Technische Redaktion und Multimediale Dokumentation in Lowell, Massachusetts, USA

2015 09 28 18.45.08

 

Steckbrief

  • Alexander Bachmann
  • Technische Redaktion und Multimediale Dokumentation
  • 4. Semester
  • Innovation and Technological Entrepreneurship an der UMass Lowell
  • Lowell, Massachusetts, USA
  • Landeskooperation Hessen-Massachusetts 2015

Warum USA?

Ich habe mich für ein Auslandssemester in den Vereinigten Staaten von Amerika entschieden, weil es schon immer mein Traum war einmal in den Staaten zu leben. Dafür war wahrscheinlich das Fernsehen verantwortlich. Es hat mir von klein auf immer ein sehr faszinierendes Bild der USA gezeigt hat, was ich auch unendlich gerne einmal live (und länger als nur in einem Urlaub) sehen wollte und musste. Somit habe ich mir mit diesem Semester einen absoluten Lebenstraum erfüllt.

Gründe für Lowell

2015 08 27 08.23.35Ich wollte unbedingt auf dem Campus wohnen, in einem Wohnheim, so ganz klassisch halt das amerikanische Collegeleben spüren.
Da passte es sehr sehr gut, dass das Land Hessen ein Partnerschaftsprogramm mit dem Staat Massachusetts hat. Innerhalb dieses Austauschprogrammes konnte ich mich dann auf verschiedene Hochschulen bewerben. Lowell hat rund 100.000 Einwohner und ist eine ganz klassische Arbeiterstadt, was mir gleich sympathisch war. Die anderen Universitäten im Austauschprogramm wären eher in deutlich kleineren Städten gewesen (Amherst, Dartmouth), oder eher Abenduniversitäten (wie direkt in Boston).
Die Hochschule hier in Lowell, Massachusetts ist sehr nah an Boston und ich wollte diese wunderbare, „alte“ Stadt unbedingt einmal besuchen (aufgrund meiner Lieblingseishockeymannschaft, der Boston Bruins). Als ich dann noch von dem hervorragenden Tonaufnahmetechnik-Programm der UMASS Lowell hörte, war die Entscheidung für mich gefallen.

Vorteil Austauschprogramm

Wie erwähnt nahm ich am Austauschprogramm des Landes Hessen mit dem Staat Massachusetts teil. Durch dieses Programm wusste ich immer, wer genau der Ansprechpartner war. Ich kann in jedem Fall empfehlen, sofern es möglich ist, an einem solchen Programm teilzunehmen, einfach weil man nie alleine mit seinen Problemen und Fragen ist. Besonders dass ich auch hier vor Ort durch die anderen Programmteilnehmer immer wieder Ansprechpartner (und neue Freunde) habe, stellt sich als klarer Vorteil heraus. So erfahre ich immer mal wieder neue Dinge bezüglich der Regularien oder einfach auch nur wo etwas los ist.

Nachteil Austauschprogramm

Gerade diese Regularien sind eben der Nachteil an solchen Programmen. Wo man evtl. bei Eigeninitiativen ein bisschen flexibler ist, muss man sich bei diesen Programmen immer an eine strikte Regularienvorgabe halten. So war es ein erheblicher bürokratischer Aufwand, bis ich endlich in die USA reisen konnte.

Studiengebühren

Allerdings wäre ein Studienaufenthalt in den USA ohne dieses Programm finanziell für mich auch nicht machbar gewesen, da mir die Studiengebühren von rund 10.000 € erlassen wurden.

Wohnen

Ich habe in einem Studentenwohnheim auf dem Campus gewohnt, in einem Doppelzimmer mit einem weiteren internationalen Studenten aus Uganda. Die Preise dafür sind in den USA außergewöhnlich hoch. Man ist dazu gezwungen eine „Mensa Flatrate“ zu nehmen, weil die Wohnheime keine eigenen Küchen haben. Kosten für das 17 qm² Doppelzimmer plus Mensa: rund 8000 € pro Semester.

Mobilität

Es war leicht zur Uni und den Veranstaltungen zu kommen, da ich auf dem Campus gewohnt habe. Die Universität ist ebenfalls auf diese Art von Studenten eingestellt, weshalb Shuttlebusse der Universität zu jedem Campus, der über die Stadt verteilt ist, angeboten werden.

