Praxisvortrag an der THM: Bettina Roth (VAUDE) zu nachhaltigen Lieferketten & Risiko-Management

Am 7. Januar 2026 fand im Modul „Sustainable Supply Chain Management“ (5. Semester, Studiengang Nachhaltigkeitsmanagement) von Prof. Dr. Julian Conrads ein besonderes Highlight als Praxisvortrag statt. Zu Gast war Bettina Roth, Head of Quality & Process Management, Product Compliance bei der bekannten Outdoor-Marke VAUDE.

VAUDE ist ein inhabergeführtes Familienunternehmen mit Sitz in Tettnang (Baden-Württemberg). Das Unternehmen beschäftigte rund 550 Mitarbeitende und erzielte 2024 einen Umsatz von rund 128 Mio. €.

„Transparenz, Vertrauenswürdigkeit, Verantwortungsübernahme“

Zu Beginn ihres Vortrags machte Bettina Roth deutlich, dass Nachhaltigkeit bei VAUDE einen essenziellen Stellenwert in der Unternehmensausrichtung hat. Transparenz, Vertrauenswürdigkeit und Verantwortungsübernahme hob sie als übergeordnete Grundhaltung hervor.

Dabei betonte sie ausdrücklich, dass es neben äußeren Erwartungen auch eine eigenständige, intrinsische Motivation gebe, Verantwortung in der Lieferkette konsequent zu übernehmen – weil es „inhaltlich richtig“ ist und zur Identität des Unternehmens gehört, die nicht zuletzt von Geschäftsführerin Antje von Dewitz systematisch vorangetrieben wird.

Treiber: intrinsische Motivation plus drei Stakeholder-Gruppen

Neben dieser inneren Überzeugung ordnete Bettina Roth drei Stakeholder-Gruppen ein, die auch aus ökonomischer Perspektive hohe Relevanz haben:

Politik & Regulierung: Auch wenn einzelne Regelwerke politisch diskutiert und teils angepasst werden (u. a. EU-„Omnibus“-Paket), bleibt die Richtung klar: Unternehmen müssen zunehmende Anforderungen an Transparenz, Sorgfaltspflichten und Produktinformationen umsetzen. Beispiele sind der Digitale Produktpass, das deutsche Lieferkettensorgfaltspflichtengesetz (LkSG) sowie die EU-Richtlinie zur Corporate Sustainability Due Diligence (CSDDD).

Finanzierung & Banken: Banken und Geldgeber verlangen – insbesondere bei kreditsensitiven Branchen – eine robuste ESG-Einordnung, Kennzahlen und ein nachvollziehbares Risikomanagement. Für Unternehmen mit hohen Vorfinanzierungsbedarfen entlang der Produktion sei das ein sehr konkreter Hebel.

Endkundinnen & Endkunden: Nach Bettina Roths Einschätzung steigen die Anforderungen an Glaubwürdigkeit, Langlebigkeit und belastbare Nachhaltigkeitsinformationen spürbar – und damit auch der Druck, Aussagen sauber zu belegen.

Risikoanalyse bis auf Fabrikebene – Kooperation als Schlüssel

Im Vortrag wurde außerdem deutlich, dass Risikobewertung nicht als isolierte Aufgabe verstanden werden sollte, sondern als Bestandteil einer strategischen und in der Organisation verankerten Managementlogik. Risiken unterscheiden sich je nach Lieferkettenstufe (z. B. soziale Risiken in Nähbetrieben, Umwelt-/Chemierisiken in vorgelagerten Material- und Stoffproduktionen). Anspruch sei es, Risikoanalysen bis auf Fabrikebene herunterzubrechen und dabei auf Augenhöhe mit Kernlieferanten zusammenzuarbeiten.

Kooperation stellte Bettina Roth als zentrales Schlüsselelement dar – u. a. in Zusammenarbeit mit Initiativen und Standards wie Fair Wear, bluesign® oder der Science Based Targets initiative (SBTi).

Dank & Ausblick

Wir danken Bettina Roth herzlich für einen sehr inspirierenden und praxisnahen Vortrag, der viele Facetten nachhaltigen Lieferkettenmanagements konkretisiert hat. Mit Blick auf die teils spürbaren gesellschaftlich-politischen Gegenbewegungen gab Bettina Roth den Studierenden eine realistische Perspektive mit – und zugleich Ermutigung:

„Nachhaltigkeitsmanagement ist kein Sprint – und auch kein Marathon. Eher ein Ironman. Aber es lohnt sich.“

 

Prof. Dr. Julian Conrads