Sozialer Roboter im Dialysezentrum Gießen

von Moritz Hensel

Seit diesem Jahr ergänzt ein sogenannter Service-Roboter vom Typ Furhat die technische Ausstattung an unserem Fachbereich. Durch seine Bauweise in Form einer menschlichen Büste ist Furhat im Gegensatz zu den „Allround“-Systemen vom Typ Pepper und Nao auf verbale Kommunikation spezialisiert. Daher ist er vor allem für den praktischen Einsatz in Verbindung mit einer Vielzahl von Auskunfts- und Informations-Diensten geeignet.

Der erste potenzielle Anwendungsfall für den auf Deutsch als „Pelzhut“ (trotz fehlender Haare) zu übersetzenden Serviceroboter ergab sich ein Projekt für ein Gießener Dialysezentrum. Da ich ohnehin kein großer Fan von trockener Theorie bin und ich schon immer eine Programmiersprache erlernen wollte, nahm ich das Angebot, den dortigen Einsatz zum Thema meiner Bachelorthesis zu machen, gerne an.

Im ersten Schritt ging es nun darum, einen konkreten Anwendungsfall für Furhat zu finden. Dieser sah vor, den Serviceroboter einzusetzen, um Patienten- und Angehörigen bei der Behandlungsplatz­orientierung zu helfen. Die im Durchschnitt knapp 200 Patienten müssen i.d.R. wöchentlich behandelt werden und bekommen bei jedem Termin erst vor Ort einen von 14 individuell vorbereiteten Behandlungsräumen zugewiesen. Um den entsprechenden Behandlungsplatz zu finden, müssen die Patienten sich heute zunächst an das dortige Personal wenden. Nach Ende der anstrengenden Behandlung werden die Patienten von Taxifahrern oder Angehörigen abgeholt, die sich ebenfalls wieder an das Personal wenden, um die jeweilige Patientin bzw. den Patienten finden zu können. Die dafür erforderliche Kommunikation lässt sich gut standardisieren, so dass diese künftig durch Furhat übernommen werden soll, um die i.d.R. stark eingespannten Beschäftigten zu entlasten.

Im Rahmen meiner Bachelorthesis hatte ich die Aufgabe einen Prototyp für die verbale Kommunikation und Dialogführung im Rahmen dieses Anwendungsfall zu konzipieren und implementieren. Außerdem habe ich im Rahmen einer Befragung die Erfahrungen von Patienten und Taxifahrer mit dem von mir entwickelten Prototypen evaluiert.

Als Neuling auf dem Gebiet der Softwareentwicklung musste ich zunächst die Programmiersprache Kotlin erlernen, um so den Roboter für den Anwendungsfall programmieren zu können. Dabei habe ich nicht nur von den umfangreichen Lernmaterialien für Kotlin profitiert, sondern auch von der sehr guten Dokumentation der Firma Furhat Robotics zur Programmierung von Furhat selbst. Ein wesentliches Fazit ist also, dass der Einstieg in die Programmierung eines Roboters in Kombination mit der dafür nötigen Motivation, auch als Anfänger, sehr gut gelingen kann.

Die eigene Abschlussarbeit war zwar etwas umfangreicher als eine durchschnittliche Bachelorthesis. Allerdings habe ich viele neue Dinge erlernen können, sehr viel Spaß bei der Programmierung gehabt und die Möglichkeit erhalten, meine eigenen Vorstellungen sowie Kreativität in ein Projekt mit großer Praxisrelevanz zu integrieren. Aus diesem Grund kann ich jedem Studenten, der Interesse an innovativen Themen wie der Servicerobotik hat, dazu raten sich auch damit auseinanderzusetzen. Vielleicht wird Furhat ja auch Inhalt deiner nächsten Bachelorthesis.

Abschließend möchte ich mich bei den Verantwortlichen der THM bedanken, die mir dieses Projekt ermöglicht haben. Mein Dank gilt: Prof. Dr. Sven Keller, Herrn Juergen Köhlinger und Prof. Dr. Gerrit Sames. Ebenso wäre die Ausgestaltung eines Prototyps, der an die Gegebenheiten in einem Dialysezentrum angepasst ist, ohne fachkundige Unterstützung der stets freundlichen Mitarbeiter nicht möglich gewesen. Aus diesem Grund bedanke ich mich bei allen Projektbeteiligten des Dialysezentrums bedanken, allen voran bei Herrn Dr. med. Sebastian Zschätzsch, Frau Silvia Liedmann und Herrn Volker Franz.

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