Fachliche Erfahrungen

Grundsätzlich sind die Kurse denen, die ich in Deutschland besucht habe, ähnlich. Seminare von circa 30-40 Leuten oder Vorlesungen in normalen Hörsälen, allerdings deutlich (!) mehr Klausuren, Tests, Assignments (Einreichen von Papern, Filmen, wasauchimmer), Sitzungstermine, Workload.
Mein Geschichtskurs beispielsweise findet 2x die Woche für 90 Minuten statt und wir schreiben 5 Klausuren im Semester: 3 Tests, Midterms und Endterms. Auch die anderen Kurse haben einen hohen Workload.

Gedanken zum US-Unileben

Alle Räume hier werden videoüberwacht, es ist immer eine Überwachungskamera auf den Dozenten gerichtet.
Die US Army ist sehr präsent hier. Auf dem Campus laufen viele Personen mit Uniform rum, weil die Army an der UMASS Lowell ihre Airforce-Offiziere ausbildet. Auch Kommilitonen mit Uniform saßen im Hörsaal neben mir.
Alle Studenten hier sind deutlich jünger als ich. Als Freshmen (1.-2. Semester) ist man rund 18 Jahre alt und das erste Mal weg von Zuhause. Insgesamt ist durch diesen Umstand alles noch viel stärker verschult als unser Bachelor-Studium. Beispiel: Man kommt in die Klasse und jeder wird namentlich aufgerufen und abgehakt.
Alle Termine sind s.t. und auf den Tisch geklopft wird am Ende der Sitzung auch nicht.
Ich brauche für mein Visum drei Kurse und dabei ist es egal ob sie undergraduate (Bachelor) oder graduate (Master) sind.

Interkulturelle und soziale Erfahrungen

Zu diesem Punkt (gerade zu den Erlebnissen und der Freizeitgestaltung) könnte man natürlich nun ewig schreiben. Allerdings ist es so, dass das Leben in den USA ungefähr zu 80-90 % so ist, wie man es erwarten würde.

American Lifestyle

2015 10 17 14.24.14Wir, oder ich, haben ein relativ zutreffendes Bild vom amerikanischen Leben. Wenn nichts zu tun ist, fährt man mit Freunden was essen, ansonsten sind relativ viel Hausaufgaben und Uniarbeit zu erledigen. Die klassischen „amerikanischen“ Freizeitgestaltungen lässt man auch nicht liegen. Freizeitparks, Sportveranstaltungen, Bowling und auch einfach mal nur Kino gehören selbstverständlich zum Programm.

Unterschiede zu Deutschland

Die Unterschiede zu Deutschland sind schon enorm, von einem Kulturschock würde ich dennoch nicht sprechen. Es sind eher die Kleinigkeiten die einem auffallen und auf die man angesprochen wird von Freunden hier. Hier einige Beispiele: Ein Amerikaner würde NIEMALS Pizza mit Messer und Gabel essen.
Alkohol in der Öffentlichkeit ist ein absolutes No-Go, insgesamt trinken hier alle nur um betrunken zu werden und nicht aus Genuss, wie wir (manchmal). Aber gut, bei der Bierqualität hier…
Es ist vollkommen okay überall in der Öffentlichkeit an Halloween Puppen mit heraushängenden Gedärmen und starker visueller Gewalt zu zeigen, aber ein entblößter Nippel ist ein riesiger Skandal.
Hier tragen 1/3 der Studenten auch im Winter bei 0° noch kurze Hosen und Badelatschen. Das ist eben der amerikanische Lebensstil. Du kannst machen, anziehen was du willst.

Finanzierung

Ich hatte unterschiedliche Quellen der Finanzierung. Zum einen hat mir das Programm die Studiengebühren erlassen (die ja hier in den USA sehr hoch sind). Ansonsten habe ich Auslandsbafög bekommen und auch ein Stipendium der Hochschule über PROMOS-Mittel. Zusätzlich hatte ich in einem Nebenjob rund 2000 € vor dem Studienantritt hier gespart. Da dies für die immens hohen Lebenshaltungskosten (Wohnheimsgebühren) auch nicht ganz ausreichte, habe ich zusätzlich noch den KFW-Studienkredit am Laufen. Die Erfahrung war es auf jeden Fall wert.

Tipps

Ich kann nur sagen, dass sich die Zeit, die man investieren muss, in jedem Falle lohnt. Es gibt so extrem viele Möglichkeiten, die einen ins Ausland bringen können. Gerade Hochschulen und deren Auslandsämter haben so viele Möglichkeiten, dass es meiner Meinung nach meistens nur Faulheit ist, die einen Auslandsaufenthalt verhindert (zur Finanzierung mehr im nächsten Punkt).
Durch das Internet hat man sehr schnell sehr viele Ansprechpartner zur Hand und es wird sich meistens ein Weg finden.