Praxisvortrag "Nachhaltigkeit bei RINN" von Christian Ferber

Die Bau- und Gebäudewirtschaft liegt beim Ausstoß von Treibhausgasen auf Rekordniveau. Laut aktuellen Sachstandsbericht des IPCCs (Intergovernmental Panel on Climate Change) muss dieser Industriezweig immense Anstrengungen unternehmen, um die Pariser Klimaschutzziele bzw. die spezifischen Sustainable Development Goals der Vereinten Nationen zu erreichen.

Im Rahmen der Vorlesung „Nachhaltigkeit und gesellschaftliche Verantwortung“ der Professoren Isabell Lenz und Julian Conrads erhielten die Studierenden einen spannenden Einblick in die Nachhaltigkeitsstrategie der Firma RINN aus Heuchelheim bei Gießen. RINN ist ein familiengeführtes Baustoffunternehmen mit knapp 600 Mitarbeitenden an drei Standorten mit über 70 Million Euro Umsatz. RINN produziert v.a. Beton- und Naturstein für den privaten (bspw. Terrassen) und öffentlichen (bspw. Fußgängerzonen, Bahnhöfe) Raum.

Studierende beim Vortrag von Christian Ferber, Firma RINN

Christian Ferber, Mitglied der Geschäftsleitung und u.a. verantwortlich für Qualitäts- und Nachhaltigkeitsmanagement, zeigte dabei entlang der Wortschöpfungskette von RINN, welche Maßnahmen ergriffen werden, um die hohen Nachhaltigkeitsambitionen in die Tat umzusetzen.

An RINNs Produktionsstandorten werden bspw. fossile Energieträger systematisch durch erneuerbare Energien ersetzt. Hierbei werden Photovoltaikanalagen auf vielen Dächern an den Produktionsstandorten installiert und dadurch bereits 20% des gesamten Strombedarfs gedeckt.  Außerdem wird Wärmerückgewinnung aus den Produktionsprozessen und werkseigene Geothermie als Energie- bzw. Wärmequelle genutzt. Der größte Energieanteil wird somit aus erneuerbaren Quellen bezogen. Der fossile Restanteil (v.a. Gas) wird aktuell über CO2-Zertifikate ausgeglichen und mittelfristig durch den Ausbau der Geothermie komplett ersetzt.

Außerdem ging Christian Ferber beispielhaft auf die Details der Pflastersteinproduktion bzw. auf deren Materiallieferkette ein. Hier ersetzt RINN vermehrt klassische Rohmaterialien aus bspw. Basaltsteinbrüchen durch bereits gebrauchte Materialien (u.a. von Baustellen) für neue Steine. Dieses Recycling folgt hierbei also dem sog. „urban mining“- Prinzip. Herr Ferber ging hierbei auf die hochkomplexen logistischen Prozesse ein, u.a. den Materialrücktransport, die Rohstoffsortierung und Produktion mit recyceltem Split bzw. Sand.

Als Highlight präsentierte Christian Ferber den sog. „Klimastein“, der 90 % weniger klimaschädliches Zement einsetzt und stattdessen auf alternativen Bindemitteln basiert. Durch diese Innovation können 65% CO2 im Vergleich zu einem klassischen Pflasterstein eingespart werden – bei gleichbleibender Stabilität. Sowohl die kommunale bzw. unternehmerische als auch die private Nachfrage nach dem Klimastein steige laut Herrn Ferber aktuell stark, da das Klimabewusstsein deutlich gewachsen sei.   

Dass Nachhaltigkeit auch unternehmenskulturell stark bei RINN verankert und wertgeschätzt wird, zeigte Herr Ferber abschließend über Ergebnisse von Mitarbeiterbefragungen, die seit langem in Kooperation mit der THM durchgeführt werden.

Die BWL-Studierenden erhielten in Summe einen spannenden und interaktiven Einblick in die Nachhaltigkeitsbemühungen eines echten Vorreiters innerhalb der Baubranche und erfuhren zugleich, wie relevant Nachhaltigkeit für die unternehmerische Praxis sein kann. Der THM Business School freut sich daher, RINN als etablierten Kooperationspartner im Förderkreis als auch für den neuen Studiengang „Betriebswirtschaft – Nachhaltigkeitsmanagement“ (www.thm.de/w/bw-nm) an Bord zu haben.

Link zum Testimonial: https://www.thm.de/w/studium/unsere-studiengaenge/nachhaltigkeitmanagement-b-sc#Testimonial

 Isabell Lenz, Christian Ferber und Julian Conrads