Nachhaltigkeit im Gesundheitswesen: Studierende entwickeln Lösungsansätze für den Umgang mit Kontrastmitteln
Wie können medizinisch notwendige Kontrastmittel eingesetzt werden, ohne ihre Auswirkungen auf Umwelt und Gewässer aus dem Blick zu verlieren? Mit dieser Fragestellung beschäftigten sich Studierende des Studiengangs Betriebswirtschaft – Nachhaltigkeitsmanagement im Rahmen eines Business Projects gemeinsam mit der Universitätsmedizin Mainz. Ziel war es, Ansätze zur Reduzierung von Kontrastmitteleinträgen zu untersuchen und daraus ökologisch und ökonomisch tragfähige Handlungsempfehlungen abzuleiten.
Kontrastmittel zwischen medizinischem Nutzen und Umweltwirkung
Kontrastmittel sind für zahlreiche bildgebende Verfahren unverzichtbar. Gleichzeitig stellen ihre Einträge in die Umwelt eine zunehmende Herausforderung dar. Wirkstoffe wie Gadolinium oder Iod werden vom menschlichen Körper größtenteils nicht metabolisiert, sondern innerhalb kurzer Zeit über den Urin ausgeschieden. Über das Abwasser können sie in Gewässer und damit in den Wasserkreislauf gelangen. Neben der Persistenz der Stoffe sind dabei insbesondere mögliche ökotoxikologische Auswirkungen und bislang nicht vollständig geklärte langfristige Folgen für Ökosysteme relevant.
Die Studierenden untersuchten daher, wie sich der Kontrastmitteleinsatz und die damit verbundenen Stoffströme an der Universitätsmedizin Mainz nachhaltiger gestalten lassen. Neben der Verringerung der Umweltbelastung standen dabei Wirtschaftlichkeit und praktische Umsetzbarkeit im Fokus.
Elf Lösungsansätze auf dem Prüfstand
Ausgehend von einer Analyse des Kontrastmitteleinsatzes, der relevanten Stoffströme und Stakeholder sowie einer Peer-Group-Analyse identifizierten die Studierenden elf unterschiedliche Lösungsansätze. Diese reichten von der Reduzierung des Kontrastmittelverbrauchs über die Sammlung ausgeschiedener Wirkstoffe und die Reinigung belasteten Wassers bis hin zur Rückgewinnung von Gadolinium. Langfristiges Wunschszenario ist ein möglichst geschlossener Stoffkreislauf im Sinne eines „Closed Loop“.
Die Konzepte wurden anhand eines Kriterienkatalogs bewertet. Berücksichtigt wurden unter anderem Wirtschaftlichkeit, Umweltauswirkungen, Ressourcenaufwand, regulatorische Rahmenbedingungen, Etablierungsgrad und Patientenakzeptanz.
Für die vertiefte Bewertung der Konzepte in der engeren Auswahl führten die Studierenden zudem Stakeholderinterviews mit Expertinnen und Experten aus unterschiedlichen Bereichen, darunter Universitätskliniken und Kontrastmittelhersteller.

Vier Ansätze im Fokus
Besonders intensiv wurden vier Lösungswege betrachtet: Urinbeutel ermöglichen die separate Sammlung und Entsorgung des mit Kontrastmitteln belasteten Urins und verhindern damit einen direkten Eintrag ins Abwasser. Filtertoiletten verfolgen einen infrastrukturellen Ansatz, indem sie ausgeschiedene Kontrastmittel beim Toilettengang zurückhalten.
Alternative gadoliniumhaltige Kontrastmittel setzen bereits bei der Anwendung an und können aufgrund ihrer Eigenschaften zur Verringerung der Umweltbelastung beitragen. Beim Photon-Counting-CT wiederum kann eine moderne Bildgebung dazu beitragen, die benötigte Kontrastmittelmenge zu reduzieren und gleichzeitig diagnostische Vorteile zu bieten.
Von der ökologischen Idee zur Handlungsempfehlung
In der gewichteten Bewertung schnitten alternative gadoliniumhaltige Kontrastmittel am besten ab. Ebenfalls hohe Bewertungen erhielten Filtertoiletten und Photon-Counting-CT. Die Analyse zeigte zugleich, dass die Reduzierung potenziell umweltbelastender Stoffeinträge immer gemeinsam mit Kosten, technischer Umsetzbarkeit und Akzeptanz betrachtet werden muss.
Aus den Ergebnissen entwickelten die Studierenden konkrete Handlungsempfehlungen. Kurzfristige Ansatzpunkte bestehen insbesondere in der Prüfung alternativer Kontrastmittel sowie in der Berücksichtigung kontrastmittelreduzierender Technologien bei geplanten Neuanschaffungen. Filtertoiletten stellen eher eine langfristige Option dar, die insbesondere im Rahmen von Neubau- und Sanierungsmaßnahmen berücksichtigt werden könnte.
Das Business Project zeigt damit exemplarisch, wie Studierende eine konkrete Nachhaltigkeitsherausforderung aus der Praxis analysieren, unterschiedliche Lösungswege systematisch bewerten und ökologische und ökonomische Perspektiven miteinander verbinden.
Ein besonderer Dank gilt Justus Linnepe von der Universitätsmedizin Mainz für die Begleitung des Business Projects und den fachlichen Austausch während des Projektverlaufs. Die Zusammenarbeit bot den Studierenden die Möglichkeit, eine reale Nachhaltigkeitsherausforderung des Gesundheitswesens zu bearbeiten und ihre entwickelten Lösungsansätze an den Anforderungen der Praxis zu spiegeln.
Prof. Dr. Isabell Lenz