Praxisvortrag zur Nachhaltigkeit in der Textilindustrie

Im Rahmen der Vorlesung „Nachhaltigkeit und gesellschaftliche Verantwortung" konnten die Studierenden des Bachelor-Studiengangs „Betriebswirtschaft - Nachhaltigkeitsmanagement" Katharina Liefner und Philipp Schumacher von der Firma FOND OF aus Köln begrüßen. Ein besonderer Moment auch für THM-Professor Dr. Julian Conrads, der während seiner Praxiszeit selbst 5 Jahre für FOND OF tätig war und weiterhin enge Verbindungen zu FOND OF pflegt.

FOND OF wurde 2010 - damals noch als ergobag GmbH - in Köln gegründet. Aus einem Start-up für Schulrucksäcke hat sich in den vergangenen 14 Jahren ein Unternehmen entwickelt, das die Kindermarken Affenzahn, ergobag, satch und - über die Tochter baesiq GmbH - die Lifestyle-Marken AEVOR und pinqponq beheimatet. Zusammen beschäftigen die fünf Marken rund 250 Mitarbeitende und erwirtschaften einen Umsatz von rund 120 Millionen Euro. Studierende im Hörsaal

Einleitend begründeten die beiden Gastredner:innen das Nachhaltigkeitsengagement von FOND OF zum einen mit den negativen Auswirkungen der Textilindustrie auf Mensch und Natur (z.B. produktionsbedingte CO2-Emissionen, Wasser- und Chemikalieneinsatz, Verletzung von Menschenrechten). „Nachhaltigkeitsmanagement ist mehr als Gutmenschentum“, hieß es aber auch, und so wurden auch die rein ökonomischen Vorteile nachhaltigen Wirtschaftens diskutiert (z.B. Risikominimierung, Steigerung der Arbeitgeberattraktivität, Erfüllung regulatorischer Anforderungen). 

Anschließend gaben Katharina Liefner und Philipp Schumacher einen Überblick über ihre Nachhaltigkeits- und Klimastrategie. Konkret wurde das Ziel formuliert: „Wir reduzieren unsere CO2-Emissionen nach den Science Based Targets mit dem Ziel 2050 klimaneutral zu sein“. Dazu werden alle Unternehmens- und Produktemissionen (Scope 1-3) erfasst, klare Reduktionsziele definiert und darüber öffentlich berichtet. Um dies auch extern verifizieren zu lassen, ist FOND OF der Science Based Targets Initiative beigetreten, die als führende Multi-Stakeholder-Initiative im Klimaschutz gilt.

Auch über die ökologischen und sozialen Herausforderungen in der Lieferkette wurden eingehend berichtet. Die Sicherstellung menschenwürdiger Arbeitsbedingungen wird z.B. durch die Mitgliedschaft in der Multi-Stakeholder-Initiative Fair Wear Foundation adressiert, z.B. über Audits und eine Beschwerdehotline für Näher:innen. Um die ökologischen Auswirkungen der Produktion (Wasser- und Chemikalieneinsatz sowie Energieverbrauch) zu reduzieren, ist FOND OF bluesign-Systempartner, über dessen Ansatz u.a. Ressourcenproduktivität, Gewässerschutz, Emissionsschutz und Arbeitssicherheit in der tieferen Lieferkette adressiert werden. Auch die Potenziale der Kreislaufwirtschaft und z.B. des chemischen Recyclings wurden diskutiert.

Insgesamt zeigte der Vortrag, wie vielfältig die Herausforderungen der Nachhaltigkeit entlang der Wertschöpfungskette eines Textilunternehmens sind. Beide Gastredner betonten abschließend, wie wichtig es ist, dass sich auch Hochschulen mit diesen Herausforderungen auseinandersetzen und Absolvent:innen ausbilden, die diese in ihrem Berufsleben systematisch angehen – „die Nachfrage nach Nachhaltigkeitsexpert:innen auf dem Arbeitsmarkt ist derzeit sehr hoch", so Philipp Schumacher.

Wir bedanken uns für den inspirierenden Besuch und freuen uns auf ein Wiedersehen!