarische Küche zu fairen Preisen genießen möchte, sollte unbedingt in einer der zahlreichen „Kifözdék" (zu Deutsch: Suppenküche) besuchen.

Mobilität

Durch den gut ausgebauten und zudem auch günstigen ÖPNV ist die Stadt für Studenten hervorragend erschließbar, wer aber auf Busse und Bahnen verzichten möchte, kann sich auch alternativ für die Sommermonate ein Fahrrad zulegen. Hierfür gibt es einige Facebook Gruppen, die beim Vermitteln helfen. Auch einige Händler kaufen gebrauchte Räder wieder auf. Man sollte sich jedoch darüber im Klaren sein, dass der Verkehr innerhalb der Stadt sehr intensiv ist und verhältnismäßig wenige Radwege existieren. An einem guten Bügelschloss sollte man auch nicht sparen, denn Fahrräder sind unter Dieben begehrte Ware.

Reisetipps

Road trip mit erasmus freunden ohne KennzeichenZwei Ausflugsziele außerhalb der Stadt möchte ich an dieser Stelle explizit hervorheben, weil ich sie als besonders sehenswert und kulturell wertvoll halte. Zunächst das ethnographische Freilichtmuseum „SKANZEN" in Szentendre (ca. eine Stunde mit der S-Bahn), in dem man einen vollständigen und originalgetreuen Nachbau ungarischer Bauernhäuser aus allen Regionen, samt Einrichtung vorfindet. Das Museum ist besonders in den Sommermonaten empfehlenswert, weil die Mitarbeiter in Trachten in den Häusern auf Besucher warten und Programme zum Mitmachen anbieten. Als zweiten Vorschlag für einen Ausflug nenne ich den Plattensee, auf Ungarisch: „Balaton" genannt, den größten See Europas, der ca. 2 Stunden mit dem Zug von Budapest entfernt ist. Die Nordseite mit der wundervollen Abtei in Tihany ist etwas ruhiger, wohingegen die Südseite um Siofok herum für ihre ausschweifenden Partys bekannt ist. Auf jeden Fall sollte man hierfür ein langes Wochenende einplanen. Dabei empfiehlt es sich erst die Abtei im Norden zu besuchen und anschließend mit der Fähre den Balaton gen Süden zu überqueren.

Politik & Allgemeine Sicherheitslage

Dieser Punkt liegt mir besonders am Herzen, einerseits, weil ich viel darauf angesprochen wurde und andererseits, weil es gegenwärtig immer wieder Thema in den Medien ist. Außerdem möchte ich, dass Interessenten von Erfahrungen aus erster Hand profitieren und sich nicht von irreführendem Journalismus von einem Aufenthalt abschrecken lassen.
Entgegen der allgemeinen Auffassung, welche durch die hiesige Berichterstattung geschürt wird, herrscht in Ungarn keine Diktatur. Es gibt, das muss zugegeben werden, einen erstarkten nationalen Gedanken im Land, der jedoch derzeit in vielen europäischen Mitgliedsstaaten zu verzeichnen ist. Dies ist meines Erachtens auf die allgemein angespannte politische Lage in Europa vor allem in Bezug auf die unentschlossene Asyl- und Finanzpolitik zurückzuführen. Es gibt weder Verfolgungen von Minderheiten sei es aus politischen, religiösen oder Rassengründen, noch andere Einschränkungen in der Freizügigkeit.
Ich habe mich während meines Aufenthalts in Ungarn stets sicher und nicht in meinen Menschenrechten bzw. Rechten als europäischer Bürger eingeschränkt gefühlt. Bestimmte Viertel sollte man dennoch bei Nacht meiden, sonst läuft man eventuell Gefahr überfallen oder angepöbelt zu werden – wie das nun mal so üblich ist in den Großstädten dieser Welt. Allgemein sind Ungarn aber ein sehr umgängliches und hilfsbereites Volk. Vor allem auf Gastfreundschaft wird großen Wert gelegt und besonders wir Deutschen genießen eine allgemeine, große Beliebtheit in der Bevölkerung.

Interkulturelle Erlebnisse

Als Halb-Ungar litt ich anfänglich unter einem gewissen Identitätskonflikt: Ich fühlte mich weder unter den Kommilitonen des Erasmus-Programms noch unter einheimischen Studenten wirklich integriert. Zudem sorgte es manchmal für Missverständnisse, wenn ich auf Ungarisch sprach (z.B. im Erasmus-Büro). Ich musste feststellen, dass ich mit der englischen Sprache besser durch den akademischen Alltag kam, da so anscheinend meine Zugehörigkeit eindeutiger bestimmt werden konnte. Die anfänglichen Probleme lösten sich schnell nach gemeinsamen Arbeiten an der Uni und Unternehmungen in der Freizeit.
Das wohl schönste Ereignis meines Budapest- Aufenthalts war, dass ich in der Stadt meine Ehefrau kennengelernt habe. Sie ist Argentinierin und befand sich zu der Zeit auf einer Europa-Rundreise. Wir haben vergangenen Monat geheiratet und leben seither glücklich zusammenen.

Fazit

AIles in allem blicke ich zurück auf opulente zehn Monate voller Herausforderungen und neuen Menschen in meinem Leben. Ich verlasse die Stadt mit einem lachenden und einem tränenden Auge! Der Wehmut kommt aufgrund der einmaligen und unvergesslichen, schönen Momente, die ich hier erleben durfte. Die Freude über das Wiedersehen mit Freunden, Verwandten und dem alt Bekannten in Gießen lassen die Melancholie jedoch schnell verblassen und ich bin guter Dinge und voller Erwartung für die Zukunft und die Aufgaben, die noch in der Heimat auf mich warten. Abschließend kann ich jedem, der ein Auslandssemester in Europa anstrebt, dazu raten Budapest in seine Auswahl miteinzubeziehen